Zum Tode verurteilt

Der afghanische Journalist Sayed Perwiz Kambachsch wartet weiter auf die Berufungsverhandlung gegen sein Todesurteil. Schon mehrfach hat das zuständige Berufungsgericht in Kabul das Verfahren verschoben – zuletzt am 1. Juni. Begründung: Der Gesundheitszustand von Kambachsch lasse keine Verhandlung zu. Nun soll ein Gutachten die Vorwürfe seines Anwalts überprüfen. Der hatte vorgetragen, sein Mandant sei gefoltert worden, um ein Geständnis zu erzwingen.
Ohnehin wirft der Fall kein gutes Licht auf die afghanische Justiz. Bei der Verhandlung in Mazar-i-Scharif, bei der das Todesurteil gegen Kambachsch verhängt wurde, hatte dieser keinen Rechtsbeistand. Auch sein „Vergehen“ wirkt reichlich konstruiert: Der 23-Jährige wurde wegen Blasphemie verurteilt. Sein angeblich anti-islamisches Verhalten wurde unter anderem dadurch „bewiesen“, dass er in einem Artikel kritisch die Rolle der Frau im Islam beleuchtet hatte.
Mittlerweile haben bereits eine Million Menschen einen Aufruf der britischen Zeitung The Independent unterzeichnet, in dem die Freilassung von Kambachsch gefordert wird. Er ist seit sieben Monaten inhaftiert und sein Gesundheitszustand ist besorgniserregend. „Jeder Tag, an dem Kambachsch nicht freigelassen wird, diskreditiert das afghanische Rechtssystem“, meint Bob Dietz, Asien-Experte des „Komitees zum Schutz von Journalisten“ (CPJ).

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Übergriffe im Sachsen-Anhalt-Wahlkampf

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ging mit einem bislang  beispiellosen Ausmaß an Angriffen auf Medienschaffende einher. Die dju in ver.di zieht nach dem Wahlwochenende eine alarmierende Bilanz. Seit Beginn der Erfassung im Mai 2026 wurden insgesamt 46 dokumentierte Fälle von Übergriffen, Einschüchterungen und massiven Behinderungen gezählt. 
mehr »

Was braucht junger Journalismus?

Zehn Landesverbände, 15.000 Mitglieder, rund 300 Veranstaltungen im Jahr, das ist die Bilanz der Jugendpresse Deutschland, die Clara Hoheisel, Geschäftsführende Bundesvorständin beim Sommerfest der Jugendpresse Deutschland am Freitag in Berlin-Neukölln bekannt gab. Zur Eröffnung gab es ein Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner über das Thema „Was braucht junger Journalismus“.
mehr »

No SLAPP Handbuch: Strafrecht

Was tun, wenn das Strafrecht instrumentalisiert wird, um gegen unerwünschte Berichterstattungen vorzugehen? Das vierte Handbuchkapitel soll Journalist*innen helfen, mit entsprechenden Strafanzeigen umzugehen, insbesondere wegen Beleidigungsdelikten.
mehr »

Filmtipp: Vaterland

Der optisch wie inhaltlich gleichermaßen faszinierende polnisch-deutsche Film „Vaterland“ erzählt von Thomas Manns erstmaliger Rückkehr in die einstige Heimat nach 16 Jahren im amerikanischen Exil. Mit Hanns Zischler ist die Hauptrolle perfekt besetzt. Sandra Hüller bestätigt als Tochter Erika einmal mehr ihre Ausnahmestellung unter den deutschen Schauspielerinnen.
mehr »