Lotta

Die antifaschistische Zeitung Lotta erscheint seit 1999 vierteljährlich aus NRW aber nicht nur für dieses Bundesland. Das Hauptinteresse gilt der extremen Rechten, der Braunzone in NRW und anderen Regionen, den Hintergründen ihrer Aktivitäten und Strukturen. Vorläufer war die von 1993 bis 1998 existierende „Antifaschistische NRW-Zeitung“. Lotta kommt mit 60 Seiten gewichtig daher, bietet viel Lese- und Diskussionsstoff, oft aus Perspektiven, die gängige Lesarten geschichtlicher oder aktueller Ereignisse infrage und in neue Zusammenhänge stellen. Ein Stamm von etwa 20 ständigen Autorinnen und Autoren – Journalisten, Wissenschaftlerinnen, Beobachterinnen der rechten Szene oder Antifa-Akteuren – schreibt unentgeltlich für Lotta. Honorare lässt der schmale Finanzrahmen der sich ausschließlich übers Abo finanzierenden Zeitschrift nicht zu.
„Ein großes Stück Leidenschaft ist schon dabei“, sagt denn auch Torben Heine vom Redaktionsteam, das ohne Hierarchien auskommt und basisdemokratisch seine Entscheidungen fällt. Als freier Journalist betreut er die kurze Form wie „Aufmarschsplitter“, verfasst längere Artikel wie den über männliche Körperbilder in der jüngsten Ausgabe und kümmert sich auch um die Schlussre­daktion. Jedes Heft widmet sich einem Schwerpunktthema, das mit einem mehrseitigen komplexen Einstiegsartikel beginnt. So beschäftigte sich die Herbstausgabe 2007 mit der unterschätzten Rolle von Frauen in der extremen Rechten – im Themenspektrum von „Frauen als (Mit-) Täterinnen in der nationalsozialistischen Diktatur“, von geschlechterspezifischen faschistischen und rassis­tischen Einstellungsmustern, den Organisationen extrem rechter Frauen, dem RechtsRock der Walküren bis zu einem Interview zu nationalem Feminismus. Das Folgeheft beleuchtet dann im Schwerpunkt Rechte Männer und die Konstruktion von Männlichkeit bis zum Mythos Kameradschaft. Zwei bis drei Ausgaben werden vorausgeplant, Rechtspopulismus und Jugend bilden nächste Schwerpunktthemen. Ab und zu berichten Auslandskorrespondenten über rechte Tendenzen und Ereignisse in Frankreich, Belgien oder Rußland.
Der Gratwanderung, die die grafische Gestaltung – dreispaltig mit sparsamen schwarz / weiß Fotos und freigestellten Elementen – vollzieht, sind sich die Lotta-Macherinnen und Macher bewusst. Jedes Mal muss abgewogen werden zwischen dem dokumentarischen Anspruch eines Fotos – so sieht die Szene jetzt, so sah sie früher aus – und der ­Ästhetizierung nazistischer oder rassistischer Symbolik. „Wir wollen so nah dran wie möglich sein, politisch was erreichen“, beschreibt Heine das Credo von Lotta. „Für die Neonazis in NRW sind wir Feindbild Nr. 1, werden massiv angefeindet, entfesseln Diskussionen in Internetforen.“ Deshalb wird auch ein gewisses Maß an Anonymität gewahrt, feste Redaktionsräume gibt es nicht, Telefonnummern werden nicht veröffentlicht.
Gelesen wird Lotta trotz der kleinen 1000er Auf­lage von vielen Multiplikatoren – Sozialarbeitern, Lehrerinnen, Wissenschaftlern… Das Interesse wächst vor allem bei denen, die sich im Alltag mit solchen Problemen auseinandersetzen müssen. „Der Trend für LOTTA geht nach oben“, sieht Heine positiv in die Zukunft. (www.free.de/lotta)

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Das Internet als Nachrichtenquelle

„Das Internet stellt erstmals die wichtigste Nachrichtenquelle der erwachsenen Online-Bevölkerung in Deutschland dar“. So der aktuelle Reuters Institute Digital News Report 2024.  Er liefert interessante Befunde für die journalistische Arbeit – etwa zu Nachrichtenvermeidung, Medienvertrauen und Erwartungen an Nachrichtengestaltung in Zeiten zunehmender Internetnutzung.
mehr »

Der HR will sich sein Radio sparen

Die erst gestern in Frankfurt vom Hessischen Rundfunk (HR) vorgestellte „Radiostrategie“ entpuppe sich als Sparprogramm auf Kosten der Beschäftigten und des Programms, kritisierte die zuständige ver.di Gewerkschaftssekretärin Anja Willmann die Pläne des Senders. Der HR will künftig weniger Geld in seine linearen Radioprogramme investieren. Die frei werdenden Mittel sollen vor allem in digitale Produkte und Dialogangebote fließen.
mehr »

Rundfunkräte fordern sichere Finanzierung

Es sieht nach Verzögerung aus. Das Beitragsfestsetzungsverfahrens für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stockt. Auf Initiative von Marlehn Thieme, Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats und Frank Werneke, Mitglied des ZDF-Fernsehrats ist daher ein Aufruf an die Ministerpräsident*innen entstanden. Hierin appellieren zivilgesellschaftliche Mitglieder der Aufsichtsgremien aller öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten an die verantwortlichen Medienpolitiker*innen, die KEF-Empfehlung zur Anpassung des Rundfunkbeitrags zeitgerecht umzusetzen.
mehr »

Demokratiepass zur Medienförderung

Mit einer staatlichen Zustellförderung wollte die Ampel-Regierung das drohende Zeitungssterben stoppen. Doch das im Koalitionsvertrag angekündigte Vorhaben wurde aufgrund knapper Haushaltsmittel gecancelt. Jetzt gibt es einen neuen Vorschlag, wie gegen die Ausdünnung der Medienvielfalt vorgegangen werden könnte. Über einen „Demokratiepass zur Medienförderung“ diskutierten am letzten Tag der Digitalkonferenz re:publica Expert*innen aus Wissenschaft und Politik.
mehr »