Manfred Kloiber: Nimmt gern das Ruder in die Hand

Foto: Stephanie von Becker

Wenn die Wellen hoch schlagen in der Debatte, Fragen zum Prozedere im Orgakram aufkommen, Unruhe im Saal entsteht, dann geht Manfred Kloiber ans Mikro. Er gibt Antworten, erklärt geduldig, sagt seine Meinung – und das alles konzentriert auf den Punkt. So kennen und schätzen ihn viele. Es wundert daher nicht, dass der freiberufliche Radiojournalist erneut zum Bundesvorsitzenden der Fachgruppe gewählt wurde, die nunmehr unter dem Namen „Medien, Journalismus und Film“ firmiert. Eine Funktion, die er bereits seit acht Jahren ausgefüllt hatte. Parallel dazu nahm er im schwierigen Fusionsprozess von sehr verschiedenen Branchen zu einem gemeinsamen Fachbereich als Vorsitzender des Gründungsvorstandes seit 2019 das Ruder in die Hand. Für Manfred ist es „bemerkenswert“, dass ein Selbstständiger hier maßgeblich mitgestalten konnte beim Ringen um neue Strukturen und Regelungen. Das zeige nicht zuletzt, das Freie „im Fachbereich ihren anerkannten Platz haben“.

Hauptsächlich aber ist Manfred Wissenschaftsjournalist zum Thema IT beim Deutschlandfunk in Köln – seit nunmehr 37 Jahren. Unter anderem moderiert er die Sendung „Computer und Kommunikation“, die im Deutschlandfunk als Samstagsausgabe in der Sendereihe „Forschung aktuell“ läuft. Er erinnert sich, wie schwierig es vor Jahren noch war, Technik-Themen in Rundfunksendungen zu platzieren. Sie galten eher als „Spezialthemen“, die dem Vernehmen nach nicht jeden interessieren würden. Er habe zwar viele Ideen umsetzen dürfen, aber nur wenige Kolleginnen und Kollegen hätten sich anfangs dafür interessiert, wovon die Techniknerds in der Wissenschaftsredaktion überhaupt berichteten. Dennoch habe Deutschlandradio schnell erkannt, dass IT-Themen wichtig für das Publikum sind, es daran sehr interessiert ist. Inzwischen sind sie essentieller Bestandteil des Programms – für Manfred Kloiber eine große, gern angenommene Herausforderung, wichtige Themen zu identifizieren und umgehend umzusetzen – getrieben von der rasanten Geschwindigkeit technischer Entwicklungen. Aber das kommt dem Elektronikfan auch privat entgegen. Schon immer tüftelte er gern, hat sein eigenes Tonstudio, mit allem Drum und Dran selbst gebaut – noch „mit dem Lötkolben in der Hand“.

Zeit dafür findet er derzeit auf jeden Fall zu wenig. Schließlich ist der Journalist auch im Deutschlandradio ehrenamtlich unterwegs. Als Vorsitzender der Freienvertretung schaut er zusammen mit seinen acht Kolleginnen und Kollegen auf die Belange der rund 700 arbeitnehmerähnlichen Freien bei Deutschlandradio. Honorarstreitigkeiten, Bestandsschutz, sozialversicherungsrechtliche Statusfragen, Programmveränderungen – das sind die Kernthemen der Freienvertretung. Wenn es auch seit 2020 ein Freienstatut im Sender gibt, ist dieses Engagement für Freie von einer vollen Mitbestimmung, wie sie der Personalrat inne hat, noch sehr weit entfernt. Ein Ärgernis auch für Manfred Kloiber. Er hält es für notwendig, „dass auch für die Arbeitnehmerähnlichen eine Personalvertretung mit allen Rechten geschaffen wird, wie sie die Personalräte haben“. Denn: Bei offensichtlich falschen Entscheidungen des Arbeitgebers, zum Beispiel bei den Dienstplänen, kann der Personalrat die Zustimmung verweigern. Die Freienvertretung dürfe dem Intendanten lediglich ihre Meinung dazu mitteilen. Das müsse sich ändern, ist Manfred überzeugt.

 

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