Eigenwilliger Querdenker

Ralf Fenske ist neuer Vorsitzender des Bundesfachbereichsvorstands

„Alles neu macht der Mai“, sagt der Volksmund. Dem Fachbereich 8 in ver.di (Medien, Kunst und Industrie) hat der Mai einen neuen Vorsitzenden des Bundesfachbereichsvorstands beschert: Die Bundesfachbereichskonferenz in Berlin sprach Ralf Fenske nahezu einhellig als neuen Vorsitzenden das Vertrauen aus.


Der gelernte Elektromechaniker hat seit 1973 in der Haustechnik der Turmhausdruckerei in Stuttgart gearbeitet, der Druckerei der Stuttgarter Zeitungsgruppe. Er war dort seit 1990 im Betriebsrat, seit 1991 Betriebsratsvorsitzender und später auch Konzernbetriebsratsvorsitzender der Südwestdeutschen Medienholding. Seit Mitte 2006 ist er freiberuflich tätig als Berater und Sachverständiger für Betriebsräte insbesondere im Bereich Verlage, Druck und Papier. Hand in Hand mit der Betriebsratstätigkeit ging seine gewerkschaftliche Arbeit. Mit 16 Jahren trat Ralf Fenske der Gewerkschaft bei. Mit einer kurzen Unterbrechung war er in den unterschiedlichsten Gremien der IG Druck und Papier, der IG Medien und in ver.di aktiv.
Der Grund der Unterbrechung seiner Gewerkschaftszugehörigkeit ist typisch für den eigenwilligen Querdenker. Als Mitte der achtziger Jahre im Ortsverein das Kassieren der Gewerkschaftsbeiträge auf Bankeinzug umgestellt werden sollte, wartete Ralf Fenske erst einmal ab. Schließlich bekam er einen Brief, in dem er ziemlich harsch aufgefordert wurde, eine Einzugsermächtigung auszustellen. Nicht der Bankeinzug als solcher brachte ihn auf die Palme, sondern der Ton des Schreibens. In Fenske wuchs der Widerstandsgeist. Er schaltete auf stur und flog prompt aus der Gewerkschaft.
Für jemanden, dem Gewerkschaftsarbeit grundsätzlich wichtig ist, war der Zustand außerhalb der Organisation nicht sehr lange zu ertragen. Ralf Fenske trat wieder ein und engagierte sich im Ortsverein, im Bezirk und vor allem in der Fachgruppe. Er war stellvertretender Vorsitzender der Landesfachgruppe Druckindustrie und Zeitungsverlage. Seit der Gründung von ver.di ist er Mitglied im Landesbezirksfachbereichsvorstand und derzeit stellvertretender Vorsitzender des Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie in Baden-Württemberg. Und seit der Berliner Konferenz vom Mai ist er auch noch für den Gewerkschaftsrat nominiert.
Als Vorsitzender des Bundesfachbereichsvorstands sieht er eine ganze Palette an Aufgaben auf sich und seine Vorstandskolleg/-innen zukommen. Wichtige Themen, die es in naher Zukunft zu bearbeiten gilt, sind für ihn: „Die Stärkung unserer Organisationsfähigkeit im Hinblick auf die Mitgliederentwicklung, den Umgang mit Leiharbeit und prekärer Beschäftigung, die Verteidigung der Flächentarifverträge und der Tarifautonomie sowie aktuelle Medien-, Kunst- und Kulturpolitik. Wobei er ausdrücklich betont, dass er sich in diese zuletzt genannten Bereiche „erst noch einarbeiten muss“.
Ganz persönlich liegt ihm die „Stärkung des Ehrenamts“ am Herzen. Eine lebendige Gewerkschaft brauche das Engagement der Ehrenamtlichen. Damit diese sich einbringen können, sei es wichtig, darauf zu achten, dass die Ehrenamtlichen das Sagen haben und nicht die Hauptamtlichen alles bestimmen. Effektive Gewerkschaftsarbeit erfordere eine unmittelbare Nähe zur betrieblichen Praxis, ohne aber betriebsblind zu werden.
Die betriebliche Nähe hat Ralf Fenske nach wie vor. Zum Stuttgarter Pressehaus hält er noch immer engen Kontakt, begleitet seine Nachfolger im Betriebsrat mit Rat und Tat und auch zum Konzernbetriebsrat sind die Verbindungen nicht abgerissen.
Wenn sich Ralf Fenske trotz all seiner Ämter und Posten einmal Zeit fürs Privatleben nimmt, sind seine Hobbys Lesen („obwohl er in seinen Funktionen genug mit allerlei Papieren zu tun hat“) , Musik und – für einen bodenständigen Schwaben fast schon bedenklich – Reisen. Wie viele aus seiner Generation steht Ralf Fenske auf Musik der sechziger und siebziger Jahre, aber er mag auch andere Stilrichtungen. Vorwiegend hört er Rock, am liebsten Deutschrock. Doch der 53-Jährige ist durchaus auch auf Heavy Metall- oder Punkrock-Konzerten anzutreffen.
Für seine Reisen in wärmere Gefilde nimmt er – allen ökologischen Bedenken zum Trotz – am liebsten das Auto. Er liebt Sonne und Meer und seine Unabhängigkeit. „In der Herde mit Reisegesellschaften Urlaub zu machen“, ist ihm ein Gräuel. Er sucht den Kontakt mit Land und Leuten. „Und den findest Du am besten im Inland, weg von den Touristenhochburgen“, sagt er. Deshalb brauche er im Urlaub sein Auto, um im Land herumzureisen.
Eingefahrene Wege mag Ralf Fenske weder im Urlaub noch im Privatleben. Er sucht die Herausforderung, auch politisch. Als „überzeugter Anhänger des Generalstreiks“ hat er noch eine ganze Menge zu bewegen, um seine Ziele zu erreichen. „Ziviler Ungehorsam“ und „das Recht auf politischen Streik“ sind für ihn keine Plattitüden, sondern eine konkrete Herausforderung. Wiewohl ihm durchaus bewusst ist, dass er und sein Gremium in den kommenden vier Jahren erst einmal viel kleinere Brötchen backen müssen.

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