Interview mit Erik Bettermann, Intendant Deutsche Welle

Ihre Kandidatur stand unter dem Motto: Kontinuität und Weiterentwicklung. Was bedeutet das konkret?

Bettermann: Besser noch wäre „Kontinuität und Aufbruch“. Ich gehöre dem Verwaltungsrat der Deutschen Welle seit über sechs Jahren und habe die bisherige Aufgabenplanung aus Überzeugung mitgetragen. Was den Aufbruch angeht: Die Deutsche Welle ist hierzulande durch personenbezogene Auseinandersetzungen imagemäßig in eine Schieflage geraten. Die eigentliche Herausforderung liegt aber in der globalen Veränderung der Kommunikationssysteme. Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig die internationale Stellung der Bundesrepublik ist und dass sich daraus die Notwendigkeit eines starken Auslandsrundfunks ergibt. Wir sind keine Bananenrepublik, sondern global player. Daher müssen wir mit der gebotenen Staatsferne unser Deutschlandbild über den Auslandsrundfunk transportieren.

Sie streben möglichst noch in dieser Legislaturperiode eine Novellierung des Gesetzes über die Deutsche Welle an. Was wollen Sie verändern?

Bettermann: Das zuletzt vor drei Jahren novellierte Gesetz leidet an einer undeutlichen Begriffsbestimmung. Die Deutsche Welle macht ja nicht nur Hörfunk und Fernsehen, sondern auch das Online-Programm. Außerdem bin ich für ein stärkeres Mitwirken der Aufsichtsgremien. Auch wenn das meine Befugnisse als Intendant etwas beschneiden wird, könnte ich mir etwa vorstellen, dass die Berufung der Chefredakteure künftig der Zustimmung des Verwaltungsrats bedarf.

In Sachen Finanzierung wünschen Sie sich mehr Planungssicherheit. Wie stellen Sie sich das vor?

Bettermann: Bei den Landesrundfunkanstalten ermittelt die KEF den jeweiligen Finanzbedarf, der dann von den Ländern ratifiziert wird. Eine solche Instanz zur Bedarfsfestsetzung gibt es für die Deutsche Welle nicht. Die Deutsche Welle ist eine Bundesrundfunkanstalt, Gesetzgeber ist der Deutsche Bundestag, den Bedarf ermittelt der Haushaltsgesetzgeber Deutscher Bundestag. Es werden für den Auslandsrundfunk keine Rundfunkgebühren verwandt, er ist ausschließlich aus dem Bundeshaushalt finanziert. Ich halte es für notwendig, analog zur KEF eine Institution zu beauftragen, die den Finanzbedarf feststellt. Auf diese Weise bekämen wir wenigstens eine Planungssicherheit für eine Legislaturperiode. Das wäre für unsere Arbeit schon hilfreich.

Unterstützen Sie das Projekt eines Auslandsfernsehens zusammen mit ARD und ZDF?

Bettermann: Ja. Das ist ja kürzlich von Bund und Ländern auf den guten Weg gebracht worden. Die rechtliche Verantwortung hat die Deutsche Welle, aber in kollegialer Zusammenarbeit mit ARD und ZDF kann dann „The Best of“ auf dem Ersten und Zweiten Fernsehkanal hier in Deutschland mit eingespeist werden. Es soll ja in Form von Pay-TV ausgestrahlt werden, das heißt, es ist gedacht für Deutsche, die im Ausland leben. Da muss man mal sehen, ob dann jeder seine 15, 20 Dollar pro Monat bezahlt. Das muss sich rechnen. Wenn da ein höherer Millionenbetrag an der Deutschen Welle hängen bliebe, würde ich einen eigenständigen Deutschlandkanal zunächst zurückstellen.

Das Personal der Deutschen Welle hat ja in den letzten Jahren aufgrund der Sparpolitik des Bundes einen ziemlichen Aderlass erlitten. Welche Perspektiven haben die Beschäftigen der Deutschen Welle?

Bettermann: Es darf nicht wieder zu so einer dramatischen Situation kommen, dass das Damoklesschwert betriebsbedingter Kündigungen über den Kolleginnen und Kollegen hängt. Dafür stehe ich und dafür werde ich meine politischen Kontakte und Netze einsetzen. Sicher werden wir noch weiterhin personell umstrukturieren müssen. Im Interesse der Qualifizierung unseres Programms brauchen wir mehr jüngere Leute. Ich werde aber alles dafür tun, um die notwendigen Veränderungs- und Nachwuchsprozesse so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Es geht dabei nicht nur um Geld. Man kann auch über Outsourcen und ähnliche Dinge nachdenken. Wichtig ist, dass dies in Absprache mit den Arbeitnehmern geschieht und nicht von oben oktroyiert wird.

  • Interview: Günter Herkel
nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Das Netz hat ein SLOP-Problem

Künstliche Intelligenz verändert das Internet wie wir es kannten. KI dient als Beschleuniger von immer neuen Inhalten. Nicht immer entstehen auf diese Weise sinnvolle Inhalte. AI Slop, also digitaler Müll, flutet das Netz. Und KI geht nicht mehr weg. Denn KI-Modelle, finden sich inzwischen an allen möglichen und unmöglichen Stellen des privaten und beruflichen Lebens.
mehr »

Big Tech verändert TV und Streaming

Bei den Video-Streaming-Plattformen verteidigte YouTube im Jahr 2025 erfolgreich seine Führungsposition und erreicht 72 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Die öffentlich-rechtlichen Streaming-Netzwerke von ARD, ZDF, Arte und 3sat kommen auf über 60 Prozent, dicht gefolgt von Netflix und Amazon Prime Video. Doch auch die Sender des ÖRR nutzen YouTube als Ausspielweg ihrer Inhalte. 
mehr »

Europas Machtprobe mit den Plattformen

Wegen mangelnder Transparenz bei Werbung und Nutzerkonten hat die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro gegen den Onlinedienst X verhängt. Mit dem Digital Services Act (DSA) will die EU das Netz demokratisch kontrollieren. Doch Verfahren gegen X, TikTok und Meta zeigen, wie schnell die angestrebte Regulierung zur politischen Auseinandersetzung wird.
mehr »

Gespräche aufnehmen: Was ist erlaubt?

"Ich lasse nun die Aufnahme mitlaufen.“ In Interviewsituationen am Telefon sind Tonaufnahmen unproblematisch, wenn die Beteiligten sich darauf verständigen. Unsicherheiten bestehen aber, wenn Gespräche heimlich aufgenommen wurden, beispielsweise von Informant*innen. Darf die Aufnahme veröffentlicht werden? Können die Informationen aus dem Gespräch verwendet werden?
mehr »