Mit hauseigenen Interessenvertretungen gegen Gewerkschaften

Beschäftigte und Gewerkschaften klagen über gewerkschaftsfeindliche Methoden verschiedener Großkinobetreiber in Berlin und Brandenburg

„Wenn ich die großen glitzernden CinemaxX-Kinos sehe, bekomme ich den Horror“; meint Marianne. Die Endzwanzigerin muss nämlich dann, anders als der Großteil der Kinobesucher, an die Menschen denken, die dort arbeiten müssen. Nicht ohne Grund. Marianne hat an der Bar und ihr Freund Andreas als Einlasser in einem Berliner Multiplex-Kino gearbeitet. Für viele jüngere Menschen ein Traumjob, für die beiden schnell ein Alptraum. Vor allem die ständige Kameraüberwachung hatte den Beiden ihren Arbeitsplatz gründlich verleidet. „Wir waren keinen Augenblick unbeobachtet“; berichteten sie.

Eigentlich ein Fall für die Gewerkschaften, könnte man denken. Doch darüber können Marianne und Andreas nur lachen. „Wir haben uns über die gewerkschaftlichen Rechte informiert und wollten auch einen Betriebsrat gründen“ erzählt Marianne. Anfangs wollte noch eine ganze Reihe von Kollegen mitmachen. Doch in kurzer Zeit sind alle abgesprungen. „Sie hatten Angst um ihren Job und haben sich einschüchtern lassen.“ Schließlich war allen Mitarbeitern bekannt, dass ein Mann in der Geschäftsleitung schon bei seiner früheren Tätigkeit bei einem Großkino in Halle gewerkschaftliche Organisierungsversuche erfolgreich verhinderte.

Der für die Kinobeschäftigten zuständigen DGB-Gewerkschaft IG Medien sind die Probleme bei der gewerkschaftlichen Organisierung im Kinobereich seit langem bekannt. „Wir wissen, dass Gewerkschaften für manche Kinobetreiber ein rotes Tuch sind. Deshalb gehen wir bei neuen Organisierungsversuchen sehr behutsam vor und treffen uns grundsätzlich nur außerhalb der Arbeitsstellen“; so der Berliner IG-Medien-Sekretär Matthias von Fintel. Das sich unter den Kinobeschäftigten viele Teilzeitkräfte befinden, schmälert das Interesse an gewerkschaftlicher Organisierung allerdings nicht.

Ein großes Problem für die gewerkschaftliche Betätigung sind allerdings die halbjährigen Probezeiten im Kinobereich, so von Fintel. „In dieser Zeit kann der Beschäftige jeder Zeit ohne Angaben von Gründen entlassen werden.“ Die IG Medien will sich bei den kommenden Tarifverhandlungen für eine Verkürzung der Probezeit auf drei Monate einsetzen.

Doch das Repertoire zur Verhinderung gewerkschaftlicher Interessenvertretungen ist damit noch längst nicht erschöpft. Von Fintel weiß von einer recht erfolgreichen Methode der US-amerikanischen Kinokette UCI (Internationale Kinounion) zu berichten, mit eigenen Interessenvertretungen gewerkschaftlichen Organisierungsversuchen den Wind aus den Segeln zu nehmen. In Potsdam und Cottbus streute die UCI Geschäftsleitung Gerüchte, dass die Wahl einer gewerkschaftlichen Interessenvertretung sich negativ auf das Betriebsklima auswirken würde und drohte mit der Streichung von außertariflichen Vergünstigungen. Die hauseigenen Interessenvertretungen nach dem Vorbild der USA haben keinerlei Mitspracherechte und sollen den Anschein von Harmonie zwischen Beschäftigten und Geschäftsleitung vorgaukeln. Bei einem Teil der Belegschaft finden sie dafür offene Ohren. Die Situation der gewerkschaftlich Interessierten ist dort oft nicht leicht. Trotzdem halten sie an dem Plan einer Betriebsratsgründung nach wie vor fest.

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