Sonntagsoffensive

Lesemarkt in Hamburg und Schleswig-Holstein heiß umkämpft

Auf dem Zeitungsmarkt in Hamburg und Schleswig-Holstein wird die Sieben-Tage-Lektüre als neue Verlagsoffensive propagiert. Das Boulevardblatt Morgenpost (Mopo) aus Hamburg der BV Deutsche Zeitungsholding des britischen Finanzinvestors David Montgomery wollte Springers Bild-Zeitung den Lesemarkt in der Hansestadt streitig machen und erscheint seit dem 5. November jetzt auch am Sonntag als Kaufprodukt. Für 70 Cent bekommt man 60 Seiten Lesestoff.

Die Startauflage lag bei 70.000 Ausgaben, gedruckt übrigens im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf, wo die Druckerei des Schleswig-Holsteinischen Zeitungs-Verlages (sh:z) steht. Als die Mopo-Ankündigung nach außen gedrungen war, reagierte das Hamburger Abendblatt (Springer-Verlag) und konterte mit einer nun regelmäßigen Sonntagsausgabe seit dem 29. Oktober. Davon gibt es jetzt rund 150.000 Exemplare mit je 48 Seiten für 50 Cent in Tabloidformat. In Hamburg macht der Begriff „Zeitungskrieg“ die Runde, das Abendblatt spricht bei ihrem Sonntagsvorstoß von einer „massiven Abwehrmaßnahme“.
Und nun hat in Schleswig-Holstein auch der sh:z-Verlag seinen Sonntagseinstieg angekündigt. Am 19. November wird der Leserschaft im nördlichsten Bundesland ein Journal mit mindestens 40 Seiten für 80 Cent angeboten. Zunächst geht man von einer 50.000er-Auflage aus, will die aber durchaus steigern. In Lübeck ist die Sonntagsausgabe der Lübecker Nachrichten (LN) ein alter Hut, doch dafür erscheint das Blatt montags nicht. Gespannt schauen alle jetzt auf den Anzeigen- und Verkaufsmarkt. Vorerst planen die sh:z-Konkurrenten LN und Kieler Nachrichten keine siebte Ausgabe in der Woche. Personell wird in Hamburg wie beim sh:z journa­listisch alles „mit Bordmitteln“ erledigt, sprich: es hat keine Neueinstellungen gegeben. Die Mopo arbeitet allerdings mit dem Berliner Kurier (ebenfalls BV Deutsche Zeitungsholding) zusammen und darf sich der dortigen redaktionellen Ressourcen bedienen.
Nach der Welt am Sonntag und der Bild am Sonntag hat der Springer-Verlag nun also sein drittes Sonntagsprodukt platziert, was wohl auch im Hinblick auf die Ankündigung passiert sein dürfte, dass die Süddeutsche Zeitung 2007 plant, in und um Hamburg eine Sonntagsausgabe zu verbreiten. Es zeichnet sich ab, dass ­versucht werden soll, das sonntägliche Tabloid in Deutschland zu etablieren. Große leere Flächen auf der Landkarte werden dazu jetzt geschlossen. Wie sich die Qualitätsfrage und Personalpolitik in den Zeitungshäusern zueinander verhalten, bleibt dabei eine spannende Frage. Im Abo ist übrigens keine der Sonntagslektüren zu haben.

Ein Gesprächsaustausch zu dem Thema findet beim dju-Stammtisch in Hamburg, am 5. Dezember 2006, um 20 Uhr in der Gaststätte „Zum kleinen Zinken“, Rothestr. 50, statt.

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