Verleger, Verlöger, verlogen. Mehr will einem nicht einfallen, wenn man die jüngsten Nachrichten aus der Medienwelt hört. Bei öffentlichen Auftritten, in Interviews und Sonntagsreden stellen sich die Deutschen Zeitungsverleger*innen als Bewahrer des Qualitätsjournalismus und somit Retter der Demokratie dar. Im Alltagsgeschäft legen sie an genau diesen Qualitätsjournalismus Hand an.
Da werden Redaktionen zusammengelegt, “Synergieeffekte genutzt”, “dem technischen Fortschritt Rechnung getragen” und ständig neue Gründe und Wege gefunden, journalistische Stellen in den Verlagen abzubauen. Mal werden Leute direkt auf die Straße gesetzt, viel öfter aber freiwerdende Stellen schlicht nicht nachbesetzt.
Die jüngsten Beispiele: DuMont schließt die “Rheinische Redaktionsgemeinschaft”, die die Regionalausgaben des Kölner Stadtanzeigers rund um die Großstadt erstellt hat. Axel Springer schließt die Regionalredaktionen der “Welt” in Hamburg und in Nordrhein-Westfalen. Beiden Verlagen steht das Wasser nicht gerade bis zum Hals und ihren Eigentümer*innen erst Recht nicht. Zynische Begründung aus dem Hause Springer: Man wolle möglichen Verlusten durch die Lokalredaktionen vorbeugen.
Nun sind Verluste ein unternehmerisches Risiko. Der Konsens des Kapitalismus ist: Dafür, dass Unternehmer*innen Verlustrisiken eingehen, dürfen sie auch Gewinne machen, soviel sie wollen. So lange Verluste für ein Unternehmen nicht existenzgefährdende Ausmaße erreichen, sind sie hinzunehmen. Dem Recht auf Eigentum stellt das Grundgesetz auch die Pflicht zu dessen sozialen Gebrauch gleich.
Die Verleger drücken sich
Hier drücken sich die Verleger*innen im doppelten Sinne: Sie vergreifen sich an der sozialen Sicherheit ihrer Mitarbeiter*innen und sie vernachlässigen die gesellschaftliche Verpflichtung ihres Wirtschaftszweiges, ihre Leser*innen durch fundierte Informationen zu mündigen Bürger*innen zu machen und so die Demokratie in Deutschland zu stärken. “Leeres Wort des Reichen Pflicht”, wäre ein angemessenes Liedzitat dafür
Die Kolleginnen und Kollegen bei der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft und den Welt-Lokalredaktionen sind in ihren Beritten bestens vernetzt und informiert. Das merken auch die Leserinnen und Leser und sie vertrauen ihrem Medium. An solche Strukturen legen DuMont und Springer, aber auch Madsack, Funke und wie sie noch alle heißen, die Axt an.
Die Kolleg*innen könnten ja in den neuen Verlagsstrukturen – vielleicht – weiterarbeiten, heißt es dann. Aber Redakteure, die ständig aufs Neue verunsichert werden, schaffen nur schwerlich selbstsicheren Lokaljournalismus. Für gute Arbeit braucht es gute Arbeitsbedingungen, und dazu gehört ein sicherer Arbeitsplatz. Daran sollte man die großspurigen Verleger*innen einmal erinnern, wenn sie die nächste Sonntagsrede halten. Den Kolleg*innen bei DuMont und Springer wünschen wir erst einmal viel Mut und Kampfkraft in den kommenden Auseinandersetzungen.

