Böll als Zeitschrift

Die Heinrich-Böll-Stiftung, im „grünnahen“ Selbstverständnis „Ideenagentur und Reformwerkstatt“, hat neben Internetauftritten und Buchprojekten nun auch eine Zeitschrift. Dreimal jährlich, so die Planung, wird nach verdoppelter Startauflage künftig mit bescheideneren 5.000 Exemplaren „Böll. Thema“ erscheinen.

Es soll, so Stiftungsvorstand Ralf Fücks, einem „wachsenden Bedürfnis nach theoretisch-politischer Orientierung“ Rechnung tragen und mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:

aktuelle Themen mit grundsätzlichem Hintergrund widerspiegeln, Nationales und Internationales kombinieren sowie „die Programmdebatte im grünen Spektrum, aber auch in einem größeren Kreis befördern“. Mit dem Thema des ersten 32-Seiten-Heftes liegt man da sicher richtig. Es geht um die Zukunft der Gerechtigkeit und somit um die Frage: Wer kriegt was? Insgesamt 15 Autoren beleuchten, klassifizieren und debattieren akademisch und reportagehaft, exemplarisch und statuarisch, also in einer angestrebten Mischung, die auch originell genug für Leser jenseits derer sein möge, die „schon katholisch oder grün sind“. Natürlich kommt auch dieses Heft am Thema an Hartz IV nicht vorbei.

Die Themenschwerpunkte liegen abseits des Mainstream: Wird ein Mentalitätswandel eingeleitet, der Freiheit und individuelle Selbstverantwortung stärkt? Entsteht durch Billigarbeitsplätze eine neue Klasse jenseits von Staat und Markt? Sind wir auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der wirtschaftliches, soziales und kulturelles Schicksal noch stärker als bisher „vererbt“ wird? „Hartz IV und die Frauen“, heißt ein eigener Beitrag. Im Interview „Kinder wollen Grenzen“ – geht es um die Werteweitergabe zwischen den Generationen. Der Choreograf Royston Maldoom, der mit 250 Berliner Schülerinnen und Schülern am Tanzprojekt „Sacre du Printemps“ arbeitete und durch den Film „Rhythm is it“ bekannt geworden ist, gibt Denkanstöße. Das Lob des Stiftungsvorstands für diesen Beitrag von Elisabeth Kinderlen, die für die Leitung der Zeitschrift gewonnen werden konnte (zuletzt Kulturredakteurin bei der Badischen Zeitung), ist nur zu bekräftigen.

In gestalterischer Hinsicht überrascht bei Böll. Thema wenig: Viel Grün, auch wenn das Motiv des Titelblatts diesmal eher Grau in Grau erscheint. Allerdings passend zum Thema. Infografiken stechen grün unterlegt ins Auge. Die – natürlich auch grün – kolorierten Strichzeichnungen sind wohl als Markenzeichen gedacht, könnten jedoch gern einigen zusätzlichen Fotos weichen… Das zweite Heft wird sich Kultur und Globalisierung widmen.


Ein Link im Netz findet sich unter www.boell.de

neh

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