Privatisierung schwächt öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Die GPR- und Betriebsratsvorsitzenden von ARD, ZDF, Deutscher Welle, Deutschlandfunk/Deutschlandradio und den Tochterunternehmen:

Die Personal- und Betriebsratsvorsitzenden der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und ihrer Tochterunternehmen haben Privatisierungsbestrebungen, insbesondere beim Mitteldeutschen und beim Westdeutschen Rundfunk, entschieden zurückgewiesen.

Anläßlich ihrer Jahrestagung vom 24. bis 26. September in Potsdam erklärten sie:

Die gegenwärtigen Bestrebungen, Betriebsteile des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in privatwirtschaftliche Firmen zu überführen, sind offenbar nicht wirtschaftlich motiviert, sondern politisch.

In keinem Fall wurden bisher wirtschaftliche oder programmliche Vorteile nachgewiesen. Mit der Privatisierung werden jedoch die Arbeitsbedingungen verschlechtert, bestehende Tarifverträge unterlaufen und Arbeitsplätze vernichtet. Die Privatisierung schwächt die Rundfunkanstalten, subventioniert gewinnorientierte Unternehmen mit Gebührengeldern und entzieht deren Verwendung der öffentlichen Kontrolle.

Unabhängige, öffentlich-rechtliche Berichterstattung und Programme setzen ein eigenes, öffentlich-rechtliches Produktions- und Arbeitsumfeld in den Sendern voraus. Sie sind bislang das Ergebnis eines arbeitsteiligen Produktionsprozesses. Die Zusammenarbeit von journalistischen, gestaltenden und technischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Grundlage öffentlich-rechtlicher Programmqualität, die es zu erhalten und auszubauen gilt.

Deshalb fordern die Personal- und Betriebsratsvorsitzenden von ARD, ZDF und Tochterunternehmen die Intendanten und Aufsichtsgremien auf, die Privatisierungspläne fallen zu lassen und statt dessen durch innere Reformen Beweglichkeit zu gewinnen und Arbeitsplätze zu erhalten.

  • Potsdam, den 26. September 1997
nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Demo für eine starke Welle

Unter dem Motto: „Deutsche Welle stärken! Für Dialog und Medienfreiheit – weltweit!“ demonstrierte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zusammen mit einem gewerkschaftlichen Aktionsbündnis heute in Berlin. Grund sind die drohenden Entlassungen von Beschäftigten der Deutschen Welle.
mehr »

Haltestelle verpasst

Der digitale Omnibus der EU droht Grundrechte zu verwässern. Er enthalte eine Reihe technischer Änderungen an digitalen Rechtsvorschriften, die ausgewählt worden seien, um „Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Bürgern gleichermaßen Soforthilfe zu bieten und die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern,“ schrieb die EU- Kommission im Dezember vergangenen Jahres.
mehr »

Serien gegen Diktatur und Faschismus

Die Series Mania in Lille ist wohl eines der wichtigsten Serienfestivals weltweit. In diesem Jahr fiel auf: Viele der der neuesten Produktionen befassten sich mit den Themen Totalitarismus und Unterdrückung – vermutlich auch eine Reaktion auf das, was viele Menschen im Moment bewegt.
mehr »

Neues Mediengesetz für MV tritt in Kraft

Privates Lokal- und Regionalfernsehen steht unter hohem wirtschaftlichen Druck. Sinkende Werbeerlöse, steigende Kosten, fortschreitende Digitalisierung und veränderte Mediennutzung machen ihnen zu schaffen. In mehreren Bundesländern wird bereits seit längerem kommerzielles Lokal-TV mit Steuergeldern gefördert, um Medienvielfalt zu sichern. Auf diesen Weg setzt jetzt auch Mecklenburg-Vorpommern.
mehr »