Schon entdeckt? Prenzlauer Berg Nachrichten

Die Berliner Tageszeitungen hatten ihre Berichterstattung aus den Bezirken zurückgefahren und dem Medienkaufmann Philipp Schwörbel fehlte was: Nachrichten aus seinem Prenzlauer Berg, einem Ortsteil mit über 160.000 Ein-wohnern im nördlichen Berliner Stadtbezirk Pankow. Zusammen mit Gleich-gesinnten, darunter auch Journalist*innen, gründete er die „Prenzlauer Berg Nachrichten“, die Ende 2010 online gingen.

Die Artikel sollten sich an vier Fragen orientieren: Wie wollen wir hier zusammen leben (Politik)? Wie organisieren und gestalten wir hier sinnvoll unser Leben (Alltag)? Wer sind wir und was machen wir hier überhaupt und ganz konkret (Kultur)? Womit verdienen wir das alles (Wirtschaft)? Nachzulesen auf der Facebook-Seite. Erst auf Anzeigenfinanzierung bauend, verzichtete die „Prenzlette“, so der Kosename, ab Mai 2015 auf Werbegelder, die nicht so reichlich flossen, wie von Geschäftsführer Schwörbel erhofft. Seither heißt es: Mitglieder lesen für fünf Euro im Monat alles, die anderen stoßen auf die Paywall. Die Zahl der Abonnements hat inzwischen die 500 überschritten. Für zehn Euro im Monat werden Mitglieder zu „Förderern“, die auch Einladungen zu exklusiven Veranstaltungen erhalten. Für 15 Euro im Monat dürfen sie als „Herausgeber“ zusätzlich über die Themen abstimmen.

Im Sommer 2017 wurde die Seite für mobile Endgeräte umgestaltet. Im Herbst 2017 gab die „Prenzlette“ die Mitgliederverwaltung an die Dienstleistungsplattform „Steady“ (Mitgründer Schwörbel) ab. Die „Prenzlauer Berg Nachrichten“, nun eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), und „Steady“ teilen sich in der Berliner Kulturbrauerei ein Coworking Place mit den 2014 gegründeten „Krautreportern“. Vorstand der Krautreporter-Genossenschaft ist Schwörbel. Die Unternehmen seien wirtschaftlich und redaktionell strikt getrennt, betont er gegenüber M.

Die Redaktion, die das Postfach und die Social Media betreut sowie den Newsletter schreibt, besteht meist aus zwei bis drei freien Journalist*innen, die sich abwechseln und für den Wochendienst 250 Euro erhalten. Ihre Artikel laden die Autor*innen, möglichst gegengelesen im kleinen Autorenkreis, selbst hoch. Für den Besuch der Pankower Bezirksverordnetenversammlung und die daraus entstehenden Artikel würden 400 bis 500 Euro Honorar bezahlt, erklärt Schwörbel. Im redaktionellen Konzept wird es laut Schwörbel bald Änderungen geben: Die Berichterstattung soll nicht mehr unbedingt an der Ortsteilgrenze enden, sondern auch in die benachbarten Kieze schauen. Und da inzwischen die Berliner Tageszeitungen die Stadtteilberichterstattung wieder als ihre Chance entdecken, diskutiert die „Prenzlette“ über eine neue Ausrichtung für die Leser*innen: Durch mehr Hintergrundberichte nicht nur wissen, was passiert, sondern verstehen, warum. Wohl nicht zufällig auch das Motto der „Kraut-reporter“.

 

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