Verhartzung der Filmbranche

Mit Blick auf die „Verhartzung der Filmbranche“ steht die Einführung eines Arbeitszeitkontos in Filmproduktionen im Mittelpunkt der Verhandlungen zwischen ver.di und den Produzenten-Vertretern. Auch die dritte Runde brachte keinen Durchbruch.

Mit der Hartz 3-Reform werden viele auf Produktionsdauer beschäftigte Filmschaffende kaum noch Anspruch auf Arbeitslosengeld erlangen können. Bisher erhielten Filmschaffende bei 360 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungstagen innerhalb von drei Jahren bis zu sechs Monate Arbeitslosengeld. Diese Rahmenfrist wurde auf zwei Jahre verkürzt und das bei immer kürzeren Produktionszeiten. Wobei die tägliche Arbeitszeit häufig bis zu 16 Stunden beträgt. Deshalb hat ver.di in den Tarifverhandlungen ein Zeitkonto-Modell angeboten, in dem die Gewerkschaft eine Basis für die Existenzsicherung der Filmemacher sieht. Dabei sollen während der Produktion tägliche Mehrarbeiten und Zuschläge ab der 11. Stunde auf ein Zeitkonto gebucht werden. Nach Abschluss der Produktion werden diese Zeiten als 8-Stunden-Tage abgegolten. Auf diese Beschäftigungszeiten werden dann Urlaubstage berechnet. Danach würde nach einem Dreh von 23 Tagen mit täglich 12 Stunden Arbeitszeit die Beschäftigungsdauer um etwa 7 Tage Zeitausgleich und mindestens 3 Tage Urlaub verlängert werden (M 05 und M 06 / 07 2004).

Mit der Begründung, das sei nicht „kostenneutral“ lehnten die Produzenten diesen Vorschlag ab. In der Tat, so Olaf Hofmann von connexx-av in ver.di, handele es sich um eine 3,5 prozentige Erhöhung der Personalkosten. „Ein angemessener Beitrag der Produzenten zur Existenzsicherung ihrer qualifizierten und sehr flexibel arbeitenden Fachkräfte.“

Mit den neuen Hartzgesetzen befürchten deutsche Filmemacher „ein Ausbluten der Branche“, wenn es keine Ausnahmeregelungen für Kultur- und Filmschaffende gibt, hieß es auf dem Münchener Filmfest. Nicht nur die Filmschaffenden, sondern auch das Filmschaffen als solches sei bedroht, so Steffen Schmid-Hug, Geschäftsführer vom Bundesverband Regie. Ein erheblicher Teil der Filmschaffenden werde 2006 die Arbeit in dieser Branche aufgeben müssen. Schmid-Hug verwies auf Regelungen in Frankreich, wonach für Kulturschaffende ein eigenes Arbeitslosengeld existiere. Die Verhandlungen werden am 22. September fortgesetzt. www.connexx-av.de/brancheninfos_filmfernsehproduktion.php3

wen

nach oben

weiterlesen

Mehr Sichtbarkeit für Frauen beim SWR

Der Südwestrundfunk (SWR) will den Frauenanteil in Radio, Fernsehen und Internet erhöhen und Frauen in allen Programmen sichtbarer machen. Daher stellt sich der Sender als erste Landesrundfunkanstalt der ARD der sogenannten 50:50-Challenge. Nach dem Vorbild der britischen BBC sollen alle Redaktionen ein Jahr lang freiwillig auf ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in ihrem Programm achten. Das Mitmachen in den Redaktionen ist freiwillig.
mehr »

Sie haben Post! – Ein neuer Newsletter

Altbacken, langweilig und viel zu viele: Newsletter galten lange Zeit als überholt. Doch das hat sich geändert. Aus den USA kommt der Trend, dass auch einzelne Journalistinnen und Journalisten ihre Inhalte im Abo direkt an ihre zahlende Leserschaft ausschließlich mailen. Sie stehen weder im Netz noch in gedruckten Medien. Wer Insider-Infos für zahlungsbereite Kundschaft liefert, kann damit sogar Geld verdienen. Einfach ist das allerdings nicht.
mehr »

Neuer Tarifvertrag für Filmschaffende

Nach fünfmonatigen Verhandlungen gibt es einen Tarifabschluss für die rund 25.000 Filmschaffenden in Deutschland, der ab September gilt. Die ver.di FilmUnion erreichte gemeinsam mit der Schauspielgewerkschaft BFFS in Verhandlungen mit der Produzentenallianz Verbesserungen bei Arbeitszeiten, Freizeitphasen während der Dreharbeiten, Zuschlägen am Wochenende und bessere Bedingungen für Arbeitsverträge von Schauspieler*innen. Außerdem soll ab September über die Erhöhung der Gagen verhandelt werden.
mehr »

Höhere Ausschüttung bei VG Bild-Kunst

Trotz der Pandemie konnte die VG Bild-Kunst im Geschäftsjahr 2020 ein außergewöhnlich positives Ergebnis erzielen. Auch die Ausschüttung an ihre Berechtigten im In- und Ausland konnte gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert werden, teilte die Verwertungsgesellschaft mit. Die Gesamterlöse der VG Bild-Kunst beliefen sich im Geschäftsjahr 2020 auf 109,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2019 wurden 61,2 Millionen Euro und 2018 56,3 Millionen Euro erzielt.
mehr »