Festnahmen nach Korruptionsvorwürfen

Aktion für Ali Abdi Dini und Yusuf Adbi Gabobe, Somaliland

Das Jahr hat für die Redaktion des unabhängigen Netzwerks „Haatuf“ in der international nicht anerkannten Autonomen Republik Somaliland nicht gut begonnen. Am 2. Januar drangen bewaffnete Polizisten in die Redaktion in der Hauptstadt Har­geisa ein, verwüsteten das Büro und nahmen die Redakteure Ali Abdi Dini und Yusuf Abdi Gabobe fest. Mittlerweile sind beide angeklagt.

Logo Amnesty InternationalAli Abdi Dini soll „die Ehre beziehungsweise das Ansehen des Staatsoberhauptes beschädigt“ und zu Gesetzesverstößen angestiftet haben. Yusuf Abdi Gabobe, der fast 70-jährige Chefredakteur von „Haatuf“, hat angeblich bei der Festnahme Widerstand gegen die Sicherheitskräfte geleistet.
Hintergrund der Repressionen gegen „Haatuf“ sind vermutlich mehrere seit November 2006 veröffentlichte Artikel, in denen Korruptionsvorwürfe gegen Präsident Dahir Riyale Kahin und seine Familie erhoben wurden. So habe die Frau des Präsidenten öffentliche Gelder veruntreut – ein Vorwurf, auf den jetzt offenbar mit aller Härte reagiert wird.
Der Prozess gegen die Angeklagten hat noch nicht begonnen. Doch schon im Vorfeld wurden die Anwälte der Journalisten schi­kaniert: Einer wurde kurzzeitig festgenommen, ein anderer legte aus Protest gegen die Entscheidung, das Verfahren im Gefängnis abzuhalten, sein Mandat nieder. Auch mehrere Unterstützer der Redakteure wurden inzwischen festgenommen.
„Haatuf“ wurde 2001 gegründet und gibt eine Tageszeitung sowie Wochenblätter in englischer und arabischer Sprache heraus. Die Publikationen schrecken auch vor offener Kritik an den Machthabern der Teilrepublik Somalias nicht zurück. Somaliland liegt im Nordwesten Somalias und verfügt – im Gegensatz zum zerfallenen Gesamtstaat – über eine gewählte Regierung, ein Mehrparteiensystem und ein Justizwesen. Die Autonome Republik bemüht sich um internationale Anerkennung.

Was können Sie tun?
Schreiben Sie an den Präsidenten von Somaliland und fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung der Journalisten Ali Abdi Dini und Yusuf Abdi Gabobe. Schreiben Sie auf Englisch oder Deutsch an:
His Excellency
President Dahir Riyale Kahin
Telefax: 00 252 – 213 8324
E-Mail: sl_victory@hotmail.com
(Ein Postversand nach Somalia / Somaliland ist nicht möglich.)

Senden Sie eine Kopie Ihres Schreibens mit der Bitte um Weiterleitung an die Regierung in Somaliland an:
Mr Osman Ahmed Hassan
Representative of the Somaliland Government
Somaliland Mission
102 Cavell Street
London E1 2JA
GROSSBRITANNIEN
Telefax: 00 44 – 207 247 5336

nach oben

weiterlesen

Saudi-Arabien: Stopp für Cloud-Services

Amnesty International hat gemeinsam mit 38 anderen Menschenrechtsorganisationen und Einzelpersonen einen Aufruf veröffentlicht, der Google dazu bewegen soll, den angepeilten Start seines Cloud-Services in Saudi-Arabien bis auf Weiteres auf Eis zu legen. Grund hierfür sind ernsthafte Bedenken über anhaltende Menschenrechtsverletzungen im Land und die Sorge, dass die dortige Regierung die eigene Bevölkerung mithilfe der Daten von Tech-Firmen noch strenger zensieren und kontrollieren könnte als bisher.
mehr »

Lesbos: Die Simulation von Pressefreiheit

Wenn hoher Besuch auf die griechischen Inseln zu den Camps voller Geflüchteter kommt, dann „wird eine Simulation von Pressefreiheit aufgebaut“. Dann sind kurze kontrollierte Besuche von Pressevertreter*innen im Lager möglich. So hat die deutsche Journalistin Franziska Grillmeier den Besuchstag der EU-Kommissarin Ylva Johansson auf Lesbos Ende März erlebt. Sonst möchte die Regierung das Thema aus der Öffentlichkeit heraushalten und behindert jede Berichterstattung.
mehr »

Turkmen.News: Wie ein Staatsfeind gesehen

Keine andere ehemalige Sowjetrepublik hat sich nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates derart isoliert wie Turkmenistan. Nach Gorbatschows Perestroika folgte ein beispielloser Personenkult an der Spitze des Staates, der seine Bürger bis heute von Informationen aus der Welt abschneidet und in dem es offiziell kein Coronavirus gibt. Die Plattform „Turkmen.News“ gilt faktisch als einziges freies Medium. Fragen an den Gründer.
mehr »

„Wiener Zeitung“: Aus oder doch Rettung?

Es geht um mehr, als nur das neuerliche Ableben eines Printmediums. Mit dem Ende der „Wiener Zeitung“ würde der österreichische Qualitätsjournalismus eine wichtige Plattform verlieren. Die derzeit diskutierten Optionen einer Umwandlung in eine Wochen- oder eine reine Online-Zeitung sieht nicht nur die Redaktion skeptisch. Ein offener Brief zahlreicher Prominenter aus Politik, Kultur und Wirtschaft Österreichs soll helfen, das Blatt zu retten.
mehr »