Betriebsrätetreffen in Budapest

Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg diskutiert

Betriebsräte und Gewerkschafter aus Deutschland, der Schweiz, Ungarn, Polen, Bulgarien, der Tschechien und der Slowakei trafen sich initiiert durch ver.di im November 2002 in Budapest. Kolleginnen und Kollegen der Verlagsgruppe Passau, des Axel-Springer Verlages Ringier, Gruner + Jahr und der WAZ diskutierten mit Medienwissenschaftler Horst Röper über die Konzentration der Medien in Mittel- und Osteuropa und wie man künftig zusammenarbeiten kann.

Euro-Betriebsräte des norwegischen Unternehmens Orkla (36 000 Beschäftigte) hatten sich bereits daran gemacht, Ansprechpartner in den Redaktionen der Orkla Media-Beteiligungen in Polen zu gewinnen. Vertreter der Schweizer Mediengewerkschaft Comedia, verwiesen auf ihre Erfahrungen mit der ATTAC-Bewegung: Es sei gelungen, sich neu für junge Menschen zu öffnen und sich politisch der globalen Dominanz transnationaler Konzerne zu stellen. Michael Klehm (DJV) erläuterte das Herangehen der Internationalen Förderation der Journalisten (IFJ / EFJ): Vor kurzem wurden für die WAZ-Beteiligungen in Jugoslawien und Kroatien Tarifverträge abgeschlossen. Der Axel-Springer-Verlag (ASV) hat als größtes deutsches und europäisches Zeitungsunternehmen in Ungarn die führende Stellung auf dem Zeitungsmarkt. Die Betriebsräte aus Deutschland gaben einen Überblick über die Ausrichtung des Unternehmens und Stellung auf den osteuropäischen Märkten sowie das Rationalisierungsschutzabkommen des ASV. Georgy Lepies, Präsident der ungarischen Pressegewerkschaft berichtete, dass es für ASV Ungarn (acht Betriebe) einen nationalen Tarifvertrag gibt. Die Betriebsrats- und Gewerkschaftsvertreter der führenden ungarischen Tageszeitung „Nepszabadasg“, (49,9 % Ringier, 17 % G+J) stellten ihr System der Interessenvertretung vor – einer Beteiligungsgesellschaft (als Mitgesellschafter), dem Gewerkschaftskomitee und dem Betriebsrat.

Die G+J-Vertreter aus verschiedenen Ländern informierten über die Erfahrungen des Euro-Betriebsrates: G+J verfügt in Polen und Tschechien über eine starke Stellung im Zeitschriftenmarkt und strategisch wichtigen Beteiligungen in der Slowakei, Rumänien sowie den Minderheitenbeteiligungen (49 %) in Tschechien und Jugoslawien.

Für eine stärkere Zusammenarbeit der Interessenvertretungen in den führenden Medienkonzernen in Mittel- und Osteuropa hatte sich der ver.di-Vertreter aus Hamburg ausgesprochen. Die Arbeitsbedingungen sind in diesen Betrieben nach der Restrukturierung der Geschäftsaktivitäten besser geworden. Die Chance besteht, dass man über diesen Weg eine neue inhaltliche Grundlage schafft, die den verschiedenen Gebilden der westeuropäischen Euro-Betriebsräte bis heute fehlt.

 

Holger Artus ist Betriebsratsvorsitzender „Hamburger Morgenpost“

 

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