Geschlossenes Weltbild

Informationsdienst „Rundy“ vom Presserat gerügt – Der beanstandete Beitrag reiht sich in eine von festen Feindbildern geprägte Berichterstattung ein

„Kids hab‘ ich zum F gern…“ lautete die Überschrift eines Beitrags im „Informationsdienst“ „Rundy“. Dieser bezog auf olle Klamotten aus der Vergangenheit Daniel Cohn-Bendits, als dieser sich in den 70er Jahren thematisch mit dem Frankfurter Kita-Projekt auseinander setzte, und arbeitet in diesem Zusammenhang mit eindeutigen Unterstellungen.

Wie der Deutsche Presserat in seiner kürzlich erteilten Rüge konstatierte, verstoße dies gegen Ziffer 9 des Pressekodex. In Ziffer 9 ist festgehalten, dass es journalistischem Anstand widerspricht, unbegründete Behauptungen und Beschuldigungen, insbesondere ehrverletzender Natur, zu veröffentlichen. In der Begründung der Rüge heißt es: „Nach Meinung des Gremiums wird Daniel Cohn-Bendit mit der Veröffentlichung in die Nähe eines Kinderschänders ge-rückt“. Der Leser assoziiere mit der in der Überschrift gewählten Abkürzung „F“ keineswegs „Fressen“, sondern eindeutig den Begriff „Ficken“, so die Meinung der Ausschuss-Mitglieder.

Unter Hinweis auf Ziffer 16 Pressekodex und Richtlinie 16.1 bittet das Gremium „Rundy“, die Rüge in einer der nächsten Ausgaben des Informationsdienstes zu veröffentlichen. Der Abdruck sei zwar freiwillig und an keine rechtliche Pflicht gebunden, entspreche jedoch dem Grundsatz fairer Berichterstattung. Es werde keinen Abdruck geben, der Bitte werde man nicht nachkommen, so die knappe Auskunft des Marketing-Leiters von „Rundy“, Markus Blümel gegenüber „M“. Der gerügt Beitrag reiht sich in eine von einem geschlossenen rechten Weltbild getragene Berichterstattung ein.

Der so genannte „Informationsdienst für Medien und Politik“ namens „Rundy“ hat so einiges zu bieten, was allerdings weniger wegen des Informationsgehalts, sondern vielmehr wegen tendenziösen reaktionären Inhalts als bemerkenswert zu bezeichnen ist: Zum Beispiel Hetzartikel gegen die ARD-Korrespondentin Sonia Mikich, weil diese sich Kritik an der Auslandsberichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern erlaubt. Ganze Erdteile kämen in dieser nicht mehr vor, so Mikich. Die Überschrift spricht für sich: „Nestbeschmutzung“.

Hasstiraden aus dem Familienbetrieb

Gern lässt sich der Chef dieser Rechtsaußen-Pamphlete Reginald Rudorf auch in flammenden Hasstiraden über „den linken Trittin“ aus. Leser des „Informationsdienstes“ – im Impressum mit einer Auflage von 2300 Exemplaren zwei mal wöchentlich angegeben, die tatsächlich jedoch wesentlich geringer sein soll, wie unter anderem auch der ehemalige Volontär Anton Weidinger bestätigt – bekamen in diesem Zusammenhang etwa einen Rundumschlag gegen die Berliner Regierung präsentiert. Eine typische Kostprobe, etwa in „Rundy“ 22 vom 20. März: In deftiger Haudrauf-Sprache ist hier die Rede von „…der Berliner Republik, wo derlei Altkommunisten“ (wie Bundesumweltminister Jürgen Trittin), „die mit der Faschismus-Keule he-rumrennen und demokratische Mitmenschen verprügeln“ (wie den CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer) „unter einer Art spätideologischem Naturschutz“ ständen.

Festzuhalten ist, dass dieser Pressedienst insgesamt am liebsten über Grüne Politiker herzieht, sie zu Feindbildern stilisiert und diese mal als „Grünstich“, mal als „Grünlinge“ bezeichnet. Weiterhin gilt: Wer immer mit den in „Rundy“ beschworenen erzkonservativen Klischees nicht übereinstimmt, wird – wie etwa FAZ-Redakteur Thomas Schmid – als „ideologischer Scharfmacher“ oder als „allgemeinplätzig linkelnd“ diskreditiert. Überraschungen gibt es angesichts dieses tumb-rechten Politgestammels kaum. Mit wahrem Bekennungseifer werden etwa überkommene Werte wie deutscher Nationalstolz (Rundy 23, „Fernsehkritik“) hochgehalten und der „Obergrüne“ Kuhn wird als Kritiker desselben geächtet. Durchaus ins Bild passt auch, dass ausgerechnet der hessische Ministerpräsident Roland Koch in einer Kommentarspalte als „wacher Garant“ dafür gefeiert wird, dass die Republikaner bei der letzten Hessen-Wahl Stimmen verloren.

„Rundy“ sei vom typischen Klima eines Familienbetriebs geprägt, so der ehemalige Mitarbeiter Anton Weidinger, der nach dreieinhalb Jahren Arbeitslosigkeit vom Ar-beitsamt zu fünfzig Prozent gesponsert dort – wie er sagt – „Kuli-Arbeiten“ verrichtet habe. Auf seine Beschwerde hin kam es zur Rüge des Presserats. Kommentare, unter dem Namen Anni von Straaten, der Ehefrau des Chefredakteurs Rudorfs, veröffentlicht, stammten meist ebenfalls aus dessen Feder, bezeugt Weidinger. So erklärt sich auch, dass die Artikel stilistisch wie aus einem Guss scheinen. Ob nun unter dem Titel „Die Castor-Tollwut“ gegen „Hassverzerrte Alt-Grüne“ polemisiert oder Heidi Wieczorek-Zeul unter dem Titel „Die rote Heidi ganz Fidel“ plump angemacht wird: „Ein ideologischer Jugendtraum“ sei ihr erfüllt worden, sie habe „die blutbesudelte Hand eines Diktators und Gesinnungsgenossen“ schütteln können. Das simple „Gut-Böse-Schema“, in dem gut gleich rechts und böse gleich links gilt, ist auch hier durchgehalten. Im gleichen Artikel wird vergleichsweise Jörg Haider als „braunstichiger Quatschkopf“, der „keiner Fliege etwas zu Leide“ getan habe, aber „gleich mitsamt ganz Österreich ausgegrenzt“ werde, in Gegensatz zu Fidel Castro gestellt.

 

 

 

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