Anspruchvolle Ziele für Journalistenarbeit

Zagreb: dju-Vertreter in Leitungsgremium der EFJ gewählt

Jährlich findet ein Treffen der Europäischen Journalistenföderation (EFJ) statt, aber nur aller drei Jahre werden Struktur- und Finanzfragen beschlossen sowie die Mitglieder des Steering Committees (SC) gewählt. In Zagreb beim General Meeting Ende März wurde Wolfgang Mayer als dju-Vertreter erneut in das EFJ-Leitungsgremium gewählt. Außerdem stellten sich die 61 Delegierten aus 27 Ländern anspruchsvolle Aufgaben bis 2010.

Eigentlich waren die Weichen schon Wochen vor dem Zagreb-Meeting gestellt: Wolfgang Mayer, bisher Schatzmeister im Steering Committee der Europäischen Journalistenföderation (EFJ), war für eine weitere Legislaturperiode nominiert und mit zwei Anträgen zu künftigen EFJ-Arbeitsschwerpunkten hatte die dju in ver.di Zeichen gesetzt. Da es auch einen Antrag des SC für Satzungs- und damit Strukturveränderungen der EFJ im Sinne der dju-Reformbemühungen gab, schien alles klar. Doch bei demokratischen Mehrheitsentscheidungen kann man nie sicher sein, wie die ausfallen.
Das musste besonders der DJV spüren, der zwar Michael Klehm als Mitglied für das EFJ-Leitungsgremium nominiert hatte, seinen Kandidaten aber mangels ausreichender Stimmenzahl nicht durchbrachte. Dafür wurde der dju-Vertreter Wolfgang Mayer (S. 7) für eine dritte Amtsperiode in das EFJ-Leitungsgremium gewählt mit der zweithöchsten Stimmenzahl – offenbar Anerkennung für aktive, erfolgreiche Arbeit, nicht nur als ehrenamtlicher Schatzmeister, sondern auch in der Urheberrechts-Expertengruppe. Überhaupt ist das SC eher ein Koordinierungsgremium, denn die wichtige Arbeit erfolgt bei der EFJ schon seit etlichen Jahren in diesen Expertengruppen, von denen es neben dem Urheberrecht auch drei weitere zu Rundfunk, Freien und zu Arbeitsbedingungen gibt. In allen leistet die dju durch mehrere Vertreter wichtige Sacharbeit.
Auch das zweite Ziel der dju, mit aktiver Teilnahme an den Debatten des EFJ-Jahrestreffens und entsprechende Anträge die künftige Arbeit bis 2010 mitzuge­stalten, gelang in Zagreb. So stimmten die Delegierten einmütig für die zwei dju-Anträge zu „Bürgerjournalismus“ und Web 2.0 sowie zu prekären Beschäftigungsverhältnissen. Für ersteres ist ein Erfahrungsaustausch über neue Trends und den Missbrauch von Lesern, Hörern und Zuschauern durch Verleger und Senderbesitzer geplant. Zu Lohndumping, Leiharbeit und Outsourcing ist die EFJ beauftragt, demnächst einen Workshop zu organisieren, um Gegenstrategien zu beraten. Auch der Antrag des DJV zu aktiverer Europa-Medienpolitik fand seine Mehrheit, ebenso wie Appelle zu aktuellen Journalistenproblemen in Kroatien, Polen, Slowenien, Serbien, Frankreich und Portugal.

Initiative Qualitätsjournalismus

Inhaltlich stand das EFJ-Jahrestreffen unter dem Motto „Promoting core labour standards for all journalists: The challenges of the digital era“ (Förderung grundlegender Arbeitsstandards für alle Journalisten: Die Herausforderungen der digitalen Ära). Fazit der zwei Panel-Diskussionen: Von Island bis Italien, von Frankreich bis Polen kämpfen die Kollegen mit ähnlichen Problemen, zumal Verlage und Medienhäuser zunehmend grenzüberschreitend agieren. Weitere acht Anträge zum Jahrestreffen und das neue Arbeitsprogramm bis 2010 bilden künftig den Kern der EFJ-Arbeit – die Themenpalette reicht von Arbeitsgesetzgebung (Green Paper der EU), einer Konferenz zu „public value“ im Rundfunk, medienspezifische Antikonzentrationsregeln, gleiche Arbeitsbedingungen in transnationalen Medienkonzernen bis zu einer „Initiative Qualitätsjournalismus“, die nach deutschem Vorbild europaweit ausgedehnt werden soll. Schwerpunkte im EFJ-Arbeitsprogramm sind außer den vier ständigen Experten-Arbeitsgruppen Fragen der Digitalisierung, Gender (Frauennetzwerk), die Zukunft des Journalistenberufs sowie Presse-/Informationsfreiheit (Quellenschutz etc).
Einziger Wehrmutstropfen des EFJ-Jahrestreffen war die Debatte um Finanzen und Strukturreformen. Das Steering Committee zog seinen Antrag zu Tagungsbeginn zurück mit der Begründung, der Weltkongress der EFJ-„Mutter“ Internationale Journalistenföderation (IFJ) Ende Mai werde sowieso Änderungen mit sich bringen. Auf Protest von Österreich und der dju gab es zumindest vom wieder gewählten Chef des Steering Committee, Arne König (Schweden), die Zusage, dass eine Working Group sich umgehend mit Strukturänderungen befassen werde, die nicht erst beim nächsten General Meeting in drei Jahren sondern bereits vorher beschlußfähige Veränderungen vorlegen soll. Und für den IFJ-Weltkongress in Moskau, so Generalsekretär Aidan White, sind etliche beruflich-gewerkschaftliche Veranstaltungen, Protestaktionen und eine Demonstration für Pressefreiheit in Russland geplant.

nach oben

weiterlesen

Fotografieren ist unerwünscht

Die Pressefotografen und Kameraleute auf den Kanaren sind empört. Seit Wochen kommen vermehrt Flüchtlingsboote vom afrikanischen Festland auf die Inseln. Die meisten landen auf Gran Canaria. Mindestens 15.000 Migranten sind im Laufe des Jahres auf den Kanaren angekommen. So viele waren es seit 2006 nicht mehr. Doch es gibt kaum Bilder in den Zeitungen und im Fernsehen.
mehr »

Türkei wegen Haft für Journalisten verurteilt

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Türkei verurteilt, weil sie acht Journalisten und Manager der Zeitung "Cumhuriyet" und der "Cumhuriyet"-Stiftung monatelang eingesperrt hatte. Mit der Haft seien die Meinungsfreiheit und das Recht auf Freiheit und Sicherheit der Betroffenen verletzt worden, erklärte der EGMR am Dienstag in Straßburg. Ihnen wurde Schadenersatz von 16.000 Euro pro Person zugesprochen.
mehr »

Nicaragua: Zensur als Bedrohung per Gesetz

Das nicaraguanische Parlament verabschiedete am 27. Oktober ein Gesetz zur Regulierung des Internets. Unter dem Deckmantel des Schutzes der Informationsfreiheit erteilen die Abgeordneten den Gerichten weitgehende Handhabe, um gegen Falschinformationen vorzugehen. Jedoch: Was falsch ist, definiert die Regierung. Für unabhängige Medien und Berichterstatter*innen  könnte das Gesetz zum Damoklesschwert werden, so Carlos Fernando Chamorro, Redaktionsleiter der Wochenzeitung Confidencial. Er sieht die Pressefreiheit in Gefahr.
mehr »

US-Medien zeigen Haltung

Die Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahl stehen noch immer nicht fest. Dennoch verkündet Donald Trump seit Tagen bereits seinen Sieg und spricht von Wahlmanipulation. Doch sowohl etablierte Medien als auch Social Media-Seiten reagieren nun auf Falschaussagen und Desinformationskampagnen. Einige US-Sender brechen sogar die Übertragung seiner Pressekonferenz aus dem Weißen Haus vorzeitig ab.
mehr »