Leserbrief: Mut für neue Wege

Verfehltes Comeback“ in M 3.2009

Die Möglichkeiten für kritische Menschen, sich in der Bundesrepublik Deutschland zu bestimmten Themen zu äußern und zu informieren, sind ziemlich geschrumpft.
Da gibt es „Politikum“ auf WDR 5 – Hörfunk, aber wer hört das? In meinem relativ großen Bekanntenkreis, in dem sich durchaus auch kritische Menschen befinden, kennt die Sendung kaum jemand. Welche Printmedien? Früher gab es den Freitag, aber seitdem Jakob Augstein den Laden gekauft hat, geht der wohl auch den Bach hinunter. Ein Artikel des neuen Besitzers und Herausgebers zu den System-Problemen hat mich fast zur Kündigung des Abos animiert .
Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau (deren Abo ich leider schon kündigen musste) taucht dann bei Debatten im Berliner taz-Cafè auf zur Frage, ob linke Medien in der Krise Konjunktur hätten. Haben sie nicht! Nur der Chefredakteur des Neuen Deutschlands stellte bei dem genannten Caféhausgeplauder endlich die Frage nach dem anderen Weg. Die anderen jammerten am bestehenden System herum. Ist ein Medium überhaupt noch als „links“ zu bezeichnen, wenn das bestehende System im Prinzip akzeptiert wird?
Linke Medien, die nicht in der Lage sind, wozu Mut gehört, neue Wege aufzuzeigen (eine harmlose Umschreibung dessen, was ich meine), finden wohl immer weniger Leser.
Vielleicht ist die Lähmung einer gewissen „Verquickung“ mit dem System geschuldet? Und wenn man dann mal behauptet, was man u.a. in der UZ gelesen hat, dass es durchaus die angeblich fehlenden Vorschläge und Konzepte gibt, schon lange, dann wird man verteufelt. Auch von „linken“ Medien.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Springer braucht Schutzkodex

Der WELT-Chefredakteur Jan Philipp Burgard ist von seinem Posten zurückgetreten. CORRECTIV-Recherchen zufolge könnte es dabei um den Vorwurf unangebrachten Verhaltens gegenüber einer Verlagsmitarbeiterin auf der Axel-Springer-Weihnachtsfeier gehen. Ist diese Personalie am Ende vielmehr eine Frage der Unternehmenskultur? Wie gehen Medienhäuser mit möglichen Grenzverletzungen um – und wessen Schutz steht, dabei im Mittelpunkt?
mehr »

Shorts sind keine Hosen

Ein Video-Clip zeigt, wie die Entsorgungsbetriebe einer großen Ruhrgebietsstadt Sperrmüll aufladen und entsorgen. Ein anderer befasst sich mit einem Fußballspiel des Regionalligisten Rot-Weiss-Essen. Und dann noch ein Clip, indem eine junge Redakteurin ihren Arbeitsalltag bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Funke Mediengruppe) in Bochum beschreibt.
mehr »

Das Netz hat ein SLOP-Problem

Künstliche Intelligenz verändert das Internet wie wir es kannten. KI dient als Beschleuniger von immer neuen Inhalten. Nicht immer entstehen auf diese Weise sinnvolle Inhalte. AI Slop, also digitaler Müll, flutet das Netz. Und KI geht nicht mehr weg. Denn KI-Modelle, finden sich inzwischen an allen möglichen und unmöglichen Stellen des privaten und beruflichen Lebens.
mehr »

Big Tech verändert TV und Streaming

Bei den Video-Streaming-Plattformen verteidigte YouTube im Jahr 2025 erfolgreich seine Führungsposition und erreicht 72 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Die öffentlich-rechtlichen Streaming-Netzwerke von ARD, ZDF, Arte und 3sat kommen auf über 60 Prozent, dicht gefolgt von Netflix und Amazon Prime Video. Doch auch die Sender des ÖRR nutzen YouTube als Ausspielweg ihrer Inhalte. 
mehr »