Arte: Sender schürt Konflikte mit ver.di

Auch nach einer Einigung zwischen der Verwaltungsspitze von Arte und ver.di um die Mitarbeit gewerkschaftlicher Vertreter in betrieblichen Gremien vor Monaten zieht keine Ruhe ein. Eher werden in Straßburg neue Konflikte geschürt: Dem erkrankten Moderator von Arte Journal, einem engagierten ver.di-Mitglied, wurde jetzt die Lohnfortzahlung gestrichen. Als „skandalöse Benachteiligung eines engagierten Gewerkschafters“ und Eskalation sieht das Siegfried Heim, der für den deutsch-französischen Fernsehsender zuständige baden-württembergische ver.di-Landesfachbereichsleiter Medien.

Der erkrankte Nachrichtenmoderator Jürgen Biehle ist bei Arte auch gewähltes Mitglied des Betriebsrates und vertritt ver.di in den nach französischem Recht stattfindenden Sitzungen der Arte-Leitung mit Gewerkschaftsvertretern. Im akuten Fall geht es um dessen Antrag auf Verbleib im deutschen Sozialversicherungssystem, das ihn besser absichern würde. „Während zwei leitende Angestellte von der Arte-Führung in vergleichbaren Fällen gut unterstützt wurden, muss unser Kollege jetzt sogar die komplette Streichung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hinnehmen“, fasst Heim die Auseinandersetzung zusammen.

Auch in einem zweiten Fall kritisiert ver.di die Benachteiligung eines aktiven Gewerkschafters in dem Fernsehsender: Ein ehemaliges Betriebsratsmitglied hatte sich eine Teilzeit-Festanstellung bei Arte gerichtlich erstritten. Seither würden ihm jedoch alle Vertretungstätigkeiten vorenthalten, die zuvor ein Vollzeit-Einkommen ermöglichten. Zudem seien auch französische Gewerkschafter derzeit mit Benachteiligungen von Seiten der Arte-Führung konfrontiert.

„Aus Protest gegen dieses Arbeitgeberverhalten werden wir die Mitarbeit in den Arte-Arbeitnehmergremien auf unbestimmte Zeit einstellen“, kündigt Heim an. Jahrzehntelang praktizierte bikulturelle Tarif- und Sozialpartnerschaft könne nur gleichberechtigt funktionieren.

Im September 2017 war ver.di von Arte verklagt worden, nachdem die Gewerkschaft ihre Vertreter turnusgemäß gegenüber dem Arbeitgeber neu benannt hatte. Dieser Streit war Anfang November mit einer Zusatzvereinbarung zu dem deutsch-französischen Tarifvertrag von 1994 beigelegt worden, der die Arbeit bei Arte in Straßburg regelt. ver.di hatte dabei akzeptiert, nur Gewerkschaftsvertreter benennen zu können, die auch nach französischem Recht in den Betriebsrat des Senders gewählt wurden.

nach oben

weiterlesen

Mumia Abu Jamal an Corona erkrankt?

Die Nachricht über die akute Bedrohung für die Gesundheit des seit 1981 inhaftieren US-Journalisten erreichte in den letzten Tagen Solidaritätsgruppen in aller Welt. Sie fürchten um das Leben des 66-Jähigen, der wegen zahlreicher Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehört. Der Aktivist der Black-Panther-Party wurde wegen der angeblichen Ermordung eines Polizisten zum Tode verurteilt. 2011 hat ein Bundesgericht die Strafe in lebenslange Haft ohne Revisionsmöglichkeit umgewandelt.
mehr »

Guter Film braucht einen guten Ton

Die Klage ist vermutlich so alt wie das Fernsehen: Viele Zuschauer haben bei Filmen und Serien Probleme, den Dialogen zu folgen. Das hat auch mit dem Alter zu tun; ARD und ZDF bekommen vermutlich mehr solche Beschwerden als zum Beispiel ProSieben. Seit einiger Zeit nun versuchen verschiedene ARD-Sender im Rahmen von Pilotprojekten, die Sprachverständlichkeit des Fernsehens zu verbessern. Die Ursache liegt jedoch tiefer: Der Ton ist seit Jahrzehnten das Stiefkind der Filmproduktion.
mehr »

Buchtipp: Sprache in den Medien

Seit Jahrhunderten wird den Zeitungen eine Verhunzung der deutschen Sprache vorgeworfen. Zeitungsschreiber seien als „Sudler“ für alle nur erdenklichen Sprachverhunzungen verantwortlich. Das Zitat stammt vom 1860 verstorbenen Philosophen Arthur Schopenhauer. Schon 1643 geißelte der Arzt und Dichter Christoph Schorer aus Memmingen die „Sprachverderber“, weil sie so viele französische und lateinische Vokabeln verwendeten.
mehr »

RBB: Neuer Anstrich ohne Vorwarnung

Die Ankündigung kam ohne Vorwarnung. Am 15. Februar erhielten die Redaktionen des RBB-Vorabendprogramms die Hiobsbotschaft: Zum Jahreswechsel 2021/22, so teilte Torsten Amarell, Leiter der so genannten „Contentbox Gesellschaft im RBB“ den konsternierten Mitarbeiter*innen mit, bekomme der Vorabend einen komplett neuen Anstrich. Die bewährten Sendungen „rbb um 6“ und „zibb -zuhause in Berlin und Brandenburg“ werden gestrichen. An ihre Stelle treten „90 Minuten live mit Nachrichten, Ratgeber und einem neuen Talk“.
mehr »