Jugendschutz verletzt

Deutscher Presserat spricht im September sieben Rügen aus

Die drei Beschwerdeausschüsse des deutschen Presserates behandelten in ihrer Septembersitzung 67 Beschwerden und sprachen sieben Rügen sowie 14 Missbilligungen und neun Hinweise aus. In 33 Fällen wurden die Beschwerden als unbegründet erachtet.

Ausgerechnet die Jugendzeitschrift Bravo Hip Hop hat nach Auffassung des Deutschen Presserates in grober Art und Weise gegen den Jugendschutz verstoßen und erhielt dafür eine Rüge. Die Zeitschrift hatte in einem Beitrag über den Rapper „King Orgasmus One“ Fotos von Pornoszenen veröffentlicht. Der Beschwerdeausschuss sah darin einen eklatanten Verstoß gegen die Ziffer 11 des Presskodex, der die Beachtung des Jugendschutzes verlangt.
Bild wurde für einen Artikel über Khaled al-Masri öffentlich gerügt. Unter der Überschrift „Warum lassen wir uns durch so einen terrorisieren?“ hatte die Zeitung über den Aufenthalt des Deutsch-Libanesen in einer Psychoklinik berichtet und ihn als „irre“ bezeichnet: Verletzung der journalistischen Ethik und des Persönlichkeitsrechtes des offenkundig kranken al-Masri (Ziffer 9 und 8.4 Pressekodex).
Auch mit Schleichwerbung musste sich der Presserat erneut und mehrfach befassen (Richtlinie 7). Das Gremium rügte einen Beitrag der Hamburger Morgenpost über Italien-Wochen bei Karstadt. Grundsätzlich dürfe über solche Aktionen als „Leserservice“ berichtet werden. Die Grenze zur Schleichwerbung sei jedoch überschritten, wenn dies in werblich anpreisender Sprache geschehe und einzelne Produkte ohne nachvollziehbaren Grund hervorgehoben würden. Im gerügten Beitrag geschah das mit der Formulierung „Die besten Love-Stories werden durch tolle Gewinne wie einen „Amore-Urlaub“ in Rom oder ein exklusives Abendessen prämiert sowie den Hinweis auf die Prosecco-Marke „Ti Amo“. Zwei Rügen erhielt die Programmbeilage Prisma und eine die Neue Westfälische wegen Verletzung des Trennungsgrundsatzes.
Der Beschwerdeausschuss zum Redaktionsdatenschutz hat eine nicht-öffentliche Rüge gegen die Zeitung Sonntag aktuell ausgesprochen. Die Zeitung hatte über den Arbeitstag eines Sozialrichters berichtet und dabei den Namen einer klagenden Hartz IV-Empfängerin genannt. Das war ein Eingriff in ihr Privatleben. Außerdem teilte die Zeitung zahlreiche persönliche Daten mit: die Pflegebedürftigkeit der Frau, ihre schwierige soziale Situation, ihre privaten Probleme. Nichts davon war von öffentlichem Interesse. Der Bericht verletzte also insgesamt das Recht auf ihre informationelle Selbstbestimmung: schwerer Verstoß gegen die Ziffer 8.

nach oben

weiterlesen

Mehr Sichtbarkeit für Frauen beim SWR

Der Südwestrundfunk (SWR) will den Frauenanteil in Radio, Fernsehen und Internet erhöhen und Frauen in allen Programmen sichtbarer machen. Daher stellt sich der Sender als erste Landesrundfunkanstalt der ARD der sogenannten 50:50-Challenge. Nach dem Vorbild der britischen BBC sollen alle Redaktionen ein Jahr lang freiwillig auf ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in ihrem Programm achten. Das Mitmachen in den Redaktionen ist freiwillig.
mehr »

Höhere Ausschüttung bei VG Bild-Kunst

Trotz der Pandemie konnte die VG Bild-Kunst im Geschäftsjahr 2020 ein außergewöhnlich positives Ergebnis erzielen. Auch die Ausschüttung an ihre Berechtigten im In- und Ausland konnte gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert werden, teilte die Verwertungsgesellschaft mit. Die Gesamterlöse der VG Bild-Kunst beliefen sich im Geschäftsjahr 2020 auf 109,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2019 wurden 61,2 Millionen Euro und 2018 56,3 Millionen Euro erzielt.
mehr »

Können Maschinen auch Urheber sein?

Künstliche Intelligenzen (KI) malen Bilder, schreiben Texte und komponieren Lieder. Handelt es sich dabei um „Schöpfungen“, die urheberrechtlich geschützt sein können? Unter dem Motto „Künstliche Intelligenz und Urheberrecht in Deutschland und Europa“ beschäftigte sich der 5. Kongress Urheberrechtspolitik am Potsdamer Erich-Pommer-Institut mit den Fragen von Regulation und Bewertung von KI in kreativ-künstlerischen Schaffensprozessen.
mehr »

Freie raus aus dem Schleudersitz!

Das Timing war perfekt: Das Ende des Freienkongresses fiel taggenau mit der Verabschiedung des novellierten Bundespersonalvertretungsgesetzes zusammen, die vom ARD-Freienrat als „Meilenstein“ für die Interessenvertretung gesehen wird. Der Kongress tagte coronabedingt nicht in Saarbrücken, sondern vom 20. bis 22. April 2021 im Netz. Drei gut besuchte Veranstaltungen zu den Themen Rundfunkfreiheit, Arbeitsrecht und Mitbestimmung boten Stoff zu Diskussion und Möglichkeiten zur Vernetzung für alle Freien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk über Sendergrenzen hinweg.
mehr »