Auf Konfrontation gebürstet

Klaus Schrage, Redakteur für die Nürn­berger Nachrichten, versandte mit Heinz Wraneschitz, beide dju-Sprecher in Bayern, das Schreiben an die Parteien.
Foto: Jan-Timo Schaube

Drei Zumutungen sind zu viel. Mit einem elend schlechten Angebot haben die Vertreter des Bundesverbandes der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) in der Tarifrunde für die Zeitungsjournalisten_innen die Weichen auf Konfrontation gestellt.

Wir haben eine lineare Entgelterhöhung von 4,5 Prozent, mindestens aber 200 Euro für Volontäre_innen und Jungredakteure_innen gefordert. Diese vergleichsweise zurückhaltende Vorgabe war unser Signal an die Verleger, dass wir eine zügige Gehaltsrunde anstreben. Beim ersten Treffen gab es dafür Kopfnicken in den Reihen der BDZV-Vertreter. Das hat sich in der zweiten Verhandlungsrunde geändert: Die Arbeitgeber spielen auf Zeit, sie setzen auf abgestandene Rituale.

Ihr Angebot provoziert und lässt jede Wertschätzung vermissen. Unsere Kolleginnen und Kollegen sollen in zwei Stufen eine lineare Erhöhung von 2,4 Prozent bekommen. Dies bei einer Laufzeit von 30 Monaten. Außerdem, und das ist Zumutung Nummer drei, soll die erste Erhöhung frühestens zum 1. August 2018 wirksam werden. Absurde Begründung: Eine frühere Anhebung würde die Verlage überfordern. Erträglich werden soll dieses Nicht-Angebot durch eine Verlängerung der Laufzeit des Manteltarifvertrags um ein Jahr bis Ende 2019.

Den Verhandlern des BDZV fehlt das Gespür für Sozialpartnerschaft. Hätten sie es, würden sie bemerken, dass wir eine höhere Tarifanhebung für die unteren Entgeltgruppen aus einer ehrlichen Sorge um die Zukunft der Verlage fordern. Wir haben überzeugend dargelegt, dass es immer weniger Interessenten für die Arbeit eines Zeitungsredakteurs gibt. Wir haben anhand mehrerer Fälle aufgezeigt, dass sich junge Journalistinnen und Journalisten viel zu früh in Pressestellen oder in PR-Abteilungen von Unternehmen verabschieden, weil sie dort mehr Geld verdienen. Wir haben verdeutlicht, dass die schlechte Bezahlung in tariflosen Online-Töchtern für wachsende Wut sorgt. Wer dort vier oder fünf Jahre zu üblen Konditionen gearbeitet hat, geht mitunter schon aus purer Selbstachtung.

Die Antwort der Verleger: Die Zahl der Bewerber_innen sei zwar gesunken, sie sei aber immer noch hoch genug. Das Weltbild der Gewerkschaft sei verkehrt. Es gebe viele Faktoren, die attraktive Arbeitgeber ausmachten. Das Geld sei da bloß ein Aspekt.

Statt sich ernsthaft den Zukunftsfragen zu widmen, werfen die Verleger Nebelkerzen. Sie wollen das Vorrücken in höhere Berufsjahregruppen an das Absolvieren von Weiterbildung koppeln. Dabei ignorieren sie, dass viele Verlage unfähig sind, Fortbildung zu planen und dass Seminarbesuche aufgrund des hohen Arbeitsdrucks gerade in kleineren Redaktionen gar nicht möglich sind. Wie sich der BDZV die Umsetzung dieses Ziels im Tarifvertrag konkret vorstellt, konnten seine Vertreter nicht erklären. Offenbar waren sie schlecht vorbereitet.

Am 12. März werden die Verhandlungen in Stuttgart fortgesetzt. Der Unmut in den Redaktionen ist groß, in Betriebsversammlungen wurde das BDZV-Angebot mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen und Wut registriert. Sie sollten in Aktionen umschlagen! Kehren die Verleger zur Vernunft zurück, sind wir dafür offen. Bis dahin gilt für die dju: Wir lieben Journalismus. Die Verleger nicht!

 

 

 

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