Keine Meldungsflut von Hass-Inhalten

Bild: 123rf

Bis Ende November gingen bei der „Zentralen Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet“ (ZMI) im Bundeskriminalamt (BKA) knapp 3.900 Meldungen ein. Rund 74 Prozent der gemeldeten Inhalte waren strafrechtlich relevant. „In rund 1.960 dieser Fälle konnte die ZMI eine örtlich zuständige Strafverfolgungsbehörde in einem Bundesland feststellen, so dass von dort gegen die mutmaßlichen Urheber dieser Inhalte ermittelt werden konnte“, erklärte ein BKA-Sprecher auf „M“-Anfrage. 

Eigentlich rechnete das BKA zum Start der Meldestelle im Februar nach dem neuen Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) gegen Hass in sozialen Netzwerken mit einer Flut von Anzeigen. Von etwa 250.000 Meldungen zu Hass-Postings, Holocaust-Leugnungen, antisemetischer wie rassistischer Hetze und daraus folgenden rund 150.000 Strafverfahren pro Jahr war die Rede. Denn laut dem neuen NetzDG sind soziale Netzwerke mit mindestens zwei Millionen registrierten Nutzern in Deutschland verpflichtet, rechtswidrige Inhalte nicht nur zu löschen, sondern dem BKA zu übermitteln. Allerdings klagen Google, Meta, Twitter und TikTok weiter wegen einzelner Verpflichtungen aus dem Gesetz beim Verwaltungsgericht Köln, so der BKA-Sprecher. Daher kämen von diesen Anbietern bislang keine Meldungen zu strafbaren Inhalten mit den Daten der verdächtigen Nutzer.

Stattdessen kooperiere die Meldestelle seit 2. Mai mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität (ZIT Hessen) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, der Meldeplattform „Hessen-gegen-Hetze“ des CyberCompetenceCenters [H3C] des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport, der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen und der Meldestelle „respect!“ der Jugendstiftung im Demokratiezentrum Baden-Württemberg. Deren Meldungen würden vom BKA hinsichtlich einer strafrechtlichen Relevanz sowie möglicher Gefährdungsaspekte geprüft. Außerdem werde nach Möglichkeit der mutmaßliche Verfasser festgestellt. Im Erfolgsfall werde der Sachverhalt an die örtlich zuständigen Strafverfolgungsbehörden in den Bundesländern übermittelt, erklärte der BKA-Sprecher das Prozedere. Dies Behörden führten die weiteren Ermittlungen durch.

Derzeit würden dezentrale Meldestrukturen in den Ländern sukzessive zentral im BKA zusammengeführt. Gleichwohl werde das Personal mit Blick auf das zu erwartende Meldeaufkommen auf- und ausgebaut, wobei der Sprecher zu den konkreten Stellen keine Angaben machen wollte. Ursprünglich war von 200 Mitarbeitenden die Rede. 

Der BKA-Sprecher erklärte, dass mit dem im März vom Bundesinnenministerium vorgestellten Aktionsplan gegen Rechtsextremismus Hetze im Netz ganzheitlich bekämpft werden soll. Die Strafverfolgung im Zusammenspiel mit den Ländern werde weiter intensiviert.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Berliner Zeitung expandiert nach Osten

Der Verleger Holger Friedrich hat offenbar Sympathien für den Kreml und die AfD. Nun bringt er die Ostdeutsche Allgemeine als „Leitmedium“ für Ostdeutschland auf den Markt. Was tut der Konkurrent Madsack, an dem die SPD beteiligt ist? Er kooperiert mit Friedrich. In der Branche gibt es Erstaunen.
mehr »

Der SR lässt sich checken

Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen unter Spar- und Reformdruck. Die Politik verlangt den Abbau von Mehrfachstrukturen und eine Profilierung des Programmauftrags. Die meisten Anstalten sind bereits im Umbau. Angesichts dieser Herausforderungen lässt der Saarländische Rundfunk (SR) derzeit seine Organisationsstrukturen von externen Beratern überprüfen.
mehr »

Filmtipp: Sie glauben an Engel, Herr Drowak? 

Schwarzweißbilder, höchst originell gestaltet und herausragend gut gespielt mit Luna Wedler und Karl Markovics - "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" erzählt die Tragödie eines verpfuschten Lebens. Im Debütfilm von Nicolas Steiner offenbart ein nihilistischer Trinker im Rahmen eines Sozialprogramms dank der Beharrlichkeit einer Germanistik-Studentin ein enormes literarisches Talent. Doch dann wird der Mann von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt.
mehr »

ÖRR als Public Open Space?

Der Reformstaatsvertrag eröffnet neue Wege für die Infrastruktur öffentlicher Kommunikation, befindet Jan Christopher Kalbhenn in einer Kurzstudie, die er für die Friedrich-Ebert-Stiftung verfasst hat. Denn die demokratische Öffentlichkeit, so Kalbhenn, steht angesichts der Machtkonzentration bei digitalen Plattformen vor einer grundlegenden ordnungspolitischen Herausforderung.
mehr »