Debakel um Redakteurstarife

Nach fünf Runden waren die Tarifverhandlungen für Redakteur*innen an Tageszeitungen im Februar zu Ende. Das Ergebnis – unbefriedigend. „Ein Debakel“ nennt es der Vorsitzende der Tarifkommission der dju in ver.di. Dennoch hat ver.di den vom DJV forcierten und schnell abgezeichneten Tarifabschluss am letzten Tag der Einspruchsmöglichkeit zähneknirschend gegengezeichnet.

Damit bestehe Rechtssicherheit für alle gewerkschaftlich organisierten Kolleg*innen und es entstehe keine zusätzliche Spaltung der Belegschaften, heißt es bei ver.di. Aber man halte an der Kritik über den Verhandlungsverlauf und das Ergebnis fest und wolle sich damit noch ausgiebig auseinandersetzen.

Die Laufzeit des ab dem 22. Februar geltenden Tarifabschlusses beträgt 28 Monate – vom 1. Januar 2022 bis 30. April 2024. Ab 1. September 2022 gibt es eine Tariferhöhung um 1,5 Prozent, für Volontär*innen 100 Euro monatlich mehr. Um 2,0 Prozent steigen die Gehälter nochmals ab 1. Juni 2023 bis Ende der Laufzeit. Abweichend werden die ersten beiden Gehaltsstufen der Tarifgruppe 3 ab 1. März 2022 um 1,7 (3.-7. Berufsjahr) und um 2,2 Prozent (8.-12. Berufsjahr) erhöht. Damit sollen die Abstände zu den Gehältern in der Tarifgruppe 2b hergestellt werden, die bisher teilweise unterschritten wurden. Für alle Redakteur*innen und Volontär*innen, die bereits im Januar 2022 beschäftigt waren, wird im März eine Corona-Prämie von 500 Euro ausgezahlt. Für arbeitnehmerähnliche Freie wird eine Einmalzahlung von einem Viertel des bei einem Verlag erzielten Durchschnittshonorars aus der Zeit von September 2021 bis Februar 2022 gezahlt. Der Tarifvertrag regelt zudem die zweimalige Möglichkeit pro Jahr für alle Redakteur*innen, auf die Hälfte eines Monatsgehalts zu verzichten und dafür bis zu 11 Tage (unbezahlte) Freizeit nehmen zu können.

Einer der krassesten Makel des Tarifergebnisses sei die Missachtung der Bedürfnisse von jungen Journalist*innen. In anderen Bereichen der Medienbranche habe ver.di (vielfach zusammen mit dem DJV) mit Festbeträgen, wenig Nullmonaten und stattlichen Einmalzahlungen Abschlüsse durchsetzen konnte, die gerade die Probleme gestiegener Lebenshaltungskosten für Berufseinsteiger*innen berücksichtigten. Aber für Zeitungen habe der DJV nach dem Verlassen der gemeinsamen Verhandlungslinie einen Abschluss mit geringen Prozenterhöhungen, Nullmonaten und vergleichsweise niedriger Corona-Prämie angestrebt. Über die Gesamtlaufzeit würden die Tariferhöhungen deshalb die aktuelle und auch die zu erwartende Inflation keineswegs ausgleichen. Damit sinke das verfügbare Einkommen für Zeitungsjournalist*innen. Für freie Journalist*innen ist nach der Auftragsflaute auch zu wenig drin in diesem Abschluß, heißt es in einer ver.di-Tarifinformation.

Die dju in ver.di war bereit, sich hartnäckig für eine deutlicher akzentuierte Einkommensentwicklung für Junge und für höhere Steigerungen bei dienstälteren Kolleg*innen einzusetzen. Der DJV offenbar nicht.

Der gesamte Text des Tarifvertrags kann hier heruntergeladen werden:

https://kurzelinks.de/tv-tageszeitungen-pdf

dju in ver.di zum Tarifabschluss für Zeitungsjournalist*innen: Erkenne die Unterschiede! – ver.di (verdi.de)

https://kurzelinks.de/dju-ta-zeitgjourn22

Kommentar und Video von und mit Klaus Schrage:

Abschluss von Bestand?

 

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