Walt-Disney-Konzern: Zehnfache Gage für „Piratensprecher“

Die Justitia auf dem Römerberg in Frankfurt am Main Foto: Hermann Haubrich

Schauspieler Marcus Off, der in den ersten drei Teilen des Piratenfilms „Fluch der Karibik“ Hauptdarsteller Johnny Depp alias Captain Jack Sparrow synchronisierte, erhält nach rund acht Jahren Rechtsprozess jetzt das Zehnfache seiner ursprünglich vereinbarten Gage. Zur Zahlung der Nachvergütung verurteilt wurde der Walt-Disney-Konzern vor dem Kammergericht in Berlin. Der US-Konzern, der allein mit „Pirates of the Caribbean 2“ sein Budget von 263,7 Millionen mit einem Rekordergebnis von über einer Milliarde US-Dollar grandios wieder einspielte, kann allerdings noch in die Revision gehen.

Vor dem Bundesgerichtshof war die Klage des Synchronschauspielers bereits schon einmal. „Die Synchronisationsleistungen eines Synchronsprechers für die Person eines Hauptdarstellers eines Kinofilms sind üblicherweise nicht derart marginal, dass der Anwendungsbereich des § 32a UrhG generell ausgeschlossen ist“, entschied der BGH am 10. Mai 2012 (Az.: I ZR 145/11 – Fluch der Karibik) in einer Grundsatzentscheidung und verwies die Sache zur weiteren Tatsachenfeststellung zurück an das Kammergericht. Das entschied nun am 1. Juni über die Höhe des Nachvergütungsanspruchs. Grundlage für die Klage war der Bestsellerparagraf des Urheberrechtsgesetzes (§ 32a UrhG).
Das gesamte Verfahren wurde vom Interessenverband Synchronschauspieler (IVS) finanziert und unterstützt. „Dieses Urteil ist richtungsweisend für die gesamte Synchronbranche. Wir sollten die Entscheidung jetzt zum Anlass nehmen, gemeinsam mit den Verwertern eine branchenweite, allgemeingültige Lösung zu finden“, erklärte IVS-Vorstand Till Völger.
Er verweist darauf, dass im Fall Marcus Off nur wegen des Übererfolgs im Bereich Kino und Home-Entertainment nachvergütet wurde. Die Fernsehverwertung des Blockbusters ist dabei noch nicht berücksichtigt worden. Das Gericht stellt in der Urteilsbegründung vielmehr fest, dass die Pauschalvergütungen bereits für die streitgegenständlichen Verwertungen „verbraucht“ wurden.
Das Verfahren betraf erstmalig den Nachvergütungsanspruch eines Schauspielers aus der Synchronbranche. Jedoch wurde erst kürzlich auch dem Chefkamaramann des Erfolgsfilms „Das Boot“ eine Nachvergütung in Höhe von 475.000 Euro vom Landgericht München zugesprochen (M Online vom 3. Juni 2016). Der IVS unterstützt aktuell noch drei weitere Nachvergütungsverfahren und hat sich gerade den Vergütungsverhandlungen mit den ARD-Anstalten, ARD-Degeto und der Produzentenallianz angeschlossen , die vom Bundesverband Schauspiel (BFFS) und ver.di angestoßen wurden.

 


Multimedia-Ausstellung „Faces Behind The Voices“: Blick in Gesichter mit bekannten Stimmen

Das geheime Leben der Synchronsprecher_innen verändert sich durch die Ausstellung „Faces Behind The Voices“ des Fotografen Marco Justus Schöler. Die Multimedia-Schau wird in Hauptbahnhöfen gezeigt und macht nach Frankfurt Station in Kiel (18.-28.7.) und Bremen (30.7.-8.8.).

Gelassen blickt Sandra Schwittau auf dem Foto in die Kamera. Ihr Gesicht kennt kaum jemand, aber ihre Stimme: Es ist die von Leinwand-Stars wie Hillary Swank oder Eva Mendes oder – noch viel besser: von Bart Simpson. Wie sieht der Mann aus, der Leonardo DiCaprios deutsche Stimme ist und die wir aus den Serien „Lost“ und „Big Bang Theory“ kennen? Der bärtige Gerrit Schmidt-Foß hat optisch mit DiCaprio so viel gemein wie Angela Merkel mit der Queen Elisabeth. Und wenn man in dieses schmale Gesicht mit dem kurzen grauen Haar blickt, tippt man garantiert auf den falschen Beruf. Läuft der Hörbeitrag an, ist schnell klar: Das ist Nicolas Cage oder Vin Diesel oder beide und eigentlich: Martin Keßler.
Bei der Stimme von Dietmar Wunder springt das Kopfkino sofort an: „Mein Name ist Bond, James Bond“. Und die blonde Frau mit den weichen Wellen im Haar ist Katrin Fröhlich, das unverkennbare Organ von Cameron Diaz, Heather Graham, Mary-Louise Parker oder Gwyneth Paltrow… unglaublich!
Insgesamt 30 Frauen und Männer, die wir alle akustisch kennen, werden in der Schau vorgestellt. Sie machen für uns Kino und Fernsehen zum Erlebnis – ein solches – oftmals verblüffendes – beschert Fotograf Schöler den Besucher_innen seiner Bahnhofsausstellung, die noch bis 2017 in Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt wird.
GuLa

Die weiteren Stationen und ausführliche Infos gibt’s hier: www.facesbehindthevoices.de

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