Funke-Zeitungen nach Hackerangriff wieder mit mehr Seiten

Firmensitz der Funkegruppe in Essen. Foto: Udo Milbret

Die Funke Mediengruppe rechnet nach der am 22. Dezember begonnenen Cyberattacke noch mit einigen Wochen bis zur Wiederherstellung des „Normalzustands“ bei der Zeitungsproduktion. Man betrachte den Angriff als „weiterhin aktiv“, auch wenn zahlreiche Produktionssysteme „in langen, kraftraubenden Tag- und Nachtschichten wiederhergestellt werden konnten“, erklärte eine Sprecherin am 4. Januar in Essen. Bei dem Hackerangriff hatten die Täter bundesweit Daten auf den IT-Systemen des Unternehmens verschlüsselt.

Presseberichte über etwaige Lösegeldforderungen der Täter könne und dürfe man „aus ermittlungstaktischen Gründen und nach Rücksprache mit den Behörden“ nicht kommentieren, betonte die Firmensprecherin. In dem Fall ermitteln aufgrund einer Anzeige der Funke Mediengruppe die Staatsanwaltschaft Köln und die Polizei Essen. Ein Sprecher der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC NRW) der Kölner Staatsanwaltschaft wollte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) noch keine weiteren Auskünfte zu den Ermittlungen geben.

Die Funke-Zeitungen konnten wegen der Attacke vor Weihnachten nur als „Notausgaben“ mit wenigen Seiten erscheinen, seither wird der Umfang der Blätter nach und nach wieder ausgebaut. Die Tageszeitungen erscheinen den Angaben zufolge inzwischen wieder mit bis zu 28 Seiten täglich, das seien nur vier Seiten weniger als regulär, hieß es. Die Lokalteile in Nordrhein-Westfalen, Braunschweig und Thüringen seien, anders als in Hamburg und Berlin, noch „leicht eingeschränkt“ – hier würden auf Regionalseiten die wichtigsten Artikel aus den einzelnen Städten zusammengefasst. Die NRW-Titel werden demnach noch diese Woche eine kleine Zahl von Lokalteilen aufbauen und diese nach und nach ausweiten.

Der externe Angriff sei „absolut massiv“ gewesen und habe zu großem Schaden innerhalb der IT-Systeme geführt, sagte die Sprecherin. Funke müsse nun „eine komplett neue, saubere IT-Umgebung“ für alle Bereiche aufbauen. Rund 1.200 der insgesamt 6.600 teilweise verschlüsselten Computer seien in „IT-Waschstraßen“ bereits digital gereinigt worden „und wieder vollumfänglich und sicher im Einsatz“. Auch die Neueinrichtung der Systeme für Redaktion, Druck und Verlag mache täglich Fortschritte.

Nach Funke-Angaben waren bundesweit alle großen Standorte der Mediengruppe in Bayern, Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen von dem Hackerangriff betroffen. Der Ausfall betraf demnach mehrere zentrale IT-Systeme, über die die verschiedenen Standorte, Redaktionen und Druckereien miteinander verbunden seien.

Zu den Zeitungen der Funke Mediengruppe gehören „Berliner Morgenpost“, „Hamburger Abendblatt“, „Bergedorfer Zeitung“, „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Neue Ruhr Zeitung/Neue Rhein Zeitung“, „Westfälische Rundschau“, „Westfalenpost“, „Braunschweiger Zeitung“, „Harz Kurier“, „Thüringer Allgemeine“, „Ostthüringer Zeitung“ und „Thüringische Landeszeitung“.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Misstrauen abbauen und selbst machen

Seit November vergangenen Jahres läuft ein neuer Journalismus-Pilot in Zwenkau bei Leipzig. In zehn weiteren sächsischen Landkreisen will das Projekt „Bürger machen Journalismus“ Menschen aus ländlichen Regionen dafür gewinnen, sich journalistisch mit Themen aus ihrem Umfeld zu beschäftigen. Das Projekt der Universität Leipzig will Medienmisstrauen begegnen, indem es Bürger*innen ermöglicht, selbst in die Rolle eines Journalisten zu schlüpfen.
mehr »

Krawallschleudern in die Schranken weisen 

In der Kontroverse um Äußerungen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther fordert ver.di, presseethische Standards zu verteidigen und Digitalplattformen in die Medienregulierung einzubeziehen.  
mehr »

Regierungswechsel ohne Pressefreiheit

Berichten in einem „feindseligen Umfeld“ ist Alltag für die Kolleg*innen in Venezuela, so „Reporter ohne Grenzen“. Das bestätigt auch die Journalistin Ronna Rísquez, die seit mehr als zwanzig Jahren für verschiedene Medien aus Caracas berichtet. Nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen vom 28. Juli 2024 habe sich die Situation weiter verschärft, so Rísquez. Sie hat auch deshalb Venezuela vor rund zehn Monaten verlassen – beobachtet genau und will zurück.
mehr »

Shorts sind keine Hosen

Ein Video-Clip zeigt, wie die Entsorgungsbetriebe einer großen Ruhrgebietsstadt Sperrmüll aufladen und entsorgen. Ein anderer befasst sich mit einem Fußballspiel des Regionalligisten Rot-Weiss-Essen. Und dann noch ein Clip, indem eine junge Redakteurin ihren Arbeitsalltag bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Funke Mediengruppe) in Bochum beschreibt.
mehr »