ver.di-Aktive: Reale Steigerung nötig

Stuttgart 2018: Klare Ansage auf dem Schlossplatz bei der Streikkundgebung.
Foto: Martin Storz / Graffiti

Wenn aus zwei mageren Gehaltserhöhungen letztlich echter Reallohnverlust für die Zeitungsredakteur*innen resultiert, dann ist das ein unbefriedigender Zustand. Zu diesem Schluss kamen im Januar die Teilnehmer*innen der ersten baden-württembergischen dju-Tarifkonferenz in diesem Jahr. Sie beschlossen, die unerfreuliche Tarifsituation erneut zum Thema der gewerkschaftlichen Diskussion in den Redaktionen zu machen. Die Forderung nach Reallohnsteigerung bleibe bestehen.

Die dju-Vertreter*innen aus den baden-württembergischen Zeitungsredaktionen, die sich voriges Jahr mit Streiks für einen besseren Tarifabschluss eingesetzt hatten, bekräftigten ihre Kritik am Verhandlungsergebnis vom Juli 2018: Zwei Steigerungen von 1,9 und 2,4 Prozent bringen wegen langer Laufzeiten und vieler Nullmonate tatsächlich im Schnitt eines Jahres nur 1,3 Prozent Erhöhung. Und die bedeuten bei einer Jahres-Inflationsrate von rund 2 Prozent ein echtes Minus auf dem Gehaltskonto. Damit bestätigten die Konferenzteilnehmer die Enschätzung aus der dju-Mitgliederbefragung 2018 und die Beschlüsse der Bundestarifkommission. Auch wenn die mit ver.di konkurrierende Journalistenorganisation DJV mit den Zeitungsverlegern auf dieser Grundlage einen Tarifvertrag geschlossen habe, gebe es keinen Grund, den unbefriedigenden Stand der Tarifentwicklung bei Betriebs- und Redaktionsversammlungen auszuklammern. Die dju in ver.di stehe nach wie vor für die Forderung nach einer Reallohnsteigerung, um die für die Attraktivität des Journalistenberufs fatale Gehaltsentwicklung zu beenden, die sich daran zeige, dass die Redakteursgehälter in den vergangenen 15 Jahren das tarifpolitische Schlusslicht in Deutschland bildeten – verbunden mit einer spürbaren Reallohnsenkung.

Die Diskussion mit den betroffenen Zeitungsjournalist*innen ist nach einhelliger Meinung der dju-Aktiven notwendig, um im Hinblick auf 2020 in der dju eine gute Grundlage für die Forderungsdiskussion zur nächsten Tarifrunde zu bekommen. Nur mit einer intensiv geführten Debatte könne die nächste dju-Landestarifkonferenz, die für Oktober geplant ist, sich auf das kommende Jahr vorbereiten. In dem von ver.di nicht unterzeichneten Verhandlungsergebnis ist für 2020 keine prozentuale Gehaltserhöhung vorgesehen. Zudem droht von Verlegerseite die Kündigung des Manteltarifvertrags, mit der versucht werden könnten, weitere Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen der Redakteur*innen durchzusetzen.

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