Kunst ohne Kohle

Kinowelt AG II: Kino-Schließungen in Köln

Unrentabilität, Mieterhöhungen um mindestens das Doppelte und Abriss der Häuser: So begründete die Kinowelt AG/Arthaus die zum November beabsichtigte Schließung ihrer beiden Kölner Kinos Broadway und Odeon. Das Entsetzen in der Kulturszene war groß.

Schließlich gilt das Programmkino Broadway (3 Säle mit insgesamt rund 350 Sitzen) in der Ehrenstraße als „geistiger und kultureller Knotenpunkt“ der Innenstadt, das Odeon (375 Plätze) in der Südstadt beherbergte lange Zeit das Theater der legendären Trude Herr.

Inzwischen kristallisiert sich aber nicht der Hausbesitzer als Bösewicht heraus, sondern die Kinowelt AG. So stellte Gert Dörffer, Rechtsanwalt des kinobegeisterten Broadway-Hausbesitzers, zunächst einmal klar, dass seit Juni keine Miete mehr gezahlt worden sei und sagte: „Noch steht nicht fest, ob hier eine Ladenpassage gebaut wird. Auch ist die Verdopplung der Miete keine Bedingung.“ Auch sei schon vor zwei Jahren ein Gespräch zum Umbau des Kinos mit Verlagerung in den Keller oder den 1. Stock angeboten worden. Es sei um ein Investitionsvolumen von rund 3,5 Millionen gegangen, um das Kino wettbewerbsfähig zu halten. Das Gespräch habe aber kein Ergebnis gebracht. Die Kinowelt habe lediglich einen neuen Anstrich angeboten. Für Verwirrung sorgt auch die Tatsache, dass die Schließung des Kinos schon zum November angekündigt wurde, der Pachtvertrag aber noch bis März des nächsten Jahres läuft.

Einen schweren Stand in der Öffentlichkeit hat Kinowelt-Aufsichtsrat Peter Bach, der die Politik seiner Geschäftsführer nicht kommentieren will, wohl auch von vielen Details nichts wusste oder wissen will. Angesichts der verworrenen Lage wird er es nicht leicht haben, eine Gruppe von „Kulturinvestoren“ zu finden, die ohne Aussicht auf große Rendite das Broadway – eines der wenigen Programmkinos, das „keine Verluste“ bringt, so Bach – retten soll. Diese Idee hat Bach als Vorsitzender des Kölner Kunstsalons entwickelt. „Es gibt Leute, die das Geld dafür haben, wir müssen sie nur finden“, gibt er sich optimistisch. Ob dieses Modell unter Zeitdruck verwirklich werden kann, ist fraglich.

Was bleibt, nachdem der Unternehmer seinen Betrieb offensichtlich gegen die Wand gefahren hat, ist der Ruf nach Hilfe von der Stadt oder der Filmstiftung. Finanzielle Unterstützung der Stadt lehnte die Kulturdezernentin ab – auch im Hinblick auf dann mögliche Forderungen anderer Kinobetreiber. Sie versprach aber, zwischen Hausbesitzer und Kinowelt zu vermitteln. Auch die Filmstiftung sieht derzeit keine Möglichkeiten, Mittel zur Verfügung zu stellen. Immerhin habe sie die Verdienste des Broadway für die Filmkultur einmal mit 100000 Mark gewürdigt. Davon wurde eine neue Bestuhlung gekauft. „Die einzige Erneuerung“, stellte Heinz Holzapfel fest, der das Broadway 1982 gründete, es zum Treffpunkt der Film-Kenner machte und es dann an die Kinowelt verkaufte.

42 Beschäftigte (die meisten auf 630-Mark-Basis) sind von der geplanten Schließung von Broadway und Odeon, das ebenfalls der Kinowelt gehört, betroffen. Kündigungen liegen allerdings noch nicht vor. Eine Unterschriften-Aktion zum Erhalt des Broadway unterschrieben bisher rund 8000 Film-Fans, berichtete Broadway-Chefin Angela Wilde.

 

 

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