Zum Tode verurteilt

Der afghanische Journalist Sayed Perwiz Kambachsch wartet weiter auf die Berufungsverhandlung gegen sein Todesurteil. Schon mehrfach hat das zuständige Berufungsgericht in Kabul das Verfahren verschoben – zuletzt am 1. Juni. Begründung: Der Gesundheitszustand von Kambachsch lasse keine Verhandlung zu. Nun soll ein Gutachten die Vorwürfe seines Anwalts überprüfen. Der hatte vorgetragen, sein Mandant sei gefoltert worden, um ein Geständnis zu erzwingen.
Ohnehin wirft der Fall kein gutes Licht auf die afghanische Justiz. Bei der Verhandlung in Mazar-i-Scharif, bei der das Todesurteil gegen Kambachsch verhängt wurde, hatte dieser keinen Rechtsbeistand. Auch sein „Vergehen“ wirkt reichlich konstruiert: Der 23-Jährige wurde wegen Blasphemie verurteilt. Sein angeblich anti-islamisches Verhalten wurde unter anderem dadurch „bewiesen“, dass er in einem Artikel kritisch die Rolle der Frau im Islam beleuchtet hatte.
Mittlerweile haben bereits eine Million Menschen einen Aufruf der britischen Zeitung The Independent unterzeichnet, in dem die Freilassung von Kambachsch gefordert wird. Er ist seit sieben Monaten inhaftiert und sein Gesundheitszustand ist besorgniserregend. „Jeder Tag, an dem Kambachsch nicht freigelassen wird, diskreditiert das afghanische Rechtssystem“, meint Bob Dietz, Asien-Experte des „Komitees zum Schutz von Journalisten“ (CPJ).

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Haltestelle verpasst

Der digitale Omnibus der EU droht Grundrechte zu verwässern. Er enthalte eine Reihe technischer Änderungen an digitalen Rechtsvorschriften, die ausgewählt worden seien, um „Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Bürgern gleichermaßen Soforthilfe zu bieten und die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern,“ schrieb die EU- Kommission im Dezember vergangenen Jahres.
mehr »

Serien gegen Diktatur und Faschismus

Die Series Mania in Lille ist wohl eines der wichtigsten Serienfestivals weltweit. In diesem Jahr fiel auf: Viele der der neuesten Produktionen befassten sich mit den Themen Totalitarismus und Unterdrückung – vermutlich auch eine Reaktion auf das, was viele Menschen im Moment bewegt.
mehr »

Neues Mediengesetz für MV tritt in Kraft

Privates Lokal- und Regionalfernsehen steht unter hohem wirtschaftlichen Druck. Sinkende Werbeerlöse, steigende Kosten, fortschreitende Digitalisierung und veränderte Mediennutzung machen ihnen zu schaffen. In mehreren Bundesländern wird bereits seit längerem kommerzielles Lokal-TV mit Steuergeldern gefördert, um Medienvielfalt zu sichern. Auf diesen Weg setzt jetzt auch Mecklenburg-Vorpommern.
mehr »

Filmtipp: Friedas Fall

Angeklagt war eine Mutter, schuldig war die Gesellschaft: Das historische Justizdrama „Friedas Fall“ von Maria Brendle schildert den authentischen Prozess gegen eine Schneiderin aus St. Gallen, die vor 120 Jahren ihr Kind getötet hat. Eine gesellschaftlichen Auseinandersetzung über Recht und Gerechtigkeit.
mehr »