Smart Village goes Brandenburg

Der Coworking Space COCONAT in Bad Belzig
Foto: mabb

Mit dem Projekt „Smart Village“ will die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) zusammen mit privaten und öffentlichen Partnern erproben, ob und wie die Digitalisierung lokaler Medienvielfalt auf die Beine helfen kann. Modellkommunen sind die Städte Bad Belzig und Wiesenburg in Potsdam-Mittelmark. Steffen Meyer-Tippach, Referent Hörfunk und Digitale Projekte bei der mabb, beschreibt im Interview mit M Ziele und erste Erfolge des Projekts.

M | Herr Meyer-Tippach, Sie schreiben in der Projektbeschreibung für Smart Village, dass auf dem Land zunehmend die Rahmenbedingungen fehlen, um eine lebendige lokale Medienlandschaft zu erhalten. Was genau fehlt denn da?

Steffen Meyer-Tippach, Referent Hörfunk und Digitale Projekte bei der mabb
Foto: mabb

Steffen Meyer-Tippach | Es fehlen in bestimmten Regionen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Lokal-TV-Sender und andere lokale Medienanbieter kämpfen mit dem Problem der Refinanzierbarkeit. Der Werbemarkt in Brandenburg reicht in vielen Landkreisen einfach nicht aus, um private Medienangebote zu refinanzieren.

Der öffentlich-rechtliche RBB in Brandenburg wiederum hat keinen Versorgungs-auftrag für das Lokale. Er hat lediglich den Auftrag eine regionale Versorgung sicherzustellen. Das macht er mit seinen Regionalstudios in Frankfurt/Oder und Cottbus und seinen zwei Regionalbüros in Perleberg und Prenzlau. Aus den Brandenburger Landkreisen oder den kreisfreien Städten berichtet der RBB hingegen nur, wenn dort etwas passiert. Etwa ein Waldbrand.

Dann hat sich das Mediennutzungsverhalten – auch auf dem Lande – während der vergangenen 10 bis 20 Jahre, besonders bei der Zielgruppe der unter 40jährigen, stark verändert. So sind die Tageszeitungen Märkische Oderzeitung (MOZ) und Märkische Allgemeine (MAZ) zwar nach wie vor die wichtigsten Medien, um sich lokal zu informieren, haben ihre Auflage in den letzten 15 Jahren aber nahezu halbiert.

Es gibt aber doch auch lokale digitale Angebote, Websites, Blogs, vielleicht Facebook-Seiten, die lokale Nachrichten produzieren und verbreiten. Was wissen Sie über diese Medienanbieter?

Tatsächlich haben wir gerade eine Bestandsaufnahme lokaler Medien beauftragt. Zielfrage ist: Wer berichtet auf lokaler Ebene in Brandenburg. Die Ergebnisse werden nach Medien geclustert: Nach Tageszeitungen, Anzeigenblättern, Amtsblättern – die vom Rathaus herausgegeben werden und oft ein redaktionelles Vorwort des Bürgermeisters haben – lokalem Hörfunk, Lokal-TV. In dem Zusammenhang werden dann auch Online-Medien erfasst. Solche mit einer Anbindung an bestehende Medienangebote, wie etwa an die MAZ oder die MOZ. Und solche ohne eine Anbindung. Also Angebote, die z.B. von Bürgern vor Ort erstellt werden und eine gewisse Relevanz haben.

Warum wurden Bad Belzig und Wiesenburg aus dem Feld der 11 Wettbewerber als Modellkommunen ausgewählt und werden nun als Smart Village gefördert?

Die Jury in unserem Wettbewerb hat verschiedene Gründe für diese Wahl gehabt:

Das ist einmal der digitale Reifegrad der Bevölkerung. Es gibt vor Ort digitale Akteure, die die Digitalisierung als Bereicherung und nicht als Bedrohung auffassen und die sich bürgerschaftlich und ehrenamtlich engagieren, etwa Janosch Dietrich, der Geschäftsführer des Co-Working Spaces COCONAT in Bad Belzig. Die Bürgermeister der beiden Städte unterstützen das Projekt. Solch ein Backup der lokalen Verwaltung ist ganz wichtig. Und es gibt dort bereits lokale Medienprojekte, etwa das „Studio Wiesenburg“ mit dem „Fläming Kanal“, oder den lokalen Nachrichtenblog „Fläming 365

Auch die demographischen Daten, etwa die Bevölkerungszahl, stimmen und es gibt Institutionen wie Schulen, Kindertagesstätten, Seniorenheime, Volkshochschule, die wir ins Projekt einbeziehen können.

Welche ganz konkreten Projekte finden im Rahmen der Smart Village statt?

Ganz konkret wurde gerade eine App gelauncht, die Medienangebote, vom lokalen Blog Fläming 365, der MAZ oder von Studio Wiesenburg, lokale Dienstleistungen wie die Öffnungszeiten der lokalen Therme und der Bibliothek und Ausschreibungen aus dem Amtsblatt zentral zugänglich macht. Die App gibt es für Android-Geräte und sie kommt demnächst auch für iOS-Geräte.

Dann wurde der Verein Smart Village gegründet, bei dem u.a. wir, die mabb, die Städte Belzig und Wiesenburg, die MAZ, COCONAT und das Studio Wiesenburg Mitglieder sind. Außerdem wurden vor Ort ein Projektbüro eröffnet und ein Projektmanagement eingestellt. Der neu gegründete Smart-Village-Verein hat vom Land Brandenburg eine GRW-Netzwerkförderung bis 2021 bekommen. Das sind etwa 270.000 Euro, mit denen das Projektbüro und das Personal dort, 1,5 Stellen, finanziert werden.

Die mabb finanziert aktuell vor Ort das Medienkompetenzprojekt „Wir zu Lande“, mit dem Bürger*innen in Workshops in den digitalen Journalismus eingeführt werden und in die Lage versetzt werden sollen, z.B. andere Personen aus der Region vorzustellen. Über weitere Projekte kann man sich auch immer aktuell auf unserer Webseite www.mabb.de/smart-village informieren.

Nun war Bald Belzig in den letzten Monaten im Fokus der Regionalpresse, weil von dort z.B. in der Nacht der Stimmenauszählung der Europawahl ungewöhnlich lange überhaupt keine Zwischenstände übermittelt wurden und auch weil Herr Leisegang, der Bürgermeister, sich diverse Male – teilweise nachvollziehbar – sehr kritisch über soziale Medien geäußert hat. Das klingt wenig nach digitaler Modellkommune.

Ich würde diese Ereignisse nicht aus dem Zusammenhang reißen. Die Europawahl und die Kommunalwahl waren in diesem Jahr. Unser Wettbewerb fand bereits im vergangenen Jahr statt. Ja – man kann so etwas wie die laufende Auszählung von Kommunalwahlen digital sicher anders organisieren, aber im Grunde sind das Themen des Rathauses und nicht der mabb.

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