SWMH: Südwestdeutsche Medienkrake

Das Pressehaus Stuttgart
Foto: SWMH

„Anorganisches Wachstum“ nennt es Geschäftsführer Richard Rebmann, wenn die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) wieder einmal die Mehrheit an einem anderen Verlag übernimmt. Zuletzt waren dies die Esslinger Zeitung, der Nordbayrische Kurier in Bayreuth und das Stuttgarter Stadtmagazin Lift. Dies berichtete der ver.di-Konzernbeauftragte Uwe Kreft bei der Vorstellung der aktuellen Konzernstruktur durch den Medienwissenschaftler Horst Röper am 3. April in Stuttgart.

Der Konzern kaufe Auflage und Verlagsumsätze ein, um danach von Synergieeffekten zu profitieren – etwa konzernweit zentralisierte Verwaltungsbereiche -, was regelmäßig mit dem Verlust von Arbeitsplätzen verbunden sei. Zudem, so Kreft weiter, sei die SWMH in weiten Teilen tariflos, was sich unter anderem daran zeige, dass im Unterkonzern Medienholding Süd (MHS mit Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Schwarzwälder Bote) zwar 37 Unternehmen einen Betriebsrat hätten, aber nur noch acht Firmen einen Tarifvertrag.

Die enorm große Zahl an Tochterunternehmen der SWMH mit ihren Schwerpunkten in Stuttgart und München und den Verflechtungen mit den benachbarten Konzernen Medien Union (Rheinpfalz Ludwigshafen) und Neue Pressegesellschaft (Südwest Presse Ulm, Märkische Oderzeitung Frankfurt/Oder), macht den Riesen unübersichtlich. Medienwissenschaftler Röper, der im Auftrag von ver.di die aktuelle Konzernstruktur in eine umfangreiche Grafik übersetzt hatte, wies in seinem Vortrag darauf hin, dass eine wirklich vollständige Darstellung nicht möglich sei, da etwa die Privatradio-Beteiligungen der SWMH sehr tief verschachtelt seien.

Die SWMH ist der größte Regionalzeitungskonzern in Deutschland mit einer Gesamtauflage von 1,66 Millionen Exemplaren, was 11,8 Prozent aller verkauften Abonnementzeitungen entspricht. Nur die Axel Springer AG hat wegen Bild einen größeren Anteil im deutschen Zeitungsmarkt. Röper verwies auf die Geschichte des Konzerns, der zunächst als Joint Venture des Verlages von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten mit dem Schwarzwälder Boten entstand und dann die Mehrheit am Verlag der Süddeutschen Zeitung übernahm. Das Einbringen des Schwarzwälder Boten durch Verleger Rebmann sei hier Beispiel dafür, dass Zeitungskäufe nicht nur gegen Geld, sondern auch gegen Beteiligungen am Konzern erfolgen könnten. Außerdem sei die SWMH ein Beispiel für die erheblichen Verluste an Meinungsvielfalt, die in den letzten Jahren mit solchen Konzernbildungen einhergingen.

Daran knüpfte auch ver.di-Landesfachbereichsleiter Siegfried Heim an, der darauf verwies, dass die SWMH inzwischen auch mit anderen Zeitungskonzernen kooperiere, wenn es darum gehe, Lokalredaktionen zu schließen – etwa im Schwarzwald, wo der Schwarzwälder Bote und der zum Konzern der Augsburger Allgemeinen gehörende Konstanzer Südkurier in 4 Kleinstädten zwar alle dort verfügbaren 8 Zeitungstitel weiter verbreite – in jedem Ort aber 2 Zeitungen von nur einer Redaktion inhaltlich verantwortet werden. Andererseits, so Heim, müsse man bei der Bewertung von Zeitungskäufen auch differenzieren – insbesondere dann, wenn ansonsten die völlige Einstellung des Blattes im Raum stehe. Er plädierte wie auch Medienwissenschaftler Röper für eine öffentliche Förderung lokaler Medienangebote und forderte die Grün-Schwarze Landesregierung auf, endlich den im Koalitionsvertrag vorgesehenen runden Tisch zur Medienvielfalt in Baden-Württemberg einzurichten.

In der anschließenden Publikumsdebatte zog der stellvertretende Konzernbetriebsratsvorsitzende Thomas Ducks das Fazit, dass die Arbeitnehmer im SWMH-Konzern die Restrukturierungen nach den Zukäufen häufig mit dem Verlust von Arbeitsplätzen und dem Verlust von tariflicher Sicherheit bezahlen müssten.

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