Radio Fritz wird „fritzundzwanzig“

Echo 2004: "Fritz-Echo-Radio" sendete live aus dem ICC. Die Moderatoren der siebenstündigen Sondersendung, Marion Pinkpank und Max Spallek, sind am roten Teppich, interviewen Nominierte, Preisträger sowie Gäste und geben einen Einblick in die legendäre After-Show-Party
Foto: rbb/Haring

„Fritz“ wird 25 – „und das hört man“. Das Jugendradio des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) feiert in Kürze das erste Vierteljahrhundert seiner Existenz – standesgemäß im Programm und mit einer Reihe von Clubshows in Berlin und Brandenburg. Doch im Zeitalter von Streaming-Diensten wird die Luft für das erste öffentlich-rechtliche Jugendprogramm allmählich dünner.

Mit „Connected“, einem Stück der Stereo MCs, begann am 1. März 1993 um sechs Uhr morgens die Reise der „Radiofritzen“. Der Mauerfall lag gerade mal drei Jahre zurück. Man sendete aus den alten Studios von Radio DDR in der Nalepastraße in Berlin-Oberschöneweide. „Radio Fritz“ war ein echter Ost-West-Fusionssender, hervorgegangen aus „RockRadio B“ des neuformierten Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB) und dem alten Sender Freies Berlin (SFB).  Erst seit der Gründung des RBB firmiert Fritz als Jugendprogramm des Senders – in Abgrenzung zum vier Jahre später gestarteten Radioeins, dem Programm für die reifere Jugend mit dem schalkhaften Slogan „nur für Erwachsene“. Gesendet wird längst aus den Fritz-Studios im Radiohaus Potsdam-Babelsberg. Vor zwei Jahren expandierte man zusätzlich mit dem „Fräulein-Fritz“-Studio ins hippere Kreuzberg.

Fritz war eines der ersten Kapitel in der Jugendoffensive des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ein Radio für die Kernzielgruppe der 18-25jährigen, mit jeweils fünf Jahren Luft nach oben und unten. Das Programm verschmäht zwar nicht grundsätzlich Hits aus den Charts, liefert aber über die Rotation hinaus täglich an die 200 verschiedene Titel. Titel aus so vielfältigen Genres wie Independent, Hiphop, Electro oder auch Heavy Metal. Zugleich agiert der Sender als Trendsetter und Scout: Bands wie Seeed, Kraftklub, die Beatsteaks oder Rammstein kamen erstmals durch Fritz einem breiteren Publikum zu Ohren. So mancher spätere Promi dankte es dem Sender, indem er sich als Moderator in die Programmarbeit einbrachte – so geschehen etwa mit der einstigen Techno-Queen Marusha oder Bands wie Fettes Brot und die Toten Hosen.

Fritz versteht sich als Aktionsradio. In der Anfangsphase – auf dem Höhepunkt des Loveparade-Booms – profilierte sich der Sender mit dem FritzLoveRadio als akustisches Sprachrohr der Bewegung. Seit 1999 sprengt Fritz seine regionalen Fesseln mit einem Livestream, der weltweiten Empfang ermöglicht. Der 2005 eröffnete FritzClub am Berliner Ostbahnhof gilt längst als einer der Hotspots für Konzerte und Parties. Zusammen mit anderen ARD-Jugendsendern organisiert Fritz seit 2008 federführend den „New Music Award“ zur Förderung junger Talente. In die gleiche Kerbe schlägt seit 2011 das Festival „die Neuen DeutschPoeten“, bei dem ausschließlich deutschsprachige Nachwuchsmusiker_innen und Bands vor regelmäßig 10.000 Besucher_innen auftreten.

Auch wenn die Musik im Programmmittelpunkt steht, geht der Wortanteil von Fritz über die reine Chronistenpflicht hinaus. Neben Nachrichten und den üblichen Serviceblocks gibt es Reportagen, Kulturberichte, Talks und Lesungen. Für manche Moderatoren bildete Fritz ein Sprungbrett zu steilen Karrieren in anderen Medien: Steffen Hallschka verdient heute als „Stern-TV“-Moderator sein Brot, Christian Ulmen ist seit kurzem Weimarer „Tatort“-Ermittler, Oliver Welke Moderator der „Heute Show“. Andere fielen in Ungnade. Ende 2011 verlor Ken Jebsen, Fritz-Moderator der ersten Stunde wegen politisch missverständlicher Äußerungen seine populäre Sendung „KenFM“.

Nach der jüngsten Media Analyse (MA II/2017) erreicht Fritz in seiner Heimatregion Berlin-Brandenburg 61.000 Hörer_innen in der Durchschnittsstunde. Damit liegt der Sender etwa gleichauf mit dem stärksten privaten Konkurrenten Kiss FM (58.000 Hörer_innen) in der Zielgruppe der 14-29jährigen. Vor fünf Jahren lag der Fankreis allerdings noch bei 91.000 Hörer_innen. Wobei diese seinerzeit im Schnitt sogar 32 Jahre alt waren. Frühere Stammhörer_innen kritisieren eine leichte Verschiebung zum akustischen Mainstream. Auch Fritz bekommt die Folgen neuer Rezeptionsgewohnheiten des jugendlichen Publikums zu spüren. Spotify und andere Streaming-Dienste machen den etablierten Jugendsendern das Leben nicht leichter- allen noch so originellen Hörer-Sender-Bindungsstrategien zum Trotz.

Bis zum 26.2. wartet Fritz allwöchentlich mit einem speziellen Radioevent auf. Los geht es am 26. Januar mit einem Live-Konzerte-Tag. Den eigentlichen Geburtstag feiern die Radiofritzen am 2. März mit einer Party in der Columbiahalle Berlin. Alle Infos unter fritz.de/fritzundzwanzig


Fritz war 1993 – nach dem 1987 gegründeten „Bremen Vier“ von Radio Bremen – eine der Blaupausen und Vorreiter für weitere Jugendradiosender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: N-Joy vom Norddeutschen Rundfunk, You FM vom Hessischen Rundfunk, DASDING vom Südwestrundfunk, 1Live vom Westdeutschen Rundfunk.

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