Funke entlässt und gründet neu

Kritik des Betriebsrats: Sozial unverantwortlich

Ob Drucker_innen, Mediaberater_innen oder jetzt die Fotograf_innen, die Funke Mediengruppe setzt immer mehr Beschäftigte vor die Tür. Eine besondere Variante wurde nun bei den Fotografen gewählt. Hier wird zum 1. Januar 2018 die neue Foto- und Videoagentur Funke Foto Services GmbH gegründet, die alte Unit Funke Foto Services  (bis 2015 WAZ-Fotopool) aufgelöst, allen 24 Mitarbeiter_innen gekündigt.

Konzernzentrale der Funke Mediengruppe in Essen
Foto: Jürgen Seidel

Wie viele neue Arbeitsplätze in der neuen Agentur wo entstehen werden, darauf will sich die Funke Gruppe noch gar nicht festlegen. Klar ist nur, wer Chef der neuen Agentur wird: Mark-Oliver Multhaup, Leiter der Funke Redaktions Services, deren Unterabteilung die Fotoservices sind. Selbst über den Sitz der neuen Agentur (Essen? Berlin?) gibt es noch Spekulationen.

Volker Herold, Betriebsratsvorsitzender der Funke Redaktions Services in Essen, kritisiert das Verhalten der Funke-Geschäftsführung scharf: „Das ist sozial unverantwortlich. Was früher bei der WAZ noch gelebt wurde, die Familie, das gibt es schon lange nicht mehr. Die Kollegen sind total enttäuscht und vor den Kopf gestoßen. Warum redet man nicht mit uns über Altersteilzeit oder über Aufhebungsverträge?“

Der Betriebsrat hat inzwischen einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Dieser soll auch überprüfen, ob es sich um einen Betriebsübergang nach § 613 a BGB handelt, ob es sich um einen erzwingbaren oder freiwilligen Sozialplan handelt. „Die erste Verhandlungsrunde zum Sozialplan ist am 8. September 2017. Aus einem ersten Informationsgespräch wissen wir nur, dass  zum 1.1. 2018 eine neue Foto-Unit gegründet und unsere geschlossen wird. Die Kollegen dürfen sich auf die Arbeitsplätze im neuen Betrieb bewerben.“ Die Betriebsgröße und der Standort sind dem Betriebsrat aktuell nicht bekannt.

Heikel ist die Entscheidung allemal, zumal sich Funke immer noch den Anstrich gibt, ein soziales Unternehmen zu sein. Die Entscheidung habe nicht nur in Gewerkschafterkreisen, sondern auch „innerhalb des Hauses“ für Diskussionen gesorgt, heißt es selbstkritisch im „Freitagsblog“, in dem sich die Geschäftsführer Manfred Braun und Michael Wüller regelmäßig an die Belegschaft wenden.  Begründet wurde die Neuaufstellung des Foto- und Videogeschäftes in dem Blog damit, dass sich die Onlinemedien in den vergangenen Jahren massiv verändert hätten, die Anforderungen an die Bildqualität und Bildsprache seien deutlich gestiegen. Außerdem erwarte die Leserschaft ein deutlich ausgebautes Angebot an Videos. (2. Link)Warum sich dieses nicht mit den bisher beschäftigten Fotografen bewerkstelligen lässt, dazu sagt Funke allerdings nichts.

Der WAZ-Fotopool war 2009 als Zusammenschluss der Fotoredakteur_innen der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ), der „Neue Ruhr/ Neue Rhein Zeitung“ (NRZ)  und der „Westfälischen Rundschau“ (WR) entstanden.  Schon beim Übergang in den WAZ-FotoPool hatten die Beschäftigten Abstriche vom Tarif hinnehmen müssen. Aktuell sind die Funke Foto Services noch Teil der ebenfalls nicht mehr tarifgebundenen Funke Medien NRW. Die neue Agentur, so Funke in einer Pressemitteilung, soll verstärkt auch als Anbieter für weitere Verlage am Markt auftreten.

nach oben

weiterlesen

Maus & Co feiern das ganze Jahr Geburtstag

Rund ein Dutzend Spartenkanäle haben ARD und ZDF seit 1984 lanciert, aber keiner war je so erfolgreich wie der Kinderkanal; in diesem Jahr wird der Kika zwanzig. Den eigentlichen Geburtstag am 1. Januar hat der Sender verstreichen lassen, denn gefeiert werden soll das ganze Jahr: mit zahlreichen Mitmach-Aktionen und Programmhighlights. Am 27. März wird ein Facebook-Auftritt für Eltern gestartet.
mehr »

Re:publica TEN diskutiert über Arbeit der Zukunft

Arbeit 4.0, Arbeit der Zukunft oder Digitalisierung der Arbeit. Drei Begriffe, die dieselbe Problematik beschreiben: Wie können wir – Gesellschaft, Politik und Gewerkschaften – die Auswirkungen, die die Digitalisierung auf Arbeitsformen und -prozesse hat, sozialverträglich und ohne dass dabei seit langem etablierte Standards des Arbeitnehmerschutzes verloren gehen, gestalten? Dieser Frage wurde auf der re:publica TEN in zwei Panels nachgegangen, die in Zusammenarbeit mit der Hans-Böckler-Stiftung als externer Partner realisiert wurden. Als Podiumsgast geladen war auch die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis.
mehr »

„Bolzplatz“ für junge Leute – Radio Bremen mit neuem Angebot

Auf der Suche nach der verloren gegangenen Jugend versucht Radio Bremen (RB) es jetzt mit einem Spezialangebot für 15- bis 25-Jährige: „Bremen Next“. So heißt ein neuer crossmedialer Kanal, der seit dem 17. August auf Sendung ist. Radio Bremen war früher berühmt für seinen Einfallsreichtum beim Erfinden neuer Sendungen wie „Beat Club“, „3 nach 9“ oder „Loriot“. Dann war in dieser Hinsicht eher Sendepause. Mit „Musik und Lifestyle aus deiner Stadt“ sollen junge Leute wieder an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk herangeführt werden. Die kleinste ARD-Anstalt ist damit schneller als das überregionale „Junge Angebot“ von ARD und ZDF, das im Oktober startet.
mehr »

Vor dem Objektiv: G20 in Fotos dokumentiert

Beim Gipfel der Staatschefs der G20 im Juli hat Hamburg erlebt, was ein Polizeistaat ist. Auch wenn manche widersprechen und sagen, die dritte Gewalt war zu schwach und habe versagt: Alle erlebten einen Ausnahmezustand. Wie ihn 14 Fotograf_innen dokumentierten, zeigt nun eine Ausstellung in den ver.di-Höfen in Hannover.
mehr »