Späte Transparenz

Proteste gegen gemeinsame Mantelredaktion im Norden halten an

Der Widerstand gegen eine gemeinsame Mantelredaktion von Ostsee-Zeitung (OZ) und Lübecker Nachrichten (LN) ist ungebrochen. Seit 1. April sollten 40 Journalisten aus beiden Redaktionen in eine neue Gesellschaft wechseln und gemeinsam in Lübeck produzieren (M berichtete 01/2008). Für die Ostsee-Zeitung (OZ) befürchten Redakteure, Betriebsrat und Gewerkschaften, dass sie künftig nur noch ein „Anhängsel“ der Lübecker Nachrichten sein wird und ihre Eigenständigkeit verliert.

Bereits vor Monaten hatte die Redaktion der Lübecker Nachrichten ihre Leser über den geplanten gemeinsamen Mantel informiert. Die Rostocker wurden eher beiläufig am 19. April informiert, als die Geschäftsleitung den Wechsel an der Spitze der Chefredaktion bekannt gab: „Jan Emendörfer löst zum 1. Mai Manfred von Thien (52) ab, der als Redaktionsdirektor die in Gründung befindliche gemeinsame Mantelredaktion von Ostsee-Zeitung und Lübecker Nachrichten leiten soll.“ Dass die Redaktion nicht kampflos die Mantelseiten nach Lübeck abgeben will, bekam Mathias Döpfner, Vorstandschef von OZ-Hauptgesellschafter Springer wenige Tage später anlässlich der Aktionärshauptversammlung in Berlin zu spüren. Vor dem Springer-Haus verteilten OZ-Beschäftigte gemeinsam mit ver.di und DJV Flugblätter gegen die Ausgliederung – unter den wachsamen Augen schwarz gekleideter Sicherheitskräfte. In dem verteilten Flugblatt legten Beschäftigte und Gewerkschaften ihre Sicht noch einmal dar: „Zum einen ist die Sichtweise der Leser in Mecklenburg-Vorpommern auch auf nationale und internationale Ereignisse immer noch eine andere als in Schleswig-Holstein. Zum anderen sind die Pläne ein schwerer Schlag für die engagierte Belegschaft in Rostock, weil sie journalistische Kompetenz am Standort und wichtige Arbeitsplätze für Mecklenburg-Vorpommern kosten würde.“ Auch während der Aktionärsversammlung kritisierten Vertreter der Belegschaft die Pläne. Die Antwort von Döpfner erfuhren auch die Leser der OZ in der Berichterstattung über die Aktionärsversammlung: „Die regionale Identität und Verankerung der OZ wird dadurch nicht beeinflusst’, sagte Döpfner. Die Gesellschafter von OZ und LN hätten ein eindeutiges Bekenntnis zu den Standorten Rostock und Lübeck abgegeben, erklärte der Vorstandschef. An beiden Standorten werde hochprofessionell und sehr erfolgreich eine Tageszeitung produziert, an beiden Standorten gebe es demnächst modernste Druckereien, die hochwirtschaftlich produzieren.“
ver.di setzt indes gemeinsam mit Partnern die Kampagne fort: „Unser Land braucht seine Zeitungen. Qualität und Vielfalt sichern.“ Zurzeit läuft eine Unterschriftensammlung. Weit über 1.000 Bürger haben sich bereits der Forderung angeschlossen, durch eine Überarbeitung des Landespressegesetzes von Mecklenburg-Vorpommern mehr Transparenz über die Besitz- und Beteiligungsverhältnisse zu schaffen und die Mitsprache der Journalisten verbindlich zu verankern.

 
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