Die Schicksale der in M vorgestellten verfolgten Kolleginnen und Kollegen im Überblick

Nebojsa Ristic (M 1-2/2000) wurde am 18. März 2000 vorzeitig aus der Haft entlassen. Der Direktor des unabhängigen jugoslawischen Fernsehsenders „TV Soko“ erklärte nach seiner Freilassung, er werde weiter für die unabhängige TV-Station arbeiten. Ristic war wegen der „Verbreitung falscher Nachrichten“ verurteilt worden.

Milan Nepali (M 3/2000) ist weiterhin „verschwunden“. Am 21. Mai 1999 wurde der Redakteur der Monatszeitung „Disabodh“ und Mitglied des „Verbandes der Nepalesischen Intelektuellen“ von acht Polizisten in Kathmandu festgenommen. Seitdem gibt es keine Informationen mehr über seinen Aufenthaltsort.

Mumia Abu-Jamal (M 4/2000) ist weiterhin im US-Bundesstaat Pennsylvania im Todestrakt. Der schwarze Journalist soll 1981 den Polizisten Daniel Faulkner erschossen haben. In einem unfairen Verfahren wurde er 1982 zum Tode verurteilt. Abu-Jamal hat stets seine Unschuld beteuert.

Rafael Marques (M 5-6/2000) musste nicht wieder ins Gefängnis. Der angolanische Journalist wurde zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung, zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 5.000 Mark sowie mit einem Publikationsverbot von fünf Jahren wegen „Diffamierung des Präsidenten“ verurteilt. In der Wochenzeitung „Agora“ hatte Marques im Juli 1999 Staatspräsident José Eduardo dos Santos für Bürgerkrieg und Korruption verantwortlich gemacht.

Der Aufenthaltsort von Taisa Isajewa (M 7/2000) ist weiterhin unbekannt. Die Journalistin der Agentur „Chechen Press“ wurde am 2. Juni vergangenen Jahres von russischen Streitkräften wegen des Besitzes einer Videocamera und eines tragbaren Computers festgenommen.

Seit den Protesten gegen die Morddrohungen vom vergangenen Jahr ist die Guatemaltekin Ileana Alamilla (M 8-9/2000) nach amnesty international vorliegenden Informationen nicht mehr eingeschüchtert worden.

Miroslav Filipovic (M 10/2000) kam am 10. Oktober wieder auf freien Fuß. Der unter anderem für die Nachrichtenagentur „afp“ tätige Journalist war im Mai 2000 wegen seiner Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen der serbischen und jugoslawischen Sicherheitskräfte im Kosovo der „Spionage“ und „Verbreitung falscher Informationen“ angeklagt und vom Militärgericht in Nis für schuldig befunden worden. Das Belgrader Militärgericht hob das Urteil wenige Tage nach dem Machtwechsel auf und ordnete Filipovic‘ Freilassung an.

Georgij Gongadse (M 11/2000) ist tot. Die Leiche des seit dem 16. September vergangenen Jahres „verschwundenen“ Journalisten aus der Ukraine wurde am 3. November in einem Waldstück bei Kiew ohne Kopf aufgefunden und mit Hilfe eines DNA-Tests identifiziert. Gongadse war Chefredakteur der regierungskritischen Internet-Zeitung „Ukrainskaja Prawda“.

Unter anderem wegen der „Beleidigung von Ayatollah Khomeini“ und der „Verbreitung von Propaganda gegen das islamische System“ hat das Revolutionsgericht in Teheran Akbar Ganji (M 12/2000) am 13. Januar dieses Jahres zu zehn Jahren Haft und anschließenden fünf Jahren Exil verurteilt. Der Redakteur der Zeitung „Fath“ hatte an einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung teilgenommen und wurde nach seiner Rückkehr aus Berlin in Teheran festgenommen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Hollywood bleibt Männerdomäne

Für 2023 steht wieder einmal fest: in Hollywood wird vor allem in männerdominierte Filme investiert. Das hat die USC Annenberg Inclusion Initiative in ihrem Jahresbericht festgestellt. Und das vergangene Jahr sei demnach sogar ein „historischer Tiefpunkt weibliche Haupt- und Co-Hauptdarsteller in Top-Filmen" gewesen - trotz des Erfolgs von „Barbie“. Seit 2007 wird an der Universität von Südkalifornien die Ungleichheit in populären Filmen untersucht.
mehr »

Präzedenzfall für die Pressefreiheit

Der britische High Court wird diese Woche über den letztmöglichen Berufungsantrag des WikiLeaks-Gründers gegen seine Auslieferung an die USA entscheiden. Reporter ohne Grenzen (RSF) wird die Anhörung vor Ort im Gericht beobachten und wiederholt den dringenden Appell an die US-Regierung, das Verfahren gegen Assange einzustellen, damit er umgehend freikommt. Wir sprachen mit Ilja Braun von RSF über die Hintergründe des Verfahrens und die Chancen für eine Berufung.
mehr »

Kritik am Digitale-Dienste-Gesetz

Sie erhalten digital eine Morddrohung, ihr Facebook-Post wurde gelöscht oder sie haben plötzlich keinen Zugang mehr zum Account: Für viele regimekritische Exil-Journalist*innen auch in Deutschland gehört das zum Arbeitsalltag. Ein geplantes Gesetz soll ihnen nun helfen, sich effektiver dagegen zu wehren. Reporter ohne Grenzen (RSF)  macht in einer  Stellungnahme deutlich, wo die Rechte von Medienschaffenden noch gestärkt werden müssen. So fordert die Organisation etwa, die Datenweitergabe von Plattformen an das Bundeskriminalamt einzuschränken.
mehr »

Öffentliches Interesse kann Leben retten

Für ihre Arbeit als belarusische Journalistin wurde Iryna Khalip vom Lukashenko-Regime ins Gefängnis gesteckt. Sie wurde für „Mut im Journalismus“ ausgezeichnet. Seit 2020 ist Khalip im Exil und schreibt weiter unter anderem für die „Novaya Gazeta Europa". Derzeit ist sie mit ihrem Mann Andrei Sannikov, dem Exildiplomaten, im Dokumentarfilm „This Kind of Hope“ in Berlin zu sehen.
mehr »