Neuer Auftritt – neue Inhalte

Deutsche Welle erweitert Angebot in Englisch und Spanisch

Die Deutsche Welle startet durch: Seit dem 6. Februar präsentiert sich der Auslandsrundfunk mit neuem Erscheinungsbild und neuen Inhalten. Die Intendanz spricht von einem „Meilenstein auf dem Weg zu einem umfassenden Multimedia-Unternehmen“.

Carlos Delgado, Leiter der Spanisch-Redaktion der Deutschen welle, und Moderatorin Pia Castro Foto: DW/J. Röhl
Carlos Delgado, Leiter der Spanisch-Redaktion der Deutschen Welle, und Moderatorin Pia Castro
Foto: DW/J. Röhl

Kern der Programmreform ist eine Erweiterung des englischsprachigen Angebots der Welle. Bislang wurde stündlich alternierend in Deutsch und Englisch berichtet. Seit kurzem sendet der in Nordamerika, Afrika, Asien und Australien empfangbare Basiskanal rund um die Uhr in englischer Sprache. Das Ganze garniert mit der stündlichen Nachrichtenschiene „Journal“, bei Bedarf soll auch flexibel mit Breaking News reagiert werden. Zusätzlich gibt es regionale Programme wie etwa DW Asien oder DW Arabia. TV-Programme werden auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch ausgestrahlt. Im Regionalkanal für Europa sendet DW 18 Stunden Englisch und zur Prime Time sechs Stunden auf Deutsch.
Eine besondere Aufwertung erfährt das Programm für Lateinamerika. DW Latinoamérica kann jetzt 20 Stunden täglich (bislang zwei) in spanischer Sprache empfangen werden, die restlichen vier Stunden auf Deutsch. Zusätzlich ist in Latein- und Nordamerika auch DW Amerika zu sehen, und zwar 20 Stunden in deutscher sowie vier Stunden in englischer Sprache. Die Programme sollen grundsätzlich „attraktiver und dynamischer“ rüberkommen, versprach Bettermann. Die Ausweitung der Präsenz gerade in Lateinamerika spiegle die Bedeutung des Kontinents für die deutschen Außenbeziehungen.

Mediale Visitenkarte

Insgesamt gehe es bei der Reform darum, den deutschen Auslandsrundfunk als „mediale Visitenkarte“ konkurrenzfähiger zu machen. Vor 20 Jahren seien nur drei Anbieter in englischer Sprache weltweit präsent gewesen: BBC World, CNN und die Deutsche Welle. Mittlerweile tummelten sich 25 Sender auf dem globalen Kommunikationsmarkt.
Auch der Webauftritt der Welle wurde geliftet und gibt ihr ab sofort – so Bettermann – ein „ein sympathisches Gesicht“. Unter der neuen Adresse www.dw.de finden interessierte Nutzer Texte, Videos, Audios und interaktive Elemente in 30 Sprachen. Sympathischer rüberkommen soll die Welle auch durch ein neues Logo: zwei ineinander greifende Kreise, einer dunkelblau, einer weiß mit den Buchstaben D und W.
Bei der Neugestaltung des TV-Programms greift die DW verstärkt auf Material von ARD und ZDF zurück. Dazu gehören etwa die Talkshows von Jauch, Maischberger, Illner etc. Bettermann würde diese Kooperation gern auf Unterhaltungsformate wie zum Beispiel den „Tatort“ ausdehnen. Entsprechende Gespräche mit ARD und ZDF laufen. Alle Neuerungen im Programm wurden „im Wege der Ersatzbeschaffung“ finanziert. Betroffen ist vor allem der Hörfunk. So habe die DW ihre analogen Kurzwellenausstrahlungen im vergangenen Herbst weitgehend eingestellt. Nach wie vor würden aber Hörfunkprogramme in 30 Sprachen ausgestrahlt.

Kürzungen beim Personal

Für 2012 beträgt der DW-Etat rund 271 Millionen Euro und liegt damit geringfügig niedriger als im Vorjahr (273 Mio.). Frühere Anträge der Intendanz, die Finanzmittel angesichts neuer Aufgaben aufzustocken, waren von der Bundesregierung abschlägig beschieden worden (vgl.M 03/ 2011). Damals war eine Deckungslücke in Höhe von 23 Millionen Euro bis 2014 errechnet worden. Vage Ankündigungen, der strukturelle Umbau der Welle werde nicht ohne eine Verringerung von Arbeitsplätzen „im dreistelligen Bereich“ abgehen, hatten seinerzeit in der Belegschaft für erhebliche Unruhe gesorgt.
Der Kostenaufwand für die aktuelle Reform soll bei einem Millionenbetrag „in zweistelliger Höhe“ liegen. Mangels zusätzlicher Mittel sah sich der Sender zu Umschichtungen gezwungen. Auch beim Personal wird gekürzt. Es sei nötig, rund 150 Stellen abzubauen, bedauerte Bettermann, dies geschehe aber „auf sozialverträgliche Weise“, unter Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. In einigen Bereichen gebe es sogar Neueinstellungen: die Ausdehnung des spanischsprachigen Programmangebots habe per Saldo ein Plus von 80 zusätzlichen „Festen Freien“ erbracht.
Stefan Dege, Personalratsvorsitzender der DW am Standort Bonn, hält die personellen Schnitte „angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ für eine „faire Lösung“. Die Welle sei aufgrund sinkender Bundeszuschüsse „seit 15 Jahren strukturell unterfinanziert“. Im Rahmen eines größeren Vorruhestandsprogramms würden „knapp 80 Festangestellte“ bis Ende 2012 den Sender verlassen, bei gleichzeitiger Streichung der frei werdenden Stellen. Weniger weich dürfte eine nicht exakt bestimmte Zahl freier Mitarbeiter fallen. In vielen Redaktionen würden derzeit „Einschränkungs- und Beendigungsmitteilungen verschickt“, bedauerte Dege.
Vor dem Hintergrund weiterhin knapper Ressourcen mochte die Intendanz sich eine sanfte Kritik an der Politik nicht verkneifen. „Nicht alle Kräfte im Bundestag seien offenbar „ davon überzeugt, dass die mediale Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland gestärkt werden muss“, monierte Bettermann.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

ver.di: KSK-Novelle bringt mehr Sicherheit

ver.di hat die vom Deutschen Bundestag beschlossenen Anpassungen im Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) begrüßt, die am 1. Dezember im Rahmen einer umfassenden Novelle des Vierten Buches im Sozialgesetzbuch verabschiedet wurden. Es sei ein wichtiger Schritt zu mehr Fairness, dass über die Künstlersozialkasse versichert bleiben soll, wer im Hauptberuf künstlerisch oder publizistisch tätig ist, heißt es in einer Pressemitteilung.
mehr »

Arm trotz Arbeit – Mitreden in der Denkfabrik

Warum der an sich „phantastische Beruf“ eines Musikpädagogen ein Imageproblem hat? Weil nicht festangestellte Musikschullehrer*innen im Jahresschnitt von 13.000 Euro leben und Nebenjobs annehmen müssen. Dass ein Arbeitseinkommen die Existenz nicht sichert, betrifft nicht nur Kurierfahrer, Altenpflegerinnen, Erntehelfer oder Putzfrauen. Arm trotz Arbeit – das Deutschlandradio beleuchtet dieses Thema in seiner „Denkfabrik 2022“. Mit steigender Brisanz.
mehr »

ARD: scharf, aber respektvoll im Bürgerparlament

In zentralen gesellschaftlichen Problemen – Corona, Migration, Arm und Reich – erleben viele Menschen die Gesellschaft als gespalten. Seit Amtsantritt der Ampelkoalition hat sich nach einer Infratest dmap-Umfrage im Auftrag der ARD der gesellschaftliche Zusammenhalt sogar noch verschlechtert. Mit ihrer Themenwoche „WIR gesucht – Was hält uns zusammen?“  will die ARD gegensteuern. Neue Formate wie „Das Bürgerparlament“ sollen den direkten Dialog mit dem Publikum fördern. Auftakt gelungen.
mehr »

ARD-Streiktag: Mit viel Wut im Bauch

Mit Entschlossenheit und einer gehörigen Portion Wut sind an vielen ARD-Standorten hunderte Beschäftigte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks am 9. November in den Warnstreik getreten. Sie reagierten mit dieser konzertierten Aktion, zu der ver.di aufgerufen hatte, auf die festgefahrenen Tarifverhandlungen in der ARD. Mehr als 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus sieben Sendern beteiligten sich. Bei der Deutschen Welle in Bonn und Berlin gab es aktive Mittagspausen vor den Häusern. In vielen Programmen kam es zu Ausfällen, Sendungen aus der Konserve mussten Lücken füllen. 
mehr »