Drogenbande bedroht Journalisten

Aktion für Felipe Ramos Cruz und Carlos Dominguez Monroy, Mexiko

Die Macher der Regionalzeitung „El Imparcial del Istmo“ wussten, dass ihr Vorhaben riskant war. Als sie vor sechs Monaten begannen, über organisierte Kriminalität beim Drogenhandel im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca zu berichten, hatte es bereits mehrfach Übergriffe auf Journalisten gegeben, die sich mit dem Thema befassten.

Amnesty International Logo
Amnesty International Logo

Der Überfall vom 8. Oktober auf Auslieferer des Blattes wies deutliche Spuren ins Milieu. Gegen Mittag hatten die drei Mitarbeiter Zeitungen aus der Stadt Tehuantepec abgeholt und waren in einem Lieferwagen unterwegs, auf dem der Schriftzug „El Imparcial del Istmo“ stand. Unbekannte hielten das Fahrzeug an. Schwerbewaffnete Männer eröffneten umgehend das Feuer. Die drei Insassen des Autos hatten keine Überlebenschance.
Noch am gleichen Tag klingelte bei den Reportern Felipe Ramos Cruz und Carlos Dominguez Monroy in Salina Cruz das Telefon. „Wir warnen Euch, Ihr seid die Nächsten“, drohte ein Unbekannter. Andere Mitarbeiter sowie der Herausgeber des Blattes erhielten ähnliche Anrufe. Die Morde und Drohungen sind die brutale Zuspitzung einer Situation, die schon länger anhält. Denn per Telefon, Post und E-Mail versuchen Unbekannte seit Monaten, Redakteure der Zeitung einzuschüchtern, damit sie ihre Berichterstattung über den Drogenhandel in der Region einstellen.
Seit Jahren nimmt das Ausmaß der Gewalt gegen Journalisten in Mexiko zu. Allein im vergangenen Jahr wurden mindestens zehn Journalisten ermordet und zahlreiche weitere entführt. Besonders gefährdet sind Journalisten, die über Korruption und das organisierte Verbrechen berichten. Die Täter hingegen bleiben fast immer straffrei.

Was können Sie tun?

Schreiben Sie an den Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Oaxaca, und fordern Sie wirksame Schutzmaßnahmen für die Journalisten der Zeitung „El Imparcial del Istmo“. Schreiben Sie auf Spanisch, Englisch oder Deutsch an:

Lic. Ulises Ruiz Ortiz
Gobernador del Estado de Oaxaca
Carretera Oaxaca-Puerto Angel Km. 9.5
Santa María Coyotepec, Oaxaca
Oaxaca C. P. 71254 – MEXIKO
Telefax: 00 52 – 951 502 0530
E-Mail: gobernador@oaxaca.gob.mx

Senden Sie eine Kopie Ihres Schreibens an:
Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
S. E. Herrn Jorge Castro-Valle Kuehne
Klingelhöferstraße 3 – 10785 Berlin
Telefax: (030) 26 93 23-700
E-Mail: mail@embamexale.de

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

DW: Mehr Protest gegen Kürzungen

Nun hat auch der Fachbeirat der Deutsche Welle Educational Programs (DW Deutsch lernen) laut dwdl.de in einer Stellungnahme die geplanten Kürzungen im Deutsch-Angebot des Auslandssenders kritisiert und vor massiven Schäden für den Sender gewarnt. Die DW hatte angekündigt, das Budget halbieren zu wollen, was zu großen Protesten geführt hatte.
mehr »

Medien-Appell: „Lasst uns nach Gaza“

In einem offenen Brief an die israelischen Behörden, unterschrieben von etwa 30 Medienvertreter*innen, darunter von „Le Monde“, fordert die International Press Association erneut den Zugang von Journalist*innen zur palästinensischen Enklave, die seit dem 7. Oktober 2023 geschlossen ist, sowie deren Schutz im Gazastreifen.
mehr »

Was bringt der Pressekodex?

Eine Anwältin wird in einer Boulevardzeitung identifizierend an den Pranger gestellt – obwohl sie nichts Unrechtes getan hat. Die Folge: Bedrohungen, eine rechtsextreme Kundgebung vor ihrer Kanzlei, Polizeischutz. Der Deutsche Presserat spricht Monate später eine Rüge aus. Der Schaden ist aber angerichtet.
mehr »

dju kritisiert Verfahrenseinstellung

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert die Verfahrenseinstellung durch die Staatsanwaltschaft Halle im Zusammenhang mit Angriffen auf Journalist*innen und Begleitschützer. Der Vorfall ereignete sich am Rande der sogenannten Winterakademie des Rechtsextremisten Götz Kubitschek in Schnellroda (Sachsen-Anhalt).
mehr »