Konfusionsräte

Zwischenbericht aus dem Südwesten

Hurra, wir fusionieren, wir machen aus SWF und SDR den SWR. Warum? Weil. Die Politik in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die will das. Warum, weil sie in ihrem leidenschaftlichen Bemühen um die Herstellung von Landes- und Regionalidentitäten allen Stammtischen zwischen Wuteschingen im Süden und Witterschlick im Norden, zwischen Mönchdeggingen im Osten und Freischeid im Westen mannigfache Gelegenheiten bieten will, sich in unseren Programmen wiederzufinden.

Hier baut die Provinz an ihrem ganz persönlichen Programmabschnitt, wir bauen mit, wir fusionieren.

Wir machen aus zwei Anstalten eine und aus einem Intendanten drei. Der eine Intendant sitzt in Stuttgart und heißt auch so, nämlich Intendant, der andere heißt Landesfunkhausdirektor und sitzt auch in Stuttgart, und der dritte Intendant sitzt in Mainz und ist dort Landesfunkhausdirektor. In Baden-Baden sitzen die Direktoren für das Weltradio und das Weltfernsehen. Jedoch soll Welt auch aus Stuttgart und Mainz gemacht werden. Alle die werden nicht ganz billig sein, aber das Geld holen wir schon wieder rein. Die werden dann besonders teuer sein, wenn sie aus den Rippen der Landespolitik geschnitten werden. Und die Politik formt sie nach ihrem Bild und Gleichnis und haucht ihnen den Odem des Landesfunkhausintendanten ein. Damit nicht so auffällt, daß sie von ihrem Job keine Ahnung haben, es sei denn, sie haben ihre Designnase im formatierten Programmwind, werden ihnen Referenten und Referentinnen beigestellt. Die sind auch nicht für Ümme zu haben. Aber wir holen das alles wieder rein.

Wir gleichen die Tarifverträge von SDR und SWF einander an und achten darauf, daß der SWR-Tarifvertrag kein Rosinenspeicher wird. Das ist ein konfuses Geschäft, denn es gilt, den Besitzstand zu wahren, aber das Ding heißt, Gott sei Dank, Besitzstand und nicht Besitzentwicklung. Stunden, Tage und Wochen verbringen wir damit, die Berufsbezeichnung „Aufzugführer“ aus dem Tarifvertrag des SDR in den Tarifvertrag des SWR zu übernehmen und der Tätigkeit durch die Touristisierung der Sendetürme nach dem Degerlocher Modell neues Leben einzuhauchen. Wir fusionieren, wir sparen. Wir bügeln auch aus, daß die Politik sich nicht mit einem Mannheimer Studio begnügt, sondern auch, bloß mal über den Rhein rüber, in Ludwigshafen ein Studio haben will. Wir bügeln aus, indem wir dem Eindampfen der Belegschaft zustimmen. Der Südwestrundfunk wird eine „sozialverträgliche“ Bügelfalte tragen, und das Programm, das die Einschaltpinsel wollen, bedarf keiner Programmacher, sondern eines kleinen Programmchips. Mutter Theresa und Lady Di, die „Weltstare der humanitären Hilfe“. Für dergleichen unfähige Gedanken braucht es kein Hirn, da reicht eine Programmkarte in Gold.

Hurra, wir fusionieren. Unterdessen läßt der zukünftige Intendant auf der elsässischen Moder paddeln und darüber Stilblüten ausstreuen. Das sollte er nicht machen, denn das verwirrt, das macht ratlos. Das Elsaß gehört nämlich nicht zu den Regionen auf der nach unten offenen deutschen Provinzskala. Er sollte lieber auf der Oos paddeln lassen, denn wenn schon der Südwestrundfunk Baden-Baden den Standortbach runtergeht, soll wenigstens die Oos bepaddelbar werden. Zwischen Rhein und Festspielhaus. Also: Lasset uns beten, wir konfusionieren.

 

nach oben

weiterlesen

Tech-Giganten bald strenger kontrolliert

Große Digitalkonzerne wie Amazon, Google oder Facebook sollen künftig strenger kontrolliert werden. Der Bundestag beschloss am Donnerstag in Berlin den Entwurf für ein Digitalisierungsgesetz, dass dem Bundeskartellamt mehr Befugnisse gibt. Damit kann die Behörde schneller eingreifen, wenn ein Tech-Gigant seine Marktmacht missbraucht. Um in Zukunft lange kartellrechtliche Verfahren zu vermeiden und Schadenersatzansprüche besser durchzusetzen, werden der Rechtsweg verkürzt und solche Streitigkeiten nach Paragraf 19a des Gesetzes in die Zuständigkeit des Bundesgerichtshofes übergeben.
mehr »

Buchtipp: BFF-Praxishandbuch Fotorecht

Basiswissen und Verträge für Fotografen“. Zuge­geben, 109 Euro scheinen ein stolzer Preis zu sein. Die Investition lohnt sich aber für alle, die sich als professionelle Fotograf*innen verstehen. Der Preis wird sicherlich schnell kompensiert. Eine Steuererklärung, Einsparungen bei Sozialversicherungen, vermiedene Kosten für Nachverfolgung von Urheberrechtsverletzungen – es rentiert sich.
mehr »

Ein Haus für Selbstständige

Lange war das Projekt vorbereitet, im Mai bewilligt und Anfang September an den Start gebracht worden: Das „Haus der Selbstständigen“ (HdS) in Leipzig – ein Vernetzungs-, Stärkungs- und Bildungsangebot unter einem Dach. Am 27. November machte das HdS erstmals die breite Öffentlichkeit auf sich aufmerksam – mit zwei virtuellen Auftakt-Veranstaltungen, in denen sich das Projekt nicht nur vorstellte, sondern auch gleich mit brandaktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen aufwartete.
mehr »

Ab 2021 ohne Sprachrohr

Das Sprachrohr wird im 30sten Jahr seines Bestehens eingestellt. Bis dato lag die 1991 gestartete Zeitung des Landesfachbereiches Medien, Kunst und Industrie für die Mitglieder in Berlin-Brandenburg – früher der IG Medien, heute von ver.di – zuverlässig im Briefkasten, einst sechs Mal jährlich, in letzter Zeit noch jedes Quartal. Sie spiegelte bis heute das bunte Bild dieses Fachbereichs aus Druckern, Musikerinnen, Rundfunktechnikern, Journalistinnen, Papierverarbeitern, Schriftstellerinnen, … . Und sie war als Regionalblatt einzigartig in der Gewerkschaft.
mehr »