Tolles Ergebnis für Frank Werneke

Frank Werneke, bisheriger und neuer stellvertretender ver.di-Vorsitzender und Bundesfachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie. Foto: Kay Herschelmann

Verbesserung der Bedingungen für Selbstständige – eine wichtige Aufgabe

Frank Werneke (48) ist auf dem vierten ver.di- Bundeskongress in seinem Amt als stellvertretender ver.di-Vorsitzender und Leiter des Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie bestätigt worden. 92,7 Prozent der rund 1000 Delegierten, die vom 20. bis zum 26. September in Leipzig die Weichen für die politische Arbeit von ver.di neu stellten, stimmten für Werneke.

In seiner Vorstellung kündigte er an, dass die Verbesserung der Einkommensbedingungen und der sozialen Sicherung von Selbstständigen einen wesentlichen Schwerpunkt seiner Arbeit in den kommenden vier Jahren darstelle. Soloselbstständigkeit als Erwerbsform nehme in Folge des digitalen Wandels in vielen Branchen an Bedeutung zu, weit über den Medienbereich hinaus. Und zwar nicht nur in Form erzwungener Scheinselbstständigkeit, sondern auch als selbstbewusst gewählte Form der Erwerbsarbeit. ver.di bringe alle die Vorausetzungen mit, auch in einer sich so verändernden Arbeitswelt, eine wichtige gewerkschaftliche Kraft zu sein.

Große Themen für seinen Fachbereich seien die Sicherung der Pressefreiheit und der Medienvielfalt: „Die Pressefreiheit ist auch durch staatliches Handeln in Gefahr”, warnte Werneke. Das sei durch den Skandal um die Landesverratsvorwürfe gegen Journalisten von Netzpolitik.org deutlich geworden.

Als mindestens genauso bedrohlich bewertete er die ökonomischen Entwicklungen. In den vergangenen Jahren sei ein Drittel der Stellen in Redaktionen abgebaut worden. Noch massiver seien die Arbeitsplatzverluste in den Verlagsabteilungen und in der Technik. Der damit einhergehende Qualitätsverlust sei nicht von der Hand zu weisen, unabhängig vom Vertriebsweg. „Internetmedien, Smartphone oder Tablet – das Mediennutzungsverhalten verändert sich rasant. Das macht auch neue Modelle in der zukünftigen Finanzierung von Journalismus erforderlich”, unterstrich Werneke.

Anders als die Verleger, denen immer nur einfiele, neue Steuerprivilegien zu fordern, trete ver.di dafür ein, unabhängigen Journalismus und die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten unmittelbar zu finanzieren, auch über eine öffentliche-rechtliche – aber staatsfern organisierte – Mitfinanzierung journalistischer Leistung, etwa im Rahmen öffentlicher Stiftungen. „Sicher führen entsprechende Modelle zu massivem Gegenwind seitens der Medienmanager. Aber es geht uns nicht darum, den Verlegern die Profite zu sichern”, so der ver.di-Vize. Ziel sei vielmehr – über alle möglichen Wege – eine plurale Medienlandschaft zu erhalten bzw. neu zu schaffen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Haltestelle verpasst

Der digitale Omnibus der EU droht Grundrechte zu verwässern. Er enthalte eine Reihe technischer Änderungen an digitalen Rechtsvorschriften, die ausgewählt worden seien, um „Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Bürgern gleichermaßen Soforthilfe zu bieten und die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern,“ schrieb die EU- Kommission im Dezember vergangenen Jahres.
mehr »

BPK: Umstrittene Mitgliedschaft

Sachlich, an Tatsachen orientiert und fair – diesen Anspruch erhebt die Bundespressekonferenz (BPK), der Verein der Hauptstadtpresse, für die Berichterstattung ihrer Mitglieder. Parallelmedien haben dort dennoch einen Fuß in der Tür. Und werden damit normalisiert.
mehr »

Kämpferischer Auftakt im ÖRR

In politisch umkämpften Zeiten beginnen auch im ÖRR die Tarifverhandlungen. Ver.di ruft die Hamburger Beschäftigten beim NDR daher heute zum Warnstreik auf. Er beginnt am Dienstag und endet am Mittwoch um 1.30 Uhr. Seit Februar läuft der Tarifkonflikt um die Gehälter, Honorare und Ausbildungsvergütungen der rund 5.000 festen und freien NDR-Beschäftigten.
mehr »

Medizinische Hilfe wird verweigert

Willkürlich inhaftiert zu sein ist das eine, in der Haft krank zu sein und die dringend erforderliche medizinische Versorgung nicht zu erhalten ist das andere. Genau das müssen gerade mehrere Journalist*innen in Aserbaidschan erleiden.
mehr »