Strafanzeige gegen IRT-Patentanwalt

Der Bayerische Rundfunk (BR) hat Strafanzeige gegen einen ehemaligen Patentanwalt des größtenteils von ARD und ZDF getragenen Instituts für Rundfunktechnik (IRT) gestellt. Der Mann soll über Jahre mindestens 100 Millionen Euro an Patenterlösen veruntreut haben, die dem IRT zugestanden hätten. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen Untreue und Korruption in besonders schweren Fällen sowie wegen Parteiverrats.

Seit Mitte der 1990er Jahre lässt das IRT seine Patente durch eine internationale Patentverwertungsgesellschaft verwerten. Die daraus erzielten Einnahmen verwendet das Institut zur Finanzierung seiner Forschungsarbeiten. Der beschuldigte Patentanwalt war laut einer Mitteilung des BR verantwortlich für die Verhandlung der Verträge mit der Patentverwertungsgesellschaft und soll in diesem Zusammenhang für das IRT besonders nachteilige Konditionen ausgehandelt haben. Gleichzeitig habe er eigene Verträge mit der Verwertungsgesellschaft abgeschlossen und damit mindestens 100 Millionen Euro an Erlösen erzielt, während das IRT in erheblichen Umfang nicht an den Erlösen partizipiert und über Jahre weitaus geringere Einnahmen erhalten habe, als ihm zugestanden hätten.

Festgenommen wurden auch die Frau und der Sohn des Anwalts, wie Karl Ott in der Süddeutschen Zeitung (SZ) zu berichten weiß. Gemeinsam habe die Familie Ende der 90er Jahre, nachdem der Vater nunmehr nur noch als Berater in Patentfragen für das IRT tätig war, eine GmbH gegründet, die sich um die Verwaltung von Rechten kümmern sollte und über die auch die Patentrechte des IRT verwaltet worden sein sollen.

Nach Angaben des BR sei das Vermögen des Patentanwalts bereits durch einen Arrestbefehl des Landgerichts München I gesichert worden. Erste strafprozessuale Maßnahmen seien ebenfalls eingeleitet worden.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Der WDR halbiert sich selbst

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat heute weitreichende Pläne zur Verknappung des Programmangebots, Stellenstreichungen und Beschäftigungsabbau für freie Mitarbeiter*innen bekanntgegeben. Dies betrifft zunächst 76 noch nicht genannte Programmangebote und bis 2030 eine Halbierung der bisher 600 Programmformate. ver.di kritisiert die massiven Einschnitte.
mehr »

VG-Wort: Die fetten Jahre sind vorbei

In diesen Tagen bekommen Urheber*innen wieder Post der VG Wort: die Mitteilungen über die zweite jährliche Ausschüttung, der so genannte Mitteilungsbrief. Für Journalist*innen bedeutet das hauptsächlich die Tantiemen für im Internet veröffentlichte Texte, die sogenannte METIS-Ausschüttung.
mehr »

Drei Fragen: Zu news aktuell

Seit gestern streiken die Mitarbeitenden der dpa-Tochter news aktuell in Hamburg. Sie fordern einen eigenen Tarifvertrag analog zur Muttergesellschaft. Die Geschäftsführung lehnte Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bisher allerdings ab. Wir sprachen darüber mit Simon Schmitz von der ver.di-Tarifkommission.
mehr »

Gericht kassiert unfaire Klauseln

Der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) haben in erster Instanz gegen die Süddeutsche Zeitung GmbH. Das Landgericht München untersagte hat Süddeutschen Zeitung GmbH, mehrere Klauseln aus ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen für freie Journalist*innen zu verwenden.
mehr »