Kein Grund zum Jubeln

Tarifabschluss mit 4,6 Prozent Volumen für Tageszeitungen

Die Tarifverhandlungen für die 15.000 Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen endeten am 10. November mit einem Abschluss der 2,4 Prozent im ersten Jahr (ab 1. November 2008) und einer Einmalzahlung von 0,6 Prozent. Ab 1. Oktober 2009 erfolgt eine weitere Gehaltserhöhung von 1,6 Prozent. Insgesamt bedeutet das ein Volumen von 4,6 Prozent mehr Gehalt.

Der Tarifvertrag gilt 24 Monate ab dem 1. August 2008 bis zum 31. Juli 2010. Der Manteltarifvertrag wird bis zum 31. Dezember 2010 verlängert. So lange ist auch die Altersversorgung sicher. Über die Umsetzung des Tarifabschlusses für arbeitnehmerähnliche Freie soll am 24. November abschließend verhandelt werden. Onlineredakteure sind noch nicht in den Tarifvertrag aufgenommen worden. Über diese Forderung der dju in ver.di sollen Verhandlungen unverzüglich stattfinden, das sicherten die Verleger zu.
„Obwohl es mit diesem Abschluss gelungen ist, die durch die Verleger geplanten Angriffe auf den Manteltarifvertrag abzuwehren und die Altersversorgung abzusichern, bleibt das Ergebnis unterm Strich unbefriedigend“, erklärte ver.di-Verhandlungsführer Frank Werneke. „Das Gehaltsergebnis liegt unzweifelhaft deutlich unter den berechtigten Vorstellungen der Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen. Es ist mit Ausnahme von Baden-Württemberg und einigen weiteren Regionen leider nicht ausreichend gelungen, durch Arbeitskampfmaßnahmen Druck zu entfalten. Das spiegelt sich leider auch im Ergebnis wider“ so Werneke. Er betonte aber auch, dass „allein durch die Streiks überhaupt Bewegung in die Verhandlungen gekommen“ sei. „Eine Trendumkehr in der Tarifentwicklung für Journalisten haben wir leider nicht erreicht. Diese unterdurchschnittliche Entwicklung in Zeitungsredaktionen seit 2000 wird damit fortgesetzt“, hob Medien-Tarifsekretär Matthias von Fintel hervor. Das Tarifergebnis wird innerhalb der Erklärungsfrist bis zum 8. Dezember in den Tarifgremien beraten.
Unter dem Motto „Guter Journalismus braucht gutes Geld und gute Tarifverträge“ war auch am Tag der fünften Verhandlungsrunde in Hamburg vor allem in Baden-Württemberg die Warnstreikfront ungebrochen. Aus 25 Häusern gingen 500 Beschäftigte raus, legten mehrere Stunden oder den ganzen Tag Stift und Maus aus der Hand. Auf dem Marktplatz in Stuttgart trafen sich mehr als 300 Streikende zu einer Kundgebung. „Wir müssen die Abwärtsspirale stoppen“, forderte Gerhard Manthey, Landesfachbereichsleiter Medien. Seit dem 1. August nach Ablauf des Gehaltstarifvertrages hatten sich hunderte Redakteurinnen und Redakteure an Aktionen und Arbeitsniederlegungen für einen ordentlichen Tarifabschluss beteiligt (M 8–9/2008). In Baden-Württemberg hatten am 29. September 400 Redakteurinnen und Redakteure für ein „seriöses Angebot“ der Arbeitgeber gestreikt. In Stuttgart, Esslingen, Heilbronn, Ulm und Mannheim war die „Schmerzgrenze erreicht“. Aber auch in Berlin, Hannover; Oldenburg, München und Bremen wurde die von den Verlegern angebotene Eins vor dem Komma als „Zumutung“ zurückgewiesen (M 10 /2008). Im Oktober beteiligten sich wiederum hunderte Kolleginnen und Kollegen aus 30 Redaktionen an Warnstreiks. Darunter die Lübecker Nachrichten, die Neue Presse Hannover/Coburg, der Nordbayerische Kurier, die Rhein-Neckar-Zeitung, die Badische Zeitung, der Konstanzer Südkurier. „Wir haben eine Verrohung der Sitten, was die Bewertung von Arbeit anbelangt – quer durch alle Branchen. Die Würde der Arbeit steht auf dem Spiel. Gute Arbeit muss gut entlohnt werden“, so ver.di-Bezirksgeschäftsführer Martin Gross auf einer Kundgebung vor der Reutlinger Marienkirche, an der 50 Redakteure von verschiedenen Zeitungen der Region teilnahmen. In einigen Redaktionen wurden Proteste gegen Verlegerwillkür bei Tarifverhandlungen mit dem Internationalen Aktionstag „Stand up for Journalism“ am 5. November verbunden. Beispielsweise im Berliner Verlag, in dem gerade Personalabbau und Umstrukturierungen auf der Tagesordnung stehen, haben sich an diesem Tag 60 Redakteure für Qualitätsjournalismus und gegen Kündigungen eingesetzt.


 

Tarifverhandlungen Zeitschriften

Die Verhandlungen für die 9.000 Redakteurinnen und Redakteure an Zeitschriften wurden am 12. November (nach Redaktionsschluß der dieser «M») fortgesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Verleger kein Angebot vorgelegt.

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