IFJ-Kongress hat Zeichen gesetzt

Solidarität mit Julian Assange beim Weltkongress der Internationalen Journalisten-Föderation. Auf dem Podium (v.l.n.r.): Generalsekretär Anthony Bellanger, Assange-Anwältin Jennifer Robinson und Renate Gensch, Mitglied im IFJ Gender Council Foto: Joachim Kreibich

Drei Frauen in Spitzenpositionen, Hilfen für bedrohte Journalist*innen, Aktionen für Pressefreiheit, mehr Eigenständigkeit für die asiatisch-pazifische Region: Beim Weltkongress der Internationalen Journalisten-Föderation (IFJ) von 31. Mai bis 3. Juni in Maskat (Oman) haben 250 Teilnehmer*innen von Journalistengewerkschaften und -verbänden aus 92 Ländern Zeichen gesetzt. Zu den wichtigsten Themen zählten die Überwachung von Journalist*innen und Maßnahmen zur Beendigung der Straffreiheit für Verbrechen gegen Medienschaffende.

Die Spitze wird weiblicher. Dominique Pradalié aus Frankreich, Mitglied der Nationalen Journalistengewerkschaft (SNJ), wurde zur Präsidentin der IFJ gewählt. Ihr Vorgänger Younes M’Jahed aus Marokko war nicht wieder angetreten. Zuliana Lainez aus Peru bleibt Senior Vice President. Mit Vizepräsidentin Sabina Inderjit aus Indien bestimmt eine dritte Frau den Kurs der IFJ maßgeblich mit. Dominique Pradalié hat während ihrer gesamten Laufbahn im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Frankreichs gearbeitet, vom ORTF bis zu France Télévisions, und sie war Chefredakteurin der Abendnachrichten auf France 2.

IFJ-Delegierte aus dem asiatisch-pazifischen Raum gründeten während des nur alle drei Jahre stattfindenden Weltkongresses eine neue Regionalgruppe, die Federation of Asia-Pacific Journalists (FAPaJ). Sie ist die vierte kontinentale Gruppe der IFJ. Bisher bestanden bereits die Europäische Journalistenföderation (EJF), die Föderation Afrikanischer Journalisten (FAJ) und die Federación de Periodistas de América Latina y el Caribe (FEPALC).

Sabina Inderjit, Generalsekretärin der India Journalists Union (IJU) und IFJ-Vizepräsidentin, wurde zur ersten FAPaJ-Präsidentin gewählt.

Die FAPaJ verpflichtete sich, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu schützen und die freie Meinungsäußerung auch im Internet zu stärken. Der neue Verband verabschiedete mehrere Entschließungen, darunter die einstimmige Verurteilung der zunehmenden Übergriffe auf die Presse in Ländern der Region wie Afghanistan, Nepal, Indien, Myanmar und Hongkong, und forderte eine verstärkte Überwachung der Verhaftungen und Prozesse gegen Journalisten sowie anderer Verletzungen der Pressefreiheit.

Die Delegierten verurteilten auch die Ermordung des palästinensischen Journalisten Shiren Abu Aqla, der bei der Berichterstattung über Razzien der israelischen Armee in der Stadt Dschenin getötet wurde.

Der Generalsekretär der IFJ, Anthony Bellanger, sagte: „Die IJF kann auf eine lange Geschichte internationaler Journalistenverbände in der ganzen Welt zurückblicken. Der asiatisch-pazifische Raum war das fehlende Stück. Wir hoffen, dass die Federation of Asia Pacific Journalists (FAPaJ) eine starke Plattform für Journalisten und Medienschaffende in dieser vielfältigen und wichtigen Region sein wird.“

Pressefreiheit war immer wieder Thema

Eine Fülle von Anträgen war beim Kongress zu bewältigen. Viele hatten die Bedrohung der Pressefreiheit und die Gefährdung von Journalist*innen zum Thema. Von Delegierten wurden verstärkte Anstrengungen und Programme gewünscht, um Gewerkschaftsarbeit zu stabilisieren und auszubauen.

In eingeschobenen Themen-Blöcken ging es unter anderem um die Überwachung durch Pegasus und die Notwendigkeit einer Kampagne für das Ende der Straffreiheit nach Angriffen auf Journalist*innen. Eine UN-Konvention würde entsprechenden Schutz bieten. Über 365 Journalist*innen befinden sich derzeit hinter Gittern, 2022 kamen bereits 26 ums Leben. Angehörige von getöteten und verschwundenen Journalist*innen berichteten von ihrer Aufklärungsarbeit und untätigen Behörden. Vertreter*innen aus Afghanistan, der Ukraine und dem Jemen erinnerten in ihren Berichten und Diskussionsbeiträgen an die schwierige Lage in ihren Ländern, lobten aber auch die rasche und andauernde Hilfe durch die IJF. Unterstützer berichteten von positiven Beispielen und ermahnten die Kolleg*innen in anderen Ländern, nicht in ihren Bemühungen nachzulassen.

Auch der Solidarität mit Julian Assange war ein Themen-Block gewidmet. Anwältin Jennifer Robinson unterstrich, dass das Verfahren von hoher grundsätzlicher Bedeutung ist.

Nicht in allen Fragen herrschte Einigkeit. 2026 wird die IFJ hundert Jahre alt. Das bisherige Führungsgremium hatte vorgeschlagen, deswegen den nächsten Kongress nicht wie nach den Statuten vorgesehen 2025 zu veranstalten, sondern auf das Jubiläumsjahr zu verschieben. Dafür gab es erst im zweiten Anlauf eine klare Mehrheit. So verlängert sich aber auch die Amtszeit aller Gewählten um mindestens ein halbes Jahr bis 2026.

Der Autor, Mitglied des Bundesvorstandes der dju, war von 2016 bis 2019 Vizepräsident der IFJ. Er wurde jetzt ins Executive Committee mit 186 Stimmen, dem fünftbesten Ergebnis, als Beisitzer gewählt.

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