EU will europäische Quote bei Netflix & Co.

Egal ob Filme oder Musik: Die EU-Kommission überarbeitet die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste. Foto: Christian von Polentz/ transitfoto.de

Die EU-Kommission hat einen Vorschlag für eine Überarbeitung der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD) vorgelegt. Das bedeutet neue Vorschriften für Fernsehsender und Streaminganbieter in Europa. Videoplattformdienste sollen etwa verpflichtet werden, mindestens 20 Prozent ihrer Kataloge mit europäischen Werken zu bestücken. Das scheint vor allem auf ausländische Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime zu zielen. Außerdem sollen die Vorgaben für Werbung gelockert werden.

Im Rahmen ihrer Digitalagenda, mit der die EU-Kommission den digitalen europäischen Binnenmarkt vorantreiben will, hat sie auch die AVMD-Richtlinie unter die Lupe genommen. Der jetzt vorliegende Entwurf enthält dabei erstmals Vorgaben für Videoplattformdienste, also Video-on-Demand(VoD)-Anbieter, zur kulturellen Vielfalt in Europa beizutragen. Konkret heißt das: Abrufdienste sollen mindestens 20 Prozent ihrer Inhalte für europäische Werke vorbehalten sowie deren Herausstellung gewährleisten.

Was zunächst viel klingt, scheint bei genauerer Betrachtung jedoch lediglich eine europäische Harmonisierung darzustellen. Nach einer Studie des European Audiovisual Observatory im Auftrag der EU-Kommission ist der tatsächliche Anteil europäischer Werke im Durchschnitt von Streamingdiensten in der EU deutlich höher. Die Studie, die sieben europäische VoD-Anbieter genauer unter die Lupe genommen hat, weist einen Anteil von 42 Prozent europäischer Werke und weitere zehn Prozent europäischer Koproduktionen aus.

Interessanter könnte daher eine andere vorgesehene Neuregelung sein: Nach dem Willen der EU-Kommission können Streamingplattformen von den Mitgliedstaaten verpflichtet werden, finanzielle Beiträge zur Förderung europäischer audiovisueller Produktionen zu leisten. Die in Deutschland bekannte Filmabgabe, bei der alle Unternehmen, die Kinofilme verwerten, die Filmförderung finanzieren, könnte somit auf Amazon, Apple oder Netflix erweitert werden. Denn der Richtlinien-Entwurf stellt explizit klar, dass Abgaben auch von Anbietern verlangt werden können, die ihren Sitz in einem anderen Mitgliedstaat haben, deren Angebot aber auf ein inländisches Publikum zielt.

Abseits davon sieht die Richtlinie eine Liberalisierung im Bereich Werbung vor. Insbesondere klassische TV-Anbieter sehen sich zunehmend in Bedrängnis durch Abrufdienste, die aufgrund von Abonnements ohne Werbung auskommen und deshalb durchaus attraktiv für viele Kundinnen und Kunden sind. Eine Lockerung der Werberegeln soll deshalb die Wettbewerbschancen für Anbieter verbessern, die auf Werbeeinnahmen angewiesen sind. So soll die tägliche Höchstdauer von 20 Prozent Werbung im Zeitraum von 7 bis 23 Uhr betragen, die stündliche Begrenzung aber abgeschafft werden.

 

 

nach oben

weiterlesen

Tarifrunden: Arbeitgeber bewegen sich nicht

Ohne Fortschritte endeten am 24. Mai die dritte Verhandlungsrunde für die Beschäftigten in der Druckindustrie und die Auftakt-Tarifrunde für die Zeitschriftenredaktionen. ver.di kritisiert die Blockadehaltung der Arbeitgeber. In der Druckindustrie beharrte der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) auf einem unzureichenden Angebot von Anfang Mai. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger stellte gar Vorbedingungen und verzögert nach Gewerkschaftseinschätzung die Verhandlungen.
mehr »

Wahlprogramme: Zu viel Kauderwelsch

Der Wahlkampf: Was macht Sinn? Was kommt an? Wissenschaftler der Uni Hohenheim  beobachten das Zusammenspiel von Parteien, Kandidaten und Wählern. Frank Brettschneider beleuchtet für M bis zum Wahltag am 24. September fünf Themen. Heute: die Verständlichkeit von Wahlprogrammen. Am unverständlichsten ist die AfD.
mehr »

Ungarn: Volksfreiheit ade

Die größte ungarische Qualitätstageszeitung, die „Népszabadság“, wurde am vergangenen Wochenende unerwartet mit sofortiger Wirkung eingestellt, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden die Entlassung und ein Hausverbot ausgesprochen. Der Herausgeber spricht von wirtschaftlichen Zwängen, doch die Redaktion vermutet eine politische Einflussnahme – und will jetzt autonom weiter arbeiten. Über die sozialen Netzwerke haben empörte Abonnentinnen und Abonnenten indes einen Aufruf zu einer Demonstration gegen diesen „Medienputsch“ verbreitet, dem bereits mehrere Tausend Menschen gefolgt sind.
mehr »

Fair Festivals: Noch ein langer Weg

Zu einem „Active Talk Event“ ins Berlinale-Kino CinemaxX am Potsdamer Platz hatte gestern die Gruppe Festivalarbeit in ver.di geladen. Gemeinsam mit den Gästen und einem internationalen Publikum wurde über die Arbeitsbedingungen auf Filmfestivals diskutiert. Auf dem Podium saß auch Berlinale-Administration Managerin Adrienne Boros. Fazit: Es beginnt sich etwas zu bewegen, Ideen sind da – aber gemacht ist nur ein Anfang.
mehr »