Kein Spiel: Massiver Stellenabbau bei „Goodgame Studios“

Die „Gamescom“, die weltgrößte Spielemesse, hatte in Köln gerade begonnen, als beim Spielehersteller „Goodgame Studios“ am 18. August eine Hiobsbotschaft die Beschäftigten elektrisierte: Mehrere hundert von ihnen sollen entlassen werden, erfuhren sie auf einem „Company-Meeting“ in Hamburg-Bahrenfeld. Die Kündigungen sollen wohl bereits im September wirksam werden. Wer gehen soll, erfahren die Betroffenen offenbar im Umkehrschluss: Wenn sie keine Mailnachricht erhalten, dass sie als wertvoll für das Unternehmen gesehen werden und bleiben dürfen.

Von Restrukturierung mit höchster Priorität und sozialer Ausrichtung spricht das Hamburger Unternehmen in einer Pressemitteilung. Die von den Brüdern Wawrzinek gegründete und geführte Spieleschmiede wolle sich verstärkt auf ihr profitables Kerngeschäft – Strategiespiele für die Plattformen Mobile und Browser – konzentrieren. Der Umfang der Kündigungen solle „im unteren dreistelligen Bereich“ liegen. Es wurde eine Art Sozialplan angekündigt, der ein freiwilliges Abfindungsprogramm, betriebsbedingte Kündigungen mit Abfindungsregelungen und eine Transfergesellschaft vorsehe. Da die Beschäftigtenzahl zuletzt mit 1100 angegeben wurde und verschiedene Quellen 300 bis 400, andere bis zu 600 Entlassungen befürchten, ist ein regelrechter Kahlschlag nicht ausgeschlossen. Was die „Sozialplan“-Versprechungen wert sind, muss sich zudem erst zeigen. Sie wurden mit einem „Goodgame Employee Committee“ ausgehandelt, einem Gremium ohne Basis des Betriebsverfassungsgesetzes.

Die wirtschaftliche Lage des Spieleherstellers, der mit „Empire“ Rekordumsätze einfuhr, dann aber nicht an diesen Erfolg anknüpfen konnte, hatte sich seit geraumer Zeit verschlechtert. Gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter_innen und ver.di Hamburg bemühten sich im vergangenen Jahr, Wahlen für einen Betriebsrat in den „Goodgame Studios“ zu organisieren. Dagegen gingen die Brüder Wawrzinek massiv vor. Im November 2015 gab es deshalb 28 Entlassungen. Nach außen Sonnyboys, nach innen Tyrannen, hieß es in der Presse seinerzeit über das Duo.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Leben ohne Thüringer Lokalzeitung 

Ostthüringen ist im Jahr 2023 von der Funke-Mediengruppe zur „Modellregion für die Digitalisierung des ländlichen Raums“ erklärt worden. Der Verlag stellte die Zustellung der Printausgabe der Ostthüringer Zeitung in elf Gemeinden rund um Greiz ein. Thomas Schnedler und Malte Werner vom Netzwerk Recherche haben die Folgen untersucht. Die Ergebnisse finden sich im Abschlussbericht „Lückenfüller –Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?“.
mehr »

Katapult MV: Die Stimme für den Norden

Die kleine Redaktion von Katapult MV stellt im Flächenland mit 1,57 Millionen Einwohner*innen mit einer monatlichen Zeitung und aktuellen Online-Beiträgen ein Gegengewicht in der Berichterstattung dar. Wir sprachen mit Chefredakteur Patrick Hinz über Lokaljournalismus, die anstehenden Landtagswahlen und den journalistischen Umgang mit der AfD.
mehr »

Berichten wo es ungemütlich ist

In autoritär regierten Staaten geraten auch ausländische Medienschaffende zunehmend unter Druck: Einreiseverbote, die Verweigerung von Visa und andere Repressionen erschweren die Arbeit von Korrespondent*innen. In vielen Fällen bleibt ihnen nur noch die Berichterstattung aus dem Ausland ohne direkten Zugang zum Land selbst.
mehr »

Lobbylandkarte: Big Tech mischt mit

Es sind Karten wie die des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie mit dem Titel „Big Tech Lobbylandkarte Deutschland“, die das Bewusstsein dafür ändern können, wie stark Big-Tech-Konzerne in Deutschland tatsächlich längst verankert ist und bis wohin ihr langer Arm reicht.
mehr »