Gutes Geschäftsjahr für die VG Wort

Aber weniger Einnahmen aus Reprografieabgaben

Mit Erlösen von fast 129 Millionen Euro (Vorjahr: 115 Millionen) war 2013 für die VG Wort ein gutes Geschäftsjahr. Im Mittelpunkt der Versammlungen am 23. und 24. Mai 2014 in Berlin standen denn auch andere Dinge, insbesondere die Reform der Satzung.

Nach wie vor wichtigste Einnahmequellen der Verwertungsgesellschaft sind die Urhebervergütungen für Kopiergeräte und Speichermedien (Reprografieabgaben). Sie sind um rund 11 Millionen auf 54 Millionen Euro gegenüber 2012 gesunken, weil weniger Geräte in Deutschland verkauft wurden. Zudem werden aus den Einnahmen für Drucker rund 4 Millionen Euro (2012: 4,8 Mio. Euro) zurückgestellt, bis der Bundesgerichtshof in dem seit 2003 laufenden Prozess über die Vergütungspflicht von Druckern und PCs nach „altem Recht” für die Jahre 2001 bis 2007 entschieden hat. Nach einer für die VG Wort positiven Vorabentscheidung des Europäischen Gerichtshofs im Juni 2013 (siehe M 5/2013) hat nun auch der BGH am 3. Juli grundsätzlich eine Vergütungspflicht von Druckern und eingeschränkt PCs bejaht. Über die Höhe der Vergütungen müssen aber noch die Vorinstanzen entscheiden.
Im Bereich Hörfunk / Fernsehen stiegen die Einnahmen zwar von 11,8 auf 32,5 Millionen Euro, doch davon wurden bereits Ende Februar 20,7 Millionen Euro aus nachträglichen PC-Einnahmen für die Jahre 2008 bis 2010 im audiovisuellen Bereich an die jeweiligen Bezugsberechtigten ausgeschüttet (M 2/2014). Weitere Einnahmen aus Geräte- oder Speichermedienabgaben wurden 2013 nicht erzielt. Sie sind strittig und die Verfahren bei der Schiedsstelle des DPMA oder vor Gerichten anhängig. Folglich und wegen der immer umfassenderen Sendungserfassung sinken hier abermals die Ausschüttungsquoten (Tabelle auf dieser Seite).
Das gilt auch für einige andere Bereiche, denn bei ansonsten kaum nennenswerten Veränderungen in den einzelnen Einnahmeposten steigt die Zahl der Ausschüttungsempfänger leicht auf über 170.000, davon rund 164.000 Autoren. Zudem wurden die Rückstellungen bezüglich des Klageverfahrens gegen die VG Wort auf jetzt 67 Millionen Euro erhöht. Die Verwaltungskosten machten 2013 nur noch 7,6 Prozent der Inlandserlöse aus.

Perspektiven

Immerhin stehen in Zukunft weitere große Nachausschüttungen durch die in der Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ) zusammengeschlossenen Verwertungsgesellschaften an: rund 240 Millionen Euro für Urheberabgaben auf Computer für die Jahre 2011 bis 2013 und ab 2014 jährlich schätzungsweise rund 70 Millionen Euro. Noch weitaus mehr wird es sein bei der VG Wort und Bild-Kunst auf Drucker und PCs für die Jahre 2002 bis 2007 (Prozess vor dem BGH). Zudem zeichnet sich eine einvernehmliche Lösung mit den Ländern über die Intranetnutzung von Texten an Hochschulen (seit 2003) ab.

Satzungsreform

Bei der von der Mitgliederversammlung beschlossenen neuen Satzung ging es vor allem um bessere Verständlichkeit und eine klarere Strukturierung. Ein wesentlicher Punkt ist die Vereinheitlichung und Senkung der Aufnahmeschwellen für Mitglieder (bisher gibt es nur rund 450 Mitglieder gegenüber rund 176.000 Wahrnehmungsberechtigten). Autoren können jetzt Mitglied der VG Wort werden, wenn sie im Durchschnitt 400 Euro Ausschüttungen in den letzten drei Jahren erhalten haben. Außerdem wird das Autorenversorgungswerk künftig aus dem Gesamtaufkommen der VG Wort (bisher im Wesentlichen aus der Bibliothekstantieme) finanziert. Für die Delegierten der Wahrnehmungsberechtigten wurden einige Klarstellungen und Verbesserungen beschlossen, weitergehende Vorschläge aber nicht aufgegriffen.

VG Bild-Kunst

Was für den Wortbereich gilt, trifft naturgemäß den Foto- und Filmbereich gleichermaßen. Durch rückläufige Reprografie- und fehlende Gerätevergütungen im audiovisuellen Bereich sanken 2013 auch bei der VG Bild-Kunst die Erlöse. Aufgefangen wurde das durch die Nachzahlung, die bereits ausgeschüttet wurde. Durch steigende Einnahmen in weiteren Bereichen wuchs das Gesamtaufkommen von 58,6 auf 61,3 Millionen Euro.

Ausschüttungsquoten 2014 für 2013 für Urheber/-innen in Euro
(= Quoten 2013)

Pressespiegel: Sockel 30,00 (34,00) / Punktewert 6,00 (6,20)
Elektronische Pressespiegel: Faktor 2,0 (2,3)
Presse-Repro: Punktewert 14,00 (12,00)
Bibliothekstantieme: mindestens 91,99 (99,65)
Beiträge Wissenschaft: 2,00 pro Normseite (2,00)
Buch Wissenschaft: 800,00 (800,00)
Broschüre Wissenschaft: 3,00 pro Druckseite (3,00)
Hörfunk: 10-Punktewert 1,50 (2,00)
Fernsehen: 10-Punktewert 0,24 (0,35)

METIS (Texte im Internet):
10,00 (10,00) ab 1.500, 12,00 (13,00) ab 6.000, 16,00 (18,00) ab 24.000 Abrufe
METIS-Sonderausschüttung:
10,00 (10,00) bis 20 Texte in 6 Stufen von 30,00 (30,00) für 21 – 60 Texte bis 480,00 (480,00) bei über 480 Texten pro Domain

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Arm trotz Arbeit – Mitreden in der Denkfabrik

Warum der an sich „phantastische Beruf“ eines Musikpädagogen ein Imageproblem hat? Weil nicht festangestellte Musikschullehrer*innen im Jahresschnitt von 13.000 Euro leben und Nebenjobs annehmen müssen. Dass ein Arbeitseinkommen die Existenz nicht sichert, betrifft nicht nur Kurierfahrer, Altenpflegerinnen, Erntehelfer oder Putzfrauen. Arm trotz Arbeit – das Deutschlandradio beleuchtet dieses Thema in seiner „Denkfabrik 2022“. Mit steigender Brisanz.
mehr »

ARD: scharf, aber respektvoll im Bürgerparlament

In zentralen gesellschaftlichen Problemen – Corona, Migration, Arm und Reich – erleben viele Menschen die Gesellschaft als gespalten. Seit Amtsantritt der Ampelkoalition hat sich nach einer Infratest dmap-Umfrage im Auftrag der ARD der gesellschaftliche Zusammenhalt sogar noch verschlechtert. Mit ihrer Themenwoche „WIR gesucht – Was hält uns zusammen?“  will die ARD gegensteuern. Neue Formate wie „Das Bürgerparlament“ sollen den direkten Dialog mit dem Publikum fördern. Auftakt gelungen.
mehr »

ARD-Streiktag: Mit viel Wut im Bauch

Mit Entschlossenheit und einer gehörigen Portion Wut sind an vielen ARD-Standorten hunderte Beschäftigte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks am 9. November in den Warnstreik getreten. Sie reagierten mit dieser konzertierten Aktion, zu der ver.di aufgerufen hatte, auf die festgefahrenen Tarifverhandlungen in der ARD. Mehr als 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus sieben Sendern beteiligten sich. Bei der Deutschen Welle in Bonn und Berlin gab es aktive Mittagspausen vor den Häusern. In vielen Programmen kam es zu Ausfällen, Sendungen aus der Konserve mussten Lücken füllen. 
mehr »

Der Bärendienst eines Privatmanns

Tom Buhrows Rede im Hamburger Übersee-Club liefert der Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk neuen Zunder – von unerwarteter Seite. Er gibt vor, als Privatperson und damit auf „eigenes Risiko“ zu sprechen, was systemisch und in der aktuellen Debattenlage schwer möglich ist und nach prominentem Abdruck in der FAZ wohlfeil daherkommt. Vielmehr leistet er dem Gedanken eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks, gelinde gesagt, einen Bärendienst.
mehr »