Online-Dividende durch Freien-Vermarktung

Journalistischer Content soll die Kassen zweier Aktiengesellschaften klingeln lassen

Auf das Geschäft übers Internet hoffen viele, auch wenn einige Senkrechtstarter bereits eine Bauchlandung hingelegt haben. Eher mager noch, so das Fazit einer zweiten Zwischenbilanz in „M“ (10/2000, erste: M 1-2/2000), sieht es bei der Online-Vermarktung für Texte und Fotos freier Journalisten aus. Das zu ändern und die Kassen in dem bisher fruchtlos beackerten Marktsegment kräftig klingeln zu lassen, haben sich zwei neue Anbieter vorgenommen. Beide starten als Aktiengesellschaften – doch sonst gibt es kaum Gemeinsamkeiten.

Anlaufschwierigkeiten bei der mediasource AG

Bereits im November 1999 wurde die mediasource AG mit Sitz in Hilden (NRW) von Volker Hoebel, Verlagskaufmann und vormals Geschäftsführer einer Werbeagentur, gegründet. Dass die „E-Commerce-Plattform für den Handel von Veröffentlichungsrechten“ bisher nicht in Schwung kam, sondern es erst „in diesem Februar richtig losgehen“ soll, so Hoebel, lag vor allem an Problemen mit der Internet-Präsenz.

Wer die Homepage www.mediasource.de noch vor wenigen Monaten aufsuchte, konnte sich erst nach vielen Klicks zusammenreimen, dass bei dem Projekt „die Beschaffung von redaktionellen Inhalten durch freie Journalisten, die Bildbeschaffung für Werbeagenturen und die wirksame Verbreitung von PR-Informationen“ im Mittelpunkt stehen sollen. Das ist seit dem 30. Dezember 2000 anders.

Bereits Ende Januar 2001 wurden in der über Schlagworte, Themen und Autorennamen gut erschließbaren Internet-Datenbank Artikel und Fotos von 126 Autoren angeboten. Stichproben zeigen, dass hier viel Interessantes, Seriöses und handwerklich Ordentliches in Wort und Bild vertreten ist. Der Anlaufphase ohne konkrete Geschäftstätigkeit mag es geschuldet sein, dass sich daneben im Datenbestand auch „Fantasie-Autoren“ oder mediasource-Manager Friedrich Fraedrich (Selbsteinschätzung: „Hobbyschreiber“) gleich mit fünf Einträgen finden.

Offene Plattform für alle Freien

Allerdings ist mediasource als Plattform prinzipiell „offen für jeden“. Eine Redaktion und Qualitätskontrolle wird es nicht geben. „Aber das wird sich selektieren“, sagt Volker Hoebel. „Wer unpassend ist, wird auch keinen Erfolg haben.“ Die inhaltliche Qualität den Marktmechanismen überlassen, heißt für den mediasource-Macher nicht, dass alles im Selbstlauf passiert. „Wir versuchen, gezielt Profis anzusprechen“, sagt er und ist „sicher, genügend gute Autoren zusammen zu bekommen.“

Optimistisch ist Hoebel auch in Bezug auf die Abnehmerseite, denn von der will mediasource ja schließlich leben und seinen Aktionären, die beim Börsengang 1,5 Millionen Euro investiert haben sollen, Dividenden zahlen. Geschäftlich rentieren soll sich das kleine Unternehmen ab 2002, aber die Planungen sehen bereits für 2001 einen Umsatz von 600 000 Euro vor. Davon soll allerdings ein wichtiger Teil über den Werbemarkt (Hoebel: „Dort wird mehr gezahlt.“) sowie durch den Transport von Unternehmens-PR über die mediasource-Plattform („sauber getrennt, aber gut präsentiert“) erzielt werden.

Bei der Verwertung journalistischer Produkte über das Internet setzt mediasource auf ein gezieltes Angebot, Vielfalt, professionelle Archivierung, klare Preistransparenz und sofortige Nutzbarkeit von Artikeln und Fotos. „Bei uns muss niemand die Katze im Sack kaufen“, sagt Hoebel. „Jeder hat die ehrliche Chance, unsere Angebote zu prüfen.“ Von Artikeln ist die erste Seite aufrufbar und kann ausgedruckt werden. Fotos können in Layout-Qualität heruntergeladen werden. Bei Gefallen sind die kompletten Artikel oder Foto-Dateien nach elektronischem Kauf sofort verfügbar.

Aktive Vermarktung für 15 Prozent Provision

Für das mediasource-Angebot sollte die Werbetrommel in den Redaktionen ab Februar gerührt werden. „Wir haben über einen langen Zeitraum Adressen gesammelt und werden die Zuständigen gezielt ansprechen“, erläutert Hoebel. Für die Zukunft setzt er auf eine aktive Vermarktung der freien Autoren, beispielsweise durch E-Mail-Newsletter, die Redaktionen sich selbst thematisch zusammenstellen können.

Für Freie sieht der mediasource-Macher eine gute Chance, ohne viel Aufwand (sie müssen Artikel oder Fotos nur übermitteln und verschlagworten) zusätzliches Geld durch Mehrfachverwertung zu verdienen. Dabei können sie das Mindesthonorar pro Zeile oder Bild, das durch feste Zuschläge für Auflagenhöhe, Verbreitungsgebiet oder Platzierung erhöht wird, selbst festlegen. Die AG kassiert davon 15 Prozent für die Vermittlung und komplette Abwicklung. Hoebel: „Die Honorare der Freien sind bekanntlich ja nicht besonders hoch, deshalb auch unsere Provision nicht.“

Newsful.Net AG setzt auf Qualität

Grundsätzlich 20 Prozent Provision, bei Gewährung von Umsatzrabatten, will die Newsful.Net AG von den Medien – neben Print auch Hörfunk – für die Vermittlung journalistischer Inhalte über das Internet kassieren. Die fünf Prozent mehr machen aber nicht den einzigen Unterschied gegenüber mediasource aus. Die beiden Lieblingsworte des Vorstandsvorsitzenden Nils Winkler sind „Qualität“ und „Eier legende Wollmilchsau“. Das eine will Newsful.Net seinen Kunden garantieren, das andere auf keinen Fall sein. Das Angebot an Text und Sprache soll „sehr selektiv“ auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sein.

„Unser Erfolg hängt von der Zuverlässigkeit ab“, sagt Winkler. „Deshalb werden wir uns auch keine Fehler erlauben.“ Online – bisher gibt es im Internet nur einige Image-Seiten – werde die AG mit ihrem Angebot erst gehen, wenn vom Start weg alles funktioniere. Dafür sei ein Termin noch nicht gesetzt. Winkler räumt allerdings ein, dass es spätestens im Sommer 2001 losgehen soll. „Das Sommerloch ist guter Startzeitpunkt: nicht so hohes Aufkommen und Fehler sind leichter zu korrigieren.“

Aufbau eines Netzwerks von freien Journalisten

Was will Newsful.Net nun leisten? Die AG will für Zeitungen oder Radiosender, die keine eigenen Korrespondenten haben oder Berichte zu bestimmten Themen suchen, praktisch ein Netzwerk von freien Journalisten aufbauen, auf das diese zurückgreifen können. „Die wesentlichen Partner haben wir“, sagt Winkler. „Wir entwickeln das Projekt gemeinsam.“ Nennen will er sie natürlich noch nicht.

Dabei soll Qualität und Aktualität („im Hörfunk minutenaktuell“) der Maßstab sein. „Qualität ist im Journalismus das Wichtigste; der einzige Ansatz, der läuft“, betont Winkler, bis vor einem halben Jahr selbst freier Journalist. Garantiert werden soll beides durch die Zusammenarbeit mit hauptberuflichen Journalisten, Radiosendern, kleineren regionalen Agenturen und größeren Pressebüros sowie durch eine eigene Redaktion.

Büros in Hamburg, Berlin und München

Ziel sei es, den Abnehmern eine „Grundsicherung“ soweit wie möglich zu garantieren, also beispielsweise eine Zeitung mit Hintergrundberichten zu beliefern, die sie dann in ihrem Verbreitungsbericht exklusiv habe. „Das hebt den Preis“, so Winkler und habe für die freien Journalisten den Vorteil, dass sie zu ihrem normalen Vertriebssystem ein weiteres Instrument zur Zweitverwertung bekämen, „mit wenig Aufwand für den Einzelnen“. Als „Content Broker“ sieht sich Newsful.Net nicht, sondern als Vermittler von Angebot und Nachfrage. Die Rechte an den Beiträgen bleiben bei den jeweiligen Urhebern.

Ob das Konzept von Newsful.Net funktionieren wird? Der Vorstandsvorsitzende der AG (Winkler: „Wir werden nicht an die Börse gehen.“) strahlt Optimismus aus. Derzeit gibt es zwar außer dem Vorstand nur zwei Beschäftigte und aus Kostengründen noch kein Büro am Sitz der AG in Hamburg. Das soll sich aber bis zum Sommer ändern. „Vom Start weg werden 20 Redakteure da sein. Sie sind teilweise schon eingestellt“, sagt Nils Winkler. „Noch in diesem Jahr werden wir Büros in Berlin und München eröffnen.“

 

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