Vor 50 Jahren: Gründung der Gruppe Funk

Dokumentation

aus:
RUNDFUNK. Informationen für die Gruppe Funk in der GDBA, Gewerkschaft Kunst.
Nr. 1, München, Juni 1950

In München trafen sich am 7. und 8. Mai 1950 zu einer Tagung, um über die wichtigsten Fragen der Angehörigen aller Sender der Bundesrepublik zu beraten, folgende Obmänner bzw. deren Stellvertreter:

    1. Dr. Hanns Cremer, Bayerischer Rundfunk,
    2. Heinz Costa, SWF, Zentrale Baden-Baden,
    3, Curt Becker, NWDR, Hamburg,
    4. Frau M. Feiser, SWF, Zentrale Baden-Baden,
    5. Dr. Haupt, NWDR, Sender Köln,
    6. Paul Henn, Radio Bremen,
    7. Albert Hofele, Radio Stuttgart,
    8. Joseph Saller, Radio Koblenz,
    9. Ernst Sladeck, SWF, Zentrale Baden-Baden,
    10. Theodor Steiner, Hessischer Rundfunk, Frankfurt,
    11. Rudolf Günther Wagner, Rias, Berlin.

Es waren sämtliche Sender vertreten. Die Leitung der Veranstaltung hatte der 1. Vorsitzende der Gruppe Funk, Dr. Hanns Cremer, München. Folgende, für alle Angehörigen des Funks wichtigen Beschlüsse wurden gefaßt:

Protokoll (Auszug)

I.
Die Gruppe Funk ist eine selbständige Organisation mit eigener Finanz- und Verwaltungshoheit im Rahmen der GDBA (Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger) und damit der Gewerkschaft Kunst im Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie organisiert nur Angehörige und Mitarbeiter der Sender und widmet sich ausschließlich der Durchsetzung deren Interessen.

II.
Eine Hauptgeschäftsstelle ist in München 15, Lessingstraße 6, Telefon 71272, errichtet. Dort werden von jetzt ab sämtliche Fragen, welche die Angehörigen aller Sender betreffen, einheitlich bearbeitet.

Wer irgendeines Rates oder irgendeiner Hilfe bedarf, kann sich dorthin wenden.

Es sage keiner, er werde nie Hilfe brauchen. Niemand ist auf die Dauer in seinem Beruf sicher. Über Nacht kann das Unglück kommen: Personalabbau, Gehalts- und Lohnherabsetzung, Minderung der Mitarbeiterhonorare sind ständig wiederkehrende Versuche der Verwaltungen.

An mehreren Sendern hat die Gruppe Funk durch ihr entschiedenes Eingreifen gefährliche Pläne, wie Massenkündigungen, Gehaltskürzungen usw., verhindert.

III.

Eine zentrale Rechtsschutzabteilung ist durch einstimmigen Beschluß der Tagung geschaffen worden.

Jedes Mitglied der Gruppe Funk erhält kostenlos Beratung und, wenn nötig, vor den Gerichten Vertretung in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten.

IV.

Eine Kommission zur Vorbereitung eines einheitlichen Tarifs ist von der Konferenz ebenfalls einstimmig eingesetzt worden.

Sitz der Tarifkommission ist Frankfurt, die Leitung hat Rechtsanwalt Dr. Bernh. Riepenhausen, Bad Nauheim.

Dieser Tarifkommission gehören folgende Mitglieder an:

1. Dr. Bernh. Riepenhausen, Vorsitzender,

    2. Curt Becker, NWDR, Hamburg,
    3. Albert Hofele, Radio Stuttgart,
    4. Ewald Klein, Radio Koblenz,
    5. Hermann Lauer, SWF, Zentrale Baden-Baden,
    6. Theodor Steiner, Hessischer Rundfunk, Frankfurt.

Aufgabe dieser Tarifkommission ist es, einen einheitlichen Tarifvertrag für alle Sender durchzusetzen.

Unter den Mitgliedern der Tarifkommission befinden sich auch Vertreter von Technik und Verwaltung.

Warum Tarifvertrag?

Nur ein Tarifvertrag, als Arbeitsvertrag einer Gesamtheit von Arbeitnehmern, kann die Angestellten und Arbeiter vor willkürlichen, einseitig von der Unternehmerseite aus beabsichtigten Maßnahmen sichern.

Die Sicherung betrifft hauptsächlich die Arbeitszeit, Gehälter und Löhne, den Urlaub und die Kündigung. Betriebsvereinbarungen allein können einen so weittragenden Schutz nicht bieten.

Wir werden nicht ruhen, bis dieses Ziel erreicht ist. Wir sind überzeugt, daß diese Errungenschaften allen Sendern, auch dem Sender RIAS-Berlin, der unter amerikanischer Verwaltung steht, zum Vorbild werden.

Alle Mitglieder der Gruppe Funk sind gleichzeitig Mitglieder des über fünf Millionen umfassenden Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Nie vermöchte eine einzelne, kleine Fachorganisation von Rundfunk-Angestellten und -Arbeitern, allein auf sich gestellt, sich wirksam durchzusetzen. An den meisten Sendern sind die Gewerkschaften bereits in den Aufsichtsorganen der Sender, wie Rundfunkrat usw., vertreten. Nie darf vergessen werden, daß es die Gewerkschaften waren, welche die Einrichtung der Betriebsräte erkämpften, die Sozialversicherung usw.

Außerdem stehen alle Einrichtungen dieser größten Organisation auf deutschem Boden jedem Mitglied der Gruppe Funk zu Verfügung, zum Beispiel Aufenthalt in herrlichen Erholungsheimen bei besonders billigen Preisen. Wir nennen nur einige dieser Heime: Hallthurn bei Bad Reichenhall, Reinthaler Hof bei Garmisch-Partenkirchen, Winkelmoos-Hütte bei Reit im Winkl, Suttenhütte am Tegernsee.

Es liegt im Interesse aller Angehörigen der Sender, einschließlich Technik und Verwaltung, die noch nicht Mitglied einer gewerkschaftlichen Organisation sind, sofort der Gruppe Funk beizutreten.

Niemand darf abseits stehen. Wer es tut, versündigt sich an seiner Zukunft und schadet seinen und aller Interessen. Es geht nicht an, daß andere allein Opfer bringen in einem Kampf um Rechte, die auch die Rechte aller sind.

V.

Ein Informationsblatt, welches über die Verhältnisse an den einzelnen Sendern und über alle Fragen und Kämpfe, Gefahren und Erfolge berichten wird, erhalten in Zukunft alle Mitglieder kostenlos.

Wenn Sie noch nicht Mitglied sind, bitten wir, die nachstehende Beitrittserklärung auszufüllen und dem Obmann Ihres Senders zu übergeben.

  • Gez.: DR. Cremer, 1. Vorsitzender

    Und in RUNDFUNK,  Nummer 3 – Juli/August 1950 – findet sich folgende Meldung:

    Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten

    Der Bayerische Rundfunk meldete am 5. 8. 1950:

    In München konstituierte sich heute eine Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik. Damit hat der Rundfunk der Bundesrepublik eine Vertretung erhalten, die die gemeinsamen Interessen der Rundfunkanstalten wahrnimmt. Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft war auf der Rundfunktagung in Bremen im Juni dieses Jahres beschlossen worden.

    Die Überwachungsorgane der einzelnen Rundfunkanstalten haben der Satzung zugestimmt.

    Die Satzung sieht vor, daß jeweils eine Rundfunkanstalt mit der Bearbeitung bestimmter Probleme beauftragt wird. So wird der Südwestfunk die Möglichkeit und Grenzen der Programmbestimmung, des Programmaustausches und der gemeinsamen Produktionsplanung untersuchen. Radio Bremen ist federführend für die Vorbereitung von Tarifverhandlungen.

    Den Vorsitz in der Arbeitsgemeinschaft hat turnusgemäß für das erste Halbjahr der Bayerische Rundfunk übernommen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Hörfunkrat begrüßt Reformdebatte

Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue hat den Bericht des Rates für die zukünftige Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Zukunftsrat) positiv gewürdigt. Es sei ein Verdienst des Expertengremiums, dass die Reformdebatte seit der Vorlage des Berichts vor fünf Wochen (am 18.1.) „deutlich entspannter und sachlicher“ geführt werde, erklärte Raue auf der jüngsten Sitzung des im Januar neu konstituierten DLR-Hörfunkrats am 22. Februar in Berlin.
mehr »

Verbindliche Regeln zur KI erforderlich

Klare Regeln für den den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) fordern Schauspieler*innen, Schriftsteller*innen oder Journalisten*innen immer drängender. In der Reihe "DGB-Dialog Künstliche Intelligenz" ging es am 22. Februar um "Alles Fake?! KI in Medien und Kultur“. Mittlerweile werde die generative KI so mächtig, dass sie Teile menschlicher Arbeit tatsächlich ersetzen könne, hieß es in der Diskussion. 
mehr »

Proteste beim Berliner Tagesspiegel

Mit Schildern wie „Tarifverträge einhalten“ haben sich am 20. Februar mehr als 100 Beschäftigte des Berliner Tagesspiegels vor dem Verlagsgebäude an einer aktiven Mittagspause beteiligt und damit klar gemacht: So nicht! Erst Ende 2022 hatten ver.di und DJV/jvbb nach zähen Verhandlungen und Protesten von Verlagsangestellten und Redakteur*innen mit der Geschäftsführung einen Haustarifvertrag abgeschlossen.
mehr »

Berlinale: Protest für gute Tariflöhne

„Kein Film ohne uns“, „Kein Kino ohne uns“, tönte es bei der gestrigen Eröffnung der Berlinale über den Potsdamer Platz. Rund 150 Filmschaffende und Kinobeschäftigte aus dem gesamten Bundesgebiet setzten ein Zeichen für bessere Arbeitsbedingungen und gute Tariflöhne. Die Gewerkschaft ver.di hatte den "Union Day"-Protest organisiert und rief gleichzeitig zu Streiks in zwei großen Kinoketten auf.
mehr »