Leserbrief: Verdruss über zuviel Unfehlbarkeit

„Unbestechlicher zu Köln“ in «M» 09 – 10/05

Das jüngste MMM-Heft bietet leider Anlass, neben der Anerkennung für das Bemühen um gut aufgemachte Information auch Verdruss zu äußern. Es geht um das Porträt auf Seite 6. Und da frage ich mich: Wieso wird in der Beschreibung des Aufklärers, des Unbestechlichen, des Sachlichen ein Feuerwerk an Elogen-Vokabeln abgebrannt, wie es sonst nur bei Nachrufen unredigiert verziehen wird?

Ich selbst habe Rügemers Arbeit bereits in den 80er Jahren im Rundfunk besprochen und weiterempfohlen, aber ein Beitrag über die Unfehlbarkeit des Autors so ganz ohne relativierende oder objektivierende weitere Stimme halte ich für wenig professionell und für wenig angemessen gegenüber Kolleginnen und Kollegen, die sich vergleichbarer Themen angenommen haben. Und wenn auf der Nebenseite die Unterzeile mit „Medien als willige PR-Komplizen …“ beginnt, dann leuchtet mir erst recht nicht ein, wieso die Bildzeile zum Porträt das Wort von der Sachlichkeit selbst ad absurdum führt, indem mehr Information ausgerechnet und ausschließlich auf der persönlichen Website des Dargestellten angesiedelt wird. Glaubt die Redaktion, dass Kollege Rügemer das wirklich nötig hat?

Eine weitere Bitte betrifft die redaktionelle Sorgfalt hinsichtlich der Sprachsicherheit. Die Überschrift „Wie erkenne ich ein gutes Praktika?“ ist kaum noch als Versehen zu entschuldigen und Sätze in dem Beitrag wie „Das Traineeprogramm wird abgerundet durch ein Stipendium …“ sind von seltsamer Komik. Ansonsten freue ich mich durchaus über klare, auch polarisierende Beiträge im Blatt und hoffe insgesamt auf anhaltende und ernsthafte Dis­kussionen über das Selbstbildnis der Journalistenzunft in einer Zeit der Erpressbarkeit durch inhaltliche Beliebigkeit.

 

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