Neues EU-Urheberrecht nicht scheitern lassen

Foto: Fotolia

63 Verbände und Institutionen der Kultur- und Medienwirtschaft aus Deutschland, darunter die dju in ver.di, die ver.di FilmUnion, der Verband der Schriftsteller und der Verband der Übersetzer, haben sich mit einem Appell an die Abgeordneten des EU-Parlaments gewandt. Die werden aufgefordert, die Beschlussempfehlungen des Rechtsausschusses zum Richtlinienentwurf über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt zu unterstützen. Andernfalls drohe der mühsam erzielte Kompromiss zu scheitern.

Der Appell unter der Schlagzeile „Ja zur Modernisierung des EU-Urheberrechts!“ wurde auf einer Webseite der GEMA veröffentlicht: „Wir, die Verbände und Institutionen der Kultur- und Medienwirtschaft, unterstützen die Beschlussempfehlungen des federführenden Rechtsausschusses des EU-Parlaments zum vorliegenden Richtlinienentwurf über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt. Die Vorschläge ermöglichen einen mehr oder weniger ausgewogenen Rechtsrahmen, damit alle Akteure der Kultur-, Kreativ- und Medienbranchen – UrheberInnen, KünstlerInnen und Unternehmen – mit ihren Leistungen den digitalen Binnenmarkt vorantreiben können“, heißt es dort.
Das Gesetzgebungsverfahren zur „DSM-Richtlinie“ der EU müsse zügig fortgesetzt und dürfe nicht durch Verfahrenstricks verzögert werden, erklärt die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union. Es wird befürchtet, dass genau das der Plan einiger Abgeordneter sei: Das EU-Parlament solle darüber abstimmen, ob dem Rechtsausschuss das Mandat für Verhandlungen (sogenannter Trilog) mit dem Rat und der Kommission wieder entzogen wird. Fände dieser Antrag eine Mehrheit, müsste die Suche nach Kompromissen erneut beginnen. Ob dann die Richtlinie überhaupt noch beschlossen wird, sei fraglich.

Dagegen würden nun ein Gespenst von „Zensur“, das „Ende des freien Internet“ und ähnliche Horrorszenarien verbreitet, kritisiert die dju und spricht von einer „ganz breite(n) Koalition vom Unternehmerverband Bitkom bis zu den Piraten“. Deren Argumentation sei „abenteuerlich“. Dass sich international agierende Großkonzerne wie Facebook, Twitter oder Google hinter einem Haftungsprivileg verstecken könnten, sei ein Fehler im EU-Recht, der dringend korrigiert werden müsse. Weiter heißt es in einer Pressemitteilung der dju:

„Mit ‚Zensur’ hat das nichts zu tun. Die dju in ver.di steht für qualitativ hochwertige und verantwortungsbewusste Publizistik. Das gilt auch für den Umgang mit dem Urheberrecht. Wer von ‚Upload-Filtern’ redet, hat den Entwurf nicht gelesen oder polemisiert wider besseren Wissens: Wie die Content-Plattformen ihrer Verantwortung gerecht werden, bleibt Ihnen überlassen. Sie können filtern (was sie übrigens zum Teil schon heute machen), sie können aber auch Lizenzen erwerben und so den Regeln des Urheberrechts genügen. Letzteres scheuen sie, wie die jahrelange Auseinandersetzung zwischen Facebook und der Gema belegt. Es geht nicht um ‚Zensur’, sondern um die Profite weniger Großkonzerne.“

Mit Gespensterdebatten sei niemandem gedient, schon gar nicht den kreativ Tätigen. Wer andere Interessen vertrete, so die dju, solle das auch „offen und ehrlich tun und sich nicht hinter der Floskel vom ‚freien Internet’ verstecken“.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Israel vor der Parlamentswahl

Wenn nächste Woche in Israel die Wahllokale öffnen, stimmen rund 7,3 Millionen Wahlberechtige über mehr ab, als nur die Verteilung von 120 Parlamentssitzen. Es ist die erste Wahl nach dem Terrorangriff 2023. Seitdem wurde auch die Pressefreiheit erheblich eingeschränkt.
mehr »

Angriff auf die letzten kritischen Medien

Am Zeitungskiosk in Belgrads Innenstadt scheint mit der großen Auswahl an Magazinen und Zeitungen noch Medienvielfalt zu herrschen. Doch dieser Eindruck täuscht: Die meisten Printprodukte und Fernsehsender stehen Machthaber Aleksandar Vučić nahe. Unabhängiger Journalismus gerät zunehmend unter Druck.
mehr »

Auch Faktenchecker streichen Stellen 

Correctiv ist spätestens seit der Enthüllung zu einem Geheimtreffen von rechtsextremen Akteuren im November 2023 in Potsdam deutschlandweit bekannt. Die Faktenchecker aus Essen und Berlin haben in Folge der Berichterstattung über einen „geheimen Masterplan“, auch „zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“, gegen die es Unterlassungsklagen und Gerichtsurteile gibt, Massenproteste gegen die AfD, Ausgrenzung und Rassismus ausgelöst.
mehr »

Recherchematerial der „Zeit“ beschlagnahmt

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert die Beschlagnahme von Recherchematerial der Wochenzeitung „Die Zeit“ aufs Schärfste und fordert dessen sofortige Rückgabe. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt hatten am Montag auf Beschluss des Landgerichts Hamburg mit der Durchsuchung der Redaktion und der Wohnung einer Autorin gedroht.
mehr »