Südwestdeutsche Medienholding setzt weiter auf Stellenabbau

 

Wenn Unternehmensberater nach Möglichkeiten zur „Effizienzsteigerung“ suchen, steht das Ergebnis zumeist schon vorher fest: Arbeitsplätze werden vernichtet und Tätigkeiten ausgelagert. So auch bei der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), zu der u.a. die beiden großen Stuttgarter Lokalblätter und die Süddeutsche Zeitung gehören. Auf Vorschlag der Unternehmensberatung Schickler plant der Medienkonzern die Streichung von weiteren 75 Stellen.

„Um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Unternehmensgruppe zu sichern und weiter auszubauen“ will die SWMH-Spitze in den Bereichen Anzeigensachbearbeitung, Rechnungswesen, Controlling, Personalwesen, Facility-Management und SZ-Leserservice in den kommenden zwei Jahren 75 Jobs streichen. „Der Abbau soll sozialverträglich und, soweit möglich, ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen“, heißt es in einer Konzernmitteilung. Ein Teil der Aufgaben soll von externen Dienstleistern übernommen werden. Das Management kündigte an, in Kürze „umfassende Beratungsgespräche“ mit dem Betriebsrat aufzunehmen, „dem laufend über das Projekt Auskunft gegeben wurde“.
Letzteres hält der ver.di-Konzernbetreuer Uwe Kreft für „Spätsommertheater“. Denn seit April dieses Jahres hätten die Interessenvertreter über das Projekt OPTIV („Optimierung interner Verlagsprozesse“) keinerlei konkrete Informationen mehr erhalten. „Die SWMH bleibt sich treu“, kommentiert der Gewerkschafter die Pläne. „Sie löst ihre Probleme mit Personalabbau und der Verlagerung von Tätigkeiten aus Tarifbereichen in tariflose Unternehmen und baut damit ihr konzerneigenes Lohndumpingmodell konsequent aus.“
Zuvor hatte die SWMH bereits die Vernichtung von 35 Vollzeitstellen bei der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten bekanntgegeben, die zum 1. April 2016 zusammengelegt werden. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten die Abfindungsangebote frustriert angenommen, berichtet Susanne Benda, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Stuttgarter Nachrichten. „Darunter sind gestandene Redakteure mit viel Erfahrung und Fachwissen, die uns fehlen werden.“ Die Unternehmensstrategie der Kostenreduktion werde sicher nicht zur Verbesserung der journalistischen Qualität beitragen.

 

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