Frauen, Fitness, Fernsehen

Sitz der Bauer Media Group in Hamburg - Europas größter Zeitschriftenkonzern
Foto: Mathias Thurm

Bauer Media Group erwirtschaftet zwei Drittel des Umsatzes im Ausland

Angefangen hat alles mit einer Druckerei für Visitenkarten, die der Lithograph Ludolph Bauer 1875 in Hamburg gegründet hat. Heute ist die Bauer Media Group Europas größter Zeitschriftenkonzern. Zum milliardenschweren Familienunternehmen gehören weltweit über 600 Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von 1,3 Milliarden Exemplaren, mehr als 100 Radio- und Fernsehstationen und 400 Digitalprodukte. In insgesamt 20 Ländern beschäftigt der verschachtelte Konzern mit Hauptsitz in Hamburg 11.500 Mitarbeiter_innen, davon sind nach eigenen Angaben 43 Prozent Frauen, der Frauenanteil in Führungspositionen liege demnach bei 56 Prozent.

Heinrich-Bauer Verlag 1903
Foto: bauermedia

In Deutschland steht das Bauer-Imperium auf Platz vier der größten Medienunternehmen. Zum Zeitschriftenportfolio, das Kernsegment des Konzerns, gehören vor allem Frauen-, Programm- und Jugendzeitschriften wie Bravo, TV Movie, Neue Post, tina oder Shape. Am Privatsender RTL II hält Bauer 31,5 Prozent der Anteile, mit 25 Prozent ist der Konzern zudem an Radio Hamburg beteiligt. Im Vertriebssegment hatte Bauers 100prozentige Tochter, der Pawel-Moewig Verlag, wegen des Festhaltens an umstrittenen, dem rechten Spektrum zuzuordnenden Publikationen wie „Landser“ wiederholt für Aufruhr im Imperium gesorgt. Ausreißer in der Angebotspalette ist die einzige Tageszeitung, die Magdeburger Volksstimme, die laut IVW im dritten Quartal 2017 in einer Auflage von 170.720 Exemplaren gedruckt wurde.

Unter der Ägide von Yvonne Bauer, die das Unternehmen 2010 von ihrem Vater Heinz Heinrich Bauer übernahm, beschleunigte sich der Wandel des Unternehmens zu einem internationalen Medienkonzern. Die Bauer Media Group „erwirtschaftet heute zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland“, teilte die ehemalige Lektorin anlässlich des Ausscheidens von Konzerngeschäftsleiter Andreas Schoo im September mit. 2009 hatte Bauer erstmals mehr Umsatz im Ausland als in Deutschland erwirtschaftet. Der größte Einzelmarkt ist immer noch Deutschland, weitere Kernmärkte sind Australien, die USA, Polen und Großbritannien. Nach der Gründung von Bauer Media UK im Jahr 2008 war es dem Konzern gelungen, sich auf der Insel die Marktführerschaft im Zeitschriftenbereich zu sichern. Unter der Leitung des Londoner Geschäftsführers Paul Keenan erreicht das Unternehmen mittlerweile 25 Millionen Leser_innen und hat einen Markanteil von 32,6 Prozent. Seit dem Erwerb der britischen Radiogruppe Orion Mitte 2016 ist Bauer zudem auch größter Radioanbieter Großbritanniens. In Australien wurde das Hamburger Unternehmen 2012 mit dem Kauf der Australian Consolidated Press (ACP) größter Zeitschriftenverlag in Down Under. Dort hat Bauer übrigens erst kürzlich für Schlagzeilen gesorgt, als der Oberste Gerichtshof des australischen Bundesstaats Victoria geurteilt hat, der Konzern müsse der Schauspielerin Rebel Wilson eine Entschädigung von 4,5 Millionen Dollar wegen Verleumdung zahlen.

Neben der globalen Expansionsstrategie im Printsegment trieb die 40jährige Verlagschefin Yvonne Bauer vor allem den Ausbau des Digitalgeschäfts voran. Bauers Digital-Portfolio besteht mittlerweile aus mehr als 400 E-Papers, Online-Magazinen, Apps und Online-Portalen, entweder als Ergänzung zu bereits bestehenden Print-Produkten oder als eigenständige Marken. So betreibt das Unternehmen im Kernmarkt Großbritannien etwa die Online-Only-Plattform „The Debrief“ für junge Frauen und ist in Polen mit „Sunrise System Poland“ laut Unternehmenswebsite „einer der führenden Anbieter für Suchdienste im osteuropäischen Raum“. Zur Digitalsparte gehören aber auch Gesundheits- und Shoppingportale, Online-Rubrikenmärkte, sogenannte „Classifieds“, wie in Deutschland das Portal gebrauchtwagen.de, oder das Flugpreis-Vergleichsportal billigflieger.de, mittlerweile eine hundertprozentige Tochter.

Aktuelle Geschäftszahlen liegen bisher nur für das Jahr 2015 vor. Der Konzern ist bekanntlich nicht besonders mitteilungsfreudig, was seine Finanzen, vor allem die Gewinne, betrifft. Folglich mussten sich Interessierte auch mit den Umsatzzahlen zufriedengeben, die sich für das Jahr 2015 auf 2,316 Mrd. Euro und demnach eine Steigerung von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr belaufen. Diese ist allerdings nur einem Umsatzplus von 38,5 Prozent im Radiogeschäft durch Zukäufe in Skandinavien und Großbritannien sowie einer Steigerung von 16,5 Prozent in der Digitalsparte zu verdanken. Im Printbereich war ein Minus von 2,5 Prozent zu vermelden, im Anzeigenbereich waren die Erlöse gar um 9,2 Prozent eingebrochen. Mit einem Anteil von 1,689 Milliarden Euro am Konzernumsatz bleibt Print aber „die Basis unseres Erfolgs“, ließ Yvonne Bauer wissen. Weiter ausbauen wolle man hauptsächlich das Radio- und Digitalgeschäft, verkündete die Verlagschefin. Dem Branchendienst „new business“ zufolge prüfe Bauer etwa eine Übernahme der französischen Senderkette NRJ. Würde dieser Coup gelingen, wären die Hamburger auf einen Schlag mit Abstand auch noch größter Radioveranstalter Europas.

Dass Umsatz und Rentabilität im Zeitschriftensegment allerdings trotz der immer weiter sinkenden Auflagen nur dank einer strengen Rationalisierungspolitik relativ stabil gehalten werden können, ist in der Branche kein Geheimnis. Der Konzern um Milliardärin Yvonne Bauer ist bekannt für seinen Sparkurs. Aus Insiderkreisen erfährt man, die Vergütungsordnungen würden teilweise 25 bis 30 Prozent unter Tarif liegen, 20 Prozent unter Tarif seien nicht ungewöhnlich. Die Reduktion auf Stammredaktionen gehe Hand in Hand mit der Gründung von immer mehr sogenannten Pool-Redaktionen zu bestimmten Themenkategorien wie etwa Food, Mode, Beauty, Service oder Gesundheit. Dort entstehen die Seiten, mit denen die einzelnen Zeitschriften des Bauer-Imperiums dann bestückt werden. Das führe dazu, heißt es, dass in den Zeitschriften die Fachredakteur_innen wegfallen, den Bildredakteur_innen sei hingegen in der letzten Zeit fast überall gekündigt worden oder man habe ihre Verträge auslaufen lassen. Denn: Der Konzern habe jetzt sein eigenes Archiv-System, den Content Hub. Aus dem sollten die bereits fertigen Seiten genommen werden, zumindest aber die schon produzierten Fotos und Texte, die dann in ein neues Layout gesetzt werden. Unbegrenztes Recycling von Archivmaterial. Doch kostensparend sei das nicht immer, schließlich müssten die enthaltenen Fakten aufwändig auf ihre Aktualität geprüft werden.

Bekannt ist der Bauer-Konzern aber auch für seine ablehnende Haltung gegenüber Betriebsräten. Kersten Artus war Vorsitzende des ersten Konzernbetriebsrats (KBR) der Bauer Media Group, der im Januar 2010 als Reaktion auf die Umstrukturierungen gegründet worden war. Was den Umgang mit Betriebsräten betreffe, habe sich unter Yvonne Bauer nicht viel verändert, sagt sie: „Frau Bauer ist ganz ihr Vater. Sie spricht auch nicht mit den Betriebsräten.“ Aus dem derzeitigen Betriebsrat sind dagegen etwas optimistischere Töne zu vernehmen. Demnach sei der Umgang zwischen Verlagsleitung und Betriebsrat etwas besser geworden, es scheine sich etwas zu bewegen.

 

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