High Noon bei der Hamburger Morgenpost

Eine von mehreren Protestaktionen vorm Verlagsgebäude der Morgenpost am 21. Januar 2020. Links im Vordergrund Martin Dieckmann von ver.di und Betriebsratsvorsitzende Nina Gessner.
Foto: Lars Hansen

Es war genau 12 Uhr mittags, als die Mitarbeiter*innen der „Hamburger Morgenpost“ (Mopo) geschlossen vor die Redaktionstür traten: „Die Mopo muss bleiben!“, „Keine feindliche Übernahme!“, „Wir sind die Mopo!“, stand auf den Schildern, die sie hochhielten. Seit DuMont seine Regionalzeitungen zur Disposition gestellt hat, bangen die Mopo-Beschäftigten um die Zukunft der Zeitung und um ihre Arbeitsplätze. Nun spitzt sich die Lage zu.

Einen Tag zuvor hatte Philipp Magnus Froben, in der Geschäftsführung des Verlagshauses DuMont für die Mopo zuständig, sich auf einer Betriebsversammlung einmal mehr nicht konkret zu den Plänen äußern wollen, die Mopo zu verkaufen. Allerdings war da schon durchgesickert, dass DuMont derzeit nur noch mit der Funke-Mediengruppe verhandelt – und ausschließlich über das Online-Portal Mopo.de. Ein solcher Deal würde nicht nur das Aus der gedruckten Morgenpost bedeuten: Allen bisherigen Informationen zufolge soll Funke bereits ein eigenes Team haben, um das Online-Portal mit Inhalten zu füllen. Die Mopo-Redaktion stünde komplett auf der Straße.

Auf der Versammlung damit konfrontiert, wollte Froben diese Pläne nicht bestätigen. Ein eindeutiges Dementi verweigerte er allerdings auch. Es sei noch kein letztes Wort gesprochen, es werde noch verhandelt. „Derzeit wird nur dieses Modell verhandelt, und zwar mit Funke“, sagt der Leiter des ver.di-Fachbereichs Medien in Hamburg, Martin Dieckmann dazu. „Dass kein klares Dementi zu hören ist, bestätigt die Befürchtungen.“
Mopo-Betriebsratsvorsitzende Nina Gessner macht geltend: „Wir haben im letzten Jahr unter Mühen und Schmerzen die digitale Transformation der Marke Morgenpost vollzogen. Wenn die Entscheidung jetzt so getroffen wird, ist das ein Schlag ins Gesicht für die gesamte Belegschaft und wir werden das nicht hinnehmen!“
Bei der Boulevardzeitung „Hamburger Morgenpost“ und ihrem Online-Portal Mopo.de sind derzeit noch 54 Angestellte beschäftigt, davon 35 Redakteur*innen. Zählt man ausgegründete kaufmännische Abteilungen hinzu, arbeiten hier zwischen 65 und 80 Personen.

nach oben

weiterlesen

Von unzumutbaren Arbeitsbedingungen

In der badischen Kleinstadt Lahr am Fuße des Schwarzwaldes wird publizistische Vielfalt mit drei Tageszeitungen noch immer gelebt. Hier erscheinen neben der „Badischen Zeitung“ (BZ), die dem Badischen Zeitungsverlag angehört, die „Lahrer Zeitung“ (LZ) und der „Lahrer Anzeiger“ (LAZ). Produziert werden die beiden tariffreien Traditionsblätter, LZ und LAZ, jedoch unter zum Teil fragwürdigen und unsozialen Arbeitsbedingungen – ein Erfahrungsbericht.
mehr »

Berlinale-Tipp: The Viewing Booth

Das Forum der Berlinale zeigt ab Samstag Ra'anan Alexandrowicz‘ neuen Dokumentarfilm, in dem eine Studentin über online veröffentlichte Videos nachdenkt. Die zeigen die Konflikte von israelischen Soldaten und Siedlern mit palästinensischen Bewohnern der Westbank. Der Filmemacher untersucht in „The Viewing Booth“ jedoch nicht den Wahrheitsgehalt dieser Videobilder, sondern die widersprüchliche Interpretation des Gezeigten durch den Betrachter.
mehr »

epa: Fotos 24/7 von Bangkok bis Washington

Als Zwischenhändler spielen Bildagenturen eine zentrale Rolle für den Fotojournalismus. Hart umkämpft ist vor allem der Markt für tagesaktuelle Nachrichtenfotografie. Ein wichtiger Player dort ist die 1987 gegründete Bildnachrichtenagentur European Press Photo Agency epa, ein Zusammenschluss von neun nationalen europäischen Nachrichtenagenturen. Im Interview spricht epa-Chefredakteurin Monika Plhal über das Selbstverständnis der Agentur und ihre Position auf dem Markt.
mehr »

TV-Komiker im Dienst für die bessere Welt

Der Humor wird ernster: Das ist wohl eine der wichtigen Nachrichten, wenn es um aktuelle Tendenzen des Witzgewerbes geht, und eines der wichtigsten Ergebnisse der Programm-Fachtagung „Was gibt's zu lachen?“. Grimme-Akademie und Next Step Next Crossmedia hatten dazu in Kooperation mit Prime Productions und Unique Media Entertainment TV-Experten, Fernsehmanager, Produzenten und Comedians für den 13. Februar ins Studio der „Heute-Show“ eingeladen.
mehr »