Radio switcht sachter von analog zu digital

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Das Radio ist auch während der Corona-Krise auf digitalem Wachstumskurs. Jeder vierte Bundesbürger hat aktuell Zugang zu mindestens einem DAB+-Gerät. UKW behauptet sich noch, verliert aber im Verhältnis zum Digitalempfang sukzessive an Bedeutung. Dies ergibt sich aus dem dritten Digitalisierungsbericht Audio, der am 7. September beim diesjährigen Digitalradiotag online vorgestellt wurde.

„Gerade während der Corona-Pandemie hat sich die Gattung Radio als wichtiges Informationsmedium für die Hörerinnen und Hörer erwiesen“ konstatierte Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), in Personalunion auch Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg. Trotz dieser Systemrelevanz und hohem Zuspruch des Publikums seien die „Refinanzierungsgrundlagen des Mediums erschüttert“ worden. Mit einer konzertierten Aktion von DLM, Bund und Ländern werde versucht, speziell dem privaten Hörfunk über diese Durststrecke zu helfen.

„Ich freue mich, dass wir gerade für private Radioveranstalter die zusätzlichen Verbreitungskosten über DAB+ und UKW gezielt in den Blick genommen haben und hier Unterstützung sicherstellen können“, sagte Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder.

Corona-Zuschüsse für die Privaten

Das Radio nehme mit solider Information und sorgfältiger Recherche während der Krise eine wichtige Orientierungsfunktion für die Bevölkerung wahr, ergänzte Monika Grütters, Bundesbeauftrage für Kultur und Medien. „Gerade auch junge Leute fühlen sich in dieser Situation von den Qualitätsmedien angezogen“, so Grütters. Umso dramatischer seien die Werbeumsatzverluste, die allein in den Monaten März bis Mai bei vielen regionalen Sendern 75 bis 80 Prozent, bei einigen lokalen Sendern sogar bis zu 90 Prozent betragen hätten. Daher habe die Bundesregierung im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“ mit einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro auch Zuschüsse für die Privatfunkbranche in Höhe von 20 Millionen Euro vorgesehen. Es gehe darum, mit dem Radio „die mediale Vielfalt zu schützen“.

Laut Digitalisierungsbericht Audio haben derzeit rund 17,9 Millionen Menschen Zugang zum Digitalradio, eine Million mehr als noch vor einem Jahr (plus 7 Prozent). Das entspricht mit 24,3 Prozent einem Viertel der deutschen Bevölkerung. 14,3 Prozent können Radio über Internet (plus 16 Prozent) empfangen. Allerdings ist UKW nach wie vor in 91,2 Prozent der Haushalte am meisten verbreitet, mit leicht abnehmender Tendenz.

Dynamisches Wachstum geplant

Für Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und Leiterin der Lenkungsgruppe Digitalradio in der ARD, sind in Europa und Deutschland die Weichen von DAB+ auf „dynamisches Wachstum“ gestellt. Dies werde sich auch dank der von der EU beschlossenen Digitalradio-Pflicht für Neuwagen ab 2021 beschleunigen. Als weiteren „Meilenstein“ bei der „Migration der Radionutzung von analog zu digital“ bezeichnete Wille den bevorstehenden Start des 2. DAB+ Multiplex im Herbst dieses Jahres.

Mit diesem zweiten „Bundesmuxx“ wird das Angebot digitaler Sender um weitere 16 Programmplätze ergänzt. Plattformbetreiberin ist Antenne Deutschland, die selbst sechs dieser Programme veranstalten wird. Damit ist das Unternehmen 40 Jahre nach dem Start des Privatradios in Deutschland der erste bundesweite Privatfunkbetreiber. Man wolle „für Werbekunden und bundesweite Hörer die Top-Adresse im deutschen Audio- und digitalen Radiomarkt werden, über DAB+, aber natürlich auch im Stream“, sagt Geschäftsführer Joe Pawlas. Ob Antenne Deutschland DAB+ und Webradio auch mit originellen Inhalten voranbringen wollen? Zunächst, so kündigte er an, seien ab Oktober vier Programme diverser Musikfarben vorgesehen. Erst im nächsten Jahr würden zwei Sport- und Talkformate folgen.

„DAB+ hat sich als komplementärer Übertragungsweg etabliert“, betonte Olaf Hopp, Geschäftsführer von Radio Energy Deutschland. Es werde UKW in den kommenden Jahren als Hauptübertragungsstandard ablösen. Wann dies geschehen werde, entschieden für die Privaten der Markt und die Unternehmen selbst. Er glaube aber „an die positive Robustheit des Werbeträgers Radio“. Daher sei ihm – trotz Corona – um die Zukunft des Mediums nicht bange.

Kein Zieltermin für den Wechsel

Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue hält das Radio-Publikum für traditionsbewusster und bequemer als die Fernsehzuschauer*innen. Das UKW-Radio sei ein „schönes, tolles, aber ein wenig altmodisches Medium“. Die Nutzer und Nutzerinnen täten sich schwer, ein neues Gerät anzuschaffen. Daher vollziehe sich die technische Entwicklung beim Radio ungleich langsamer als beim Fernsehen. Anders als in der Vergangenheit neige man in der ARD und beim Deutschlandradio jetzt dazu, „das große Abschaltwort mal in die zweite Reihe zu setzen“. Ein festes Datum für den Switch von analog zu digital, also zur Abschaltung von UKW, sei daher einstweilen nicht vorgesehen. Ein Zwischenschritt sei, freiwerdende UKW-Frequenzen nicht mehr für neue Programme zu nutzen. Aber, so Raue: „Auf die Dauer sind so viele verschiedene Abspielwege nicht finanzierbar.“

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